Montag, 13. Januar 2014

Nur mal so ... (Teil 3)

Ich gestehe, als Kind war ich in mancher Hinsicht kein einfacher Esser. Ich mochte weder Käse noch Tomaten. Zu Käsebroten und -platten habe ich noch heute ein ambivalentes Verhältnis. Ich weiß, ich verpasse da viel. Mittlerweile liebe ich Tomaten und auch Käse geht warm immer, kalt zumindest einige Sorten. Anders die holde Familie. Die liebt Käse in jeder Erscheinungsform, je kräftiger, desto besser.  

Ich erinnere mich genau: unsere Tochter ging damals noch in den Kindergarten und dort sollte ein gemeinsames Frühstücksbüfett stattfinden. Die Erzieherinnen fragten also alle Kinder, was sie morgens am liebsten äßen. Die Antworten waren meist Gouda, Mortadella, Nussnugatcreme oder Marmelade. Abends klingelte das Telefon und die Leiterin der Gruppe meiner Tochter erkundigte sich: "Ihr Kind hat sich Ziegencamembert mit Thymianhonig gewünscht - kann das sein?" Und ich antwortete mit der Faust in der Luft: "Yes, that's my baby!" Nicht des Käses, sondern der Unangepasstheit meiner Kleinen wegen.

Meine eigene kindliche Abneigung gegen so manche Lebensmittel schränkte mein frühes kulinarisches Leben natürlich beträchtlich ein. Es mag einmal jemand versuchen, in einer Pizzeria eine Pizza ohne Tomatensauce und Käse zu bestellen. Da bekommt man Blicke ...

Oder auf Kindergeburtstagen, wo - zumindest in den 70ern des letzten Jahrhunderts - Pommes immer in einem riesigen See aus Ketchup serviert wurden und man sich fragte: "Was ist hier Beilage zu was?" oder "Könnte ich bitte noch ein paar Pommes zu meinem Ketchup bekommen?"  

Wie man sieht, hatte ich eine schlimme Kindheit. Der Gipfel ist, dass mir mein Essverhalten letztlich den Weg in meinen Traumberuf verbaut hat. Ich habe an früherer Stelle erwähnt, es hätte bei uns nie Fertigessen gegeben. Nun, ich muss dies revidieren - einmal gab es doch etwas Fertiges. 

In unserem beschaulichen 4.000 Seelen Dorf gab es diesen kleinen, familienbetriebenen Lebensmittelladen, der mir damals riesig vorkam - besonders im Vergleich zu dem Tante Emma Laden und dem Bäcker im sogenannten "Altdorf", wo auf der Fläche einer handelsüblichen Duschkabine Feinstrumpfhosen neben Orangen, Backpulver, Einweckgläsern, Dauerwurst, Butter, Fahrradschläuchen und Hundefutter angeboten wurden.

Nun, besagter Lebensmittelladen hatte sogar eigene Brot-, Käse- und Wurstabteilungen. Und irgendwo, zwischen den unsäglichen Erbsen-Möhren-Gläsern und Champignon-Köpfe-1. Wahl-Konserven stand sie: eine blaue Dose mit einem Cowboy auf dem Etikett und dem Schriftzug COWBOY-MAHLZEIT. Da ich damals - etwa 7-jährig - passenderweise den Berufswunsch "Westernheld" hegte, bekniete ich meine Mutter, mir diese Dose zu kaufen (oder: "vom Haushaltsgeld abzuknapsen", wie man früher sagte). Ich wies sie darauf hin, dass dies für meine zukünftige Karriere als schweigsamer Revolverheld in der Prärie Nordamerikas von essentieller Bedeutung wäre. Meine Mutter konnte sich letztlich meiner geschickt eingesetzten Dialektik nicht länger widersetzen und kaufte die Dose. 


Ich sehe mich noch heute mit Filzhut, Kunstlederhalfter und rosa-durchsichtiger Wasserpistole (mein Vater duldete keine realistisch aussehenden Waffen in der Wohnung) am Mittagstisch sitzen und der berufsweg-entscheidenen Dinge harren, die da aus Mutters Topfe kommen sollten. 

Lange Rede kurzer Sinn, die grausame Wirklichkeit holte mich schnell ein und ich schlug jäh auf dem beton-harten Boden der Realität auf, handelte es sich bei dieser COWBOY-MAHLZEIT doch nur um schnöde weiße Bohnen mit Speck in einer TOMATEN-Sauce. Da wusste ich, dass ich niemals Cowboy werden konnte. Mein Berufstraum war geplatzt, wie die Gegner Bud Spencers bei einem Wettessen. Also blieben auf meiner Liste der möglicher Berufe nur noch Raumfahrer, Billardprofi oder Löwenbändiger übrig. Mehr dazu später. Verflucht, verdammt und Halleluja. 

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