Mittwoch, 10. Dezember 2014

Vindahlo vom Schwein (Vindaloo)


Ich bin noch ein Rezept schuldig. Am Samstag hatte ich eine indische Vindahlo Paste angefertigt und für Sonntag dann das entsprechende Gericht angekündigt. Halsschmerzen und leichtes Unwohlsein vereitelten diesen Plan jedoch, doch aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben.

Woher das Vindahlo seinen Namen hat, habe ich ja am Sonnabend schon erklärt. Nachzutragen wäre jedoch, dass bevor die Portugiesen Essig nach Indien brachten, dort hauptsächlich Tamarinde zum Säuern benutzt wurde.


Wir brauchen mit Reis für 4 todesmutige Esser:
  • 1 kg Schweinefleisch (nicht zu mager)
  • Vindahlo Paste
  • 5 EL Weißweinessig
  • 2 - 3 Knoblauchzehen
  • 2 - 3 Zwiebeln
  • 2 Tomaten
  • 4 grüne lange Chilis
  • Salz
  • Zucker

Das Fleisch wird zweifach mariniert. Zunächst wird es in nicht zu kleine Würfel geschnitten, in diesem Fall etwa mit vier Zentimetern Kantenlänge. Dann wird es mit einem halben Teelöffel Salz und zwei Esslöffeln Essig vermischt und eine Stunde abgedeckt zur Seite gestellt. Der Essig hilft zum einen, das Fleisch zart zu machen, zum anderen tötet er auch einen großen Teil von Bakterien ab - gerade in warmen Ländern mit nicht immer lückenlos funktionierenden Kühlketten, kein zu vernachlässigender Aspekt.   


Nach einer Stunde rühren wir dann die Hälfte unserer Vindahlo Paste unter das Fleisch, decken es ab und stellen es am Besten über Nacht in den Kühlschrank.


Am nächsten Tag schälen wir den Knobblauch und schneiden ihn in dünne Scheiben. Die Zwiebeln werden gepellt und in Streifen geschnitten. Tomaten einfach ohne Strunk würfeln.

In Goa wird zum Braten oft Senföl benutzt. Das ist nicht ganz ohne, sagt man ihm im Westen doch eine extrem gesundheitsschädliche Wirkung nach. Deshalb steht auf Senfölflaschen, die man in asiatischen Spezialläden bekommt, auch der Hinweis "Nur zur äußeren Anwendung". Das kann man getrost ignorieren. Der Anteil potentiell schädlicher Stoffe in diesen Ölen liegt hier bei einem Prozent, anders als bei reinem Senföl, dass nur unter Laborbedingungen verwendet werden sollte. Darüber hinaus reicht es, das Öl einmal bis zum Rauchpunkt zu erhitzen, damit die gefährlichen Stoffe, die flüchtigen Isothiocyanate, sich auch wirklich verflüchtigen. Wer trotzdem sicher gehen will, nimmt indisches Ghee oder Butterschmalz. Manche Inder behaupten jedoch, Ghee sei etwas für Leute, deren Geldbeutel ausgeprägter, als ihre Geschmacksnerven sind.

Ich hatte kein Senföl mehr und habe Butterschmalz genommen. Darin habe ich den Knoblauch leicht angebräunt, ...


... dann die Zwiebel mit angeschwitzt und die Tomaten hinzugefügt. Wenn alles schön angeschmort ist, salze ich etwas, gebe noch zwei Esslöffel Essig hinzu und rühre die andere Hälfte der Gewürzpaste ein.


Jetzt gebe ich das Fleisch in den Topf und lasse es kurz anschmoren. Dann werden etwa 200 Milliliter Wasser angegossen, die Hälfte der grünen Chilis in Streifen geschnitten aufgelegt und die Pfanne mit einem Deckel verschlossen. Unser Vindahlo darf nun etwa vierzig Minuten auf kleinster Flamme schmoren. Dann wird der Deckel entfernt und solange bei mittlerer Temperatur geköchelt, bis die Sauce von selbst andickt.  


Wir schmecken noch einmal ab und servieren mit den restlichen grünen Chilis und wahlweise gehacktem Koriander.


Auf Grund der nuklearen Schärfe eigentlich durch die Genfer Konvention der UN verboten, aber ich habe ja nichts unteschrieben. Reis mildert die Schärfe etwas. Trotzdem ist ein Vindahlo nichts für schwache Nerven, für den geübten Indisch-Esser jedoch kein Problem.

Kommentare:

  1. stand heute, ich mag kein indisches essen, kein kardamom, keinen koriander, keinen kreuzkümmel und dieses andere zeug, das irgendwo zwischen altöl und terpentin schmeckt. GANZ FIES! da würden mich auch keine zehn pferde hinkriegen. was gut ist, ist die schärfe! traut sich deine frau auch an sowas ran? meine würde wohl bei der schärfe drei tage schweppes gesicht aufsetzen. ich beim rest ;-). aber bei scharf wäre ich dabei

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    1. Die Gattin hat es wenigstens probiert. Sie isst Thai-Currys und die sind ja oft auch nicht gerade mild. Aber das hier was a touch too much für sie. Ich hingegegen, bin in einem Haushalt aufgewachsen, in dem mein Vater morgens mit Tabasco gegurgelt und wenn die Chillisauce leer war, seine Zunge in eine Kerze gehalten hat.

      Es gibt für mich eigentlich keine keine Küche der Welt, die ich probiert habe und überhaupt nicht mochte. ich bin da offen für alles. Topinambursuppe mal außen vor.

      Ich bin mal auf der Straße gefragt worden, ob ich gegen Tierversuche sei. Meine Antwort war "Ich habe schon viele Tiere versucht und nach meiner Erfahrung schmecken sie alle mit genug Olivenöl und Knoblauch". Ja, ich weiß, ich komme in die Hölle.

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    2. ha ha, mein pädagogenphiliosoph. wieso fragt mich nie jemand sowas? ich habe indisch probiert, fand ich ganz schlimm. dann war ich mal beim tibeter, seitdem gibt es als feststehenden begriff, ein tibet gesicht machen, nur echt mit den längsfalten auf der stirn. ich wußte selbst nicht von mir, dass ich sowas habe, aber meiner frau ist es an dem abend aufgefallen. der fiese möp ist da ganz infam, lässt mich in gesellschaft irgendwas essen, von dem sie weiß, dass ich es scheiße finde. ich halte dann den mund in der hoffnung, dass es keiner merkt und dann mitten im essen, fragt sie mich, ob es mir nicht schmeckt. BÄÄÄÄMMM, dann ist es vorbei...und ich sage die wahrheit über meinen teller ;-) thai fällt aus, weil sie überall ihre olle fischsoße drankippen. gruß jörg

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    3. Man muss es halt mögen. Fischsauce, wenn mitgekocht, schmeckt gar nicht mehr fischig, sondern gibt nur einen salzigen Geschmack. Aber jeder hat so seine Vorlieben. Ich zum Beispiel mag keinen Käse, es sei denn warm oder überbacken. Schafskäse und Mozarella gehen auch. Un dich mag keinen Grünkohl, zumindest nicht "klassisch". Ach ja, Topanimbur ist auch ganz schlimm.

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