Donnerstag, 25. Dezember 2014

Waldhof Unsen - die Zwote

Die Weihnachtsfeiertage laufen bei uns ja bekanntlich folgendermaßen ab: Heiligabend sind Eltern, Schwiegereltern und meine Schwester bei uns, wo es dann abwechselnd Büffet oder ein mehrgängiges Menü gibt. Am ersten Feiertag werden die Gattin, die Kleine und ich von den Schwiegereltern zum Essen eingeladen und am zweiten Feiertag sind wir wir dann bei meinen Eltern zum traditionellen Putenessen.


Heute also Essen im Restaurant und die Wahl fiel einmal mehr auf den Waldhof in Unsen bei Hameln. Hier waren wir das letzte Mal im Mai, anlässlich Schwiegermutters Geburtstag. Damals hatte ich das Rumpsteak in höchsten Tönen gelobt, Es ist also an der Zeit, zu überprüfen, ob das Urteil bestehen bleiben kann oder revidiert werden muss.

Das Lokal ist generell gut besucht, zu Weihnachten jedoch, ist der Ansturm enorm und man sollte Monate Im Voraus einen Tisch für die Festtage reservieren. Die normale Karte ist Weihnachten stark eingeschränkt, dafür gibt es gute Komplettmenüs, die hervorragend in die Jahreszeit passen. Ente, Gans, Hirsch - alles ist vertreten. Etwas fischiges habe ich nicht gesehen, aber vielleicht habe ich auch nur nicht genau genug geschaut, denn die Wahl des Essens stand von vornherein fest. Nichts gegen Wild oder Geflügel, aber STEAK - braucht man(n) da noch mehr Argumente?

Ich weiß nicht, was es mit mir und Bilder machen im Waldhof ist. Schon letztes Mal waren die Bilder zu verwackelt, um sie veröffentlichen zu können und auch heute passte es wieder irgendwie nicht, da ich entweder die Finger vor dem Objektiv hatte oder nur unscharfe Schemen zu erkennen waren.

Vorweg hatte ich eine klare und kräftige Geflügelsuppe mit Klößchen. Es ist immer eine Wohltat, eine gute Suppe essen zu können. Diese hätte ruhig etwas heißer sein dürfen, geschmacklich war sie aber großartig und auch garantiert selbst gemacht. Ein Koch, der so etwas kocht, weiß, was er tut.

Die Gattin hatte Rinderfilet, mit fritierten Kartoffelriffeln - nach ihrer Aussage sehr lecker. Schwiegermutter war mit ihrer Gans, Schwiegervater mit seinen Schweinefiletmedaillons sehr zufrieden.

Die Kleine wollte Chicken-Crossies mit Pommes Frites haben. Mit ihren Crossies, die sie auch sofort richtigerweise als selbstgemacht identifizierte, war sie zufrieden. Die Pommes, obwohl "gekauft", wie sie sofort monierte, waren auch in ihrem Sinne. Ganz anders die Sauce - eine fürchterlich pampige Mehlschwitze, von der ich gar nicht sagen kann, wo dieser unangenehme Geschmack herrühren könnte. Der beigelegte Spieß bestand aus einem Pilz, einem Blumenkohlröschen, einer Rosenkohlknospe und einem Stück Zucchini. Es ist ein edles Anliegen, Kinder dazu bringen zu wollen, Gemüse zu essen, dann braucht dieses aber bitte auch Geschmack. Pilze und besonders Zucchini benötigen Röstaromen, sonst schmecken sie nach Styropor. Trotzdem war die Kleine insgesamt zufrieden.

Obwohl das Restaurant komplett gefüllt war, gab es nur recht kurze Wartezeiten. Dies kann stutzig machen. Ebenso die die Tatsache, dass die Bedienung meinte, es könnte eventuell schwierig werden, Schwiegermutters Wunsch nachzukommen, Rotkohl durch Rosenkohl zu ersetzten. Auch meine Frage, ob das Rumpsteak statt auf 250 Gramm auch auf zu 300 Gramm oder mehr geschnitten werden könne, wurde verneint. Böse Menschen könnte dies zur Vermutung veranlassen, man hätte hier schon einmal Dinge vorgekocht. Aber wir sind ja keine bösen Menschen und letztlich hat Schwiegermutter ja auch ihren Rosenkohl bekommen. Der Rotkohl war ihr nämlich das letzte Mal zu nelkig.

Ich habe dann "300 Gramm Kräutersteak" (ohne Angabe, um welches Steakfleisch es sich handelt) bestellt. Dazu gab es einen Salat und ich hatte die übliche Wahl zwischen Pommes, Kroketten, Bratkartoffeln, Röstitalern und ähnlichem. Natürlich habe ich mein Steak wie immer "so englisch wie möglich, ohne den Koch zu beleidigen" bestellt.

Ob mein Steak wirklich 300 Gramm hatte, konnte ich nicht überprüfen. Das Fleisch wird ja im Rohzustand gewogen. Ich kann nur sagen, dass ich schon größere 300 Gramm Steaks gesehen habe. 

Was ich wirklich nicht brauche ist industrielle Kräuterbutter. Dann bitte pure Butter oder gar nichts dergleichen. Auch die Beilage von rohen gehackten Zwiebeln ist nach wie genau so sinnlos wie im Mai. Was soll ich bitteschön damit? Ich finde rohe Zwiebeln schon auf Mettbrötchen entsetzlich - oder noch schlimmer,  auf einem griechischen Grillteller, wo sie einem als riesiger Haufen fieserweise den Weg zum Gyros versperren. Dabei können Zwiebeln, wenn gut angeröstet, sehr wohl eine leckere Beilage zu Steak sein.

Zum Fleisch selbst - es war leider medium gebraten und nicht, wie bestellt, englisch und ein unschöner Rinnsal aus Fleischsaft lief schon vor dem Anschnitt über den Teller - ein Zeichen dafür, dass das Fleisch nach dem Garen keine Zeit zum Ruhen hatte. Oder, dass es vorgart und dann schnell noch einmal erhitzt wurde. Aber wir wollten ja kein Vorgaren unterstellen.

Qualitativ war das Fleisch trotzdem umwerfend. Gut gewürzt, aromatisch und von der Textur her butterzart. Ich vermute, es handelte sich hier um südamerikanisches Fleisch - und Geschmack versöhnt ja bekanntlich.

Alles in allem war es nicht ganz so perfekt, wie beim letzten Mal, geschmacklich dennoch großartig. Wenn man bedenkt, dass Weihnachten für gut besuchte Restaurants eine Ausnahmesituation darstellt, darf man kleine Fehler verzeihen. Bei Bands, deren Debutalbum eine Riesenerfolg wurde, sieht man oft, dass das zweite Album nicht ganz so gut ankommt. In der Branche heißt es meist, das dritte Album hieße "make it or break it" (schaff es oder zerbrich dran), in diesem Sinne warten wir den nächsten Besuch im Waldhof ab. Bis dahin gilt weiterhin: Waldhof Unsen - empfehlenswert.

Kommentare:

  1. wenn ich das alles lese, weiß ich wieder mal, warum es zuhause am schönsten ist.

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    1. Ist es natürlich auch. Aber je schöner es zu Hause ist, desto kritischer wird man auswärts. Ottonormalverbraucher hätte heute alles super gefunden.

      Ich meckere jedoch auf hohem Niveau, möchte aber auch nicht in der Haut des Kochs stecken. Sind wir mal ganz ehrlich, gutes Essen für die Familie kochen ist eines. Durchgängig gute Qualität in einem Restaurant für hunderte von Leuten, die alle verschiedene Sachen, in der Tischgruppe aber möglichst gleichzeitig haben wollen, zu kochen, ist eine andere Sache.

      Der Waldhof ist schon top.

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    2. ich bin mir ziemlich sicher, dass es an zu großen speisekarten scheitert. die wollen es immer allen recht machen und machen es am ende keinem recht. dann wird irgendwas eingefroren und wieder aufgewärmt, dann kann man die beilagen nicht ändern, dann passen die garpunkte nicht und und und. ehrlich wäre zu sagen, heute gibt es dies, das und das und das ist bedingungslos frisch und fertig ist der lack. sagen wir mal die klassiker, ein braten, ein schnitzel, ein steak, zwei fischgerichte, zwei vegetarische, irgendwas für veganer. wie intelligent man das miteinander vermischen kann, sollte ein guter koch wissen, wir können es ja auch. und dann keine schwächen bei den zutaten und der zubereitung und alle sind zufrieden.

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    3. Normalerweise ist die Karte dort auch klein und überschaubar. Nur Weihnachten ist halt alles anders. Im Prinzip gebe ich dir ja Recht,trotzdem ist es ein Unterschied, ob man drei oder vier verschiedene Dinge für die Familie kocht oder für hunderte von Leuten den ganzen Tag über verschiedene Sachen. Andererseits ist das deren Beruf und man kann nur den Service anbieten, den man auch bewältigen kann.

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    4. sage ich doch. da geht man dann eben nicht hin, wenn man weniger für sein geld bekommt, als an anderen tagen. das ist wie sonntags auf dem rummel, oder vor feiertagen an der tankstelle. dann üben die ihren beruf falsch aus, wenn sie ihr angebot nicht auf die qualität abstimmen, die deren anspruch ist. das problem ist aber auch, dass 90 % der gäste selbst nicht so gut kochen können, dass denen der unterschied auffällt und da sind wir wieder an der stelle über fluch und segen zu reden, wenn man selbst so kocht, dass einem andere nix mehr vormachen können.

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    5. Da hast du natürlich Recht, aber da wir eingeladen waren und selbst nicht zahlen mussten, relativiert sich das Ganze dann wieder. Oder: einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul.

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