Donnerstag, 2. April 2015

Nur mal so ... (Teil 31)


Es gibt so Dinge, die eigentlich keinen eigenen Eintrag verdienen, dennoch aber nicht unerwähnt bleiben sollen. Manche sind obskur, andere bieten Anlass zum Schmunzeln oder zeigen, dass der alte Mann manchmal einfach nicht mehr alle Latten am Zaun hat. Diese Dinge trage ich hier in loser Form unter der Rubrik "Nur mal so" zusammen. Was das Bild mit diesem Eintrag zu tun hat, erfahren wir weiter unten.

Ich bin heute morgen zum Baumarkt gefahren. Nein, ich brauchte weder Bitumen noch Gartenmöbel, ich wollte Brötchen. Die gibt es da. Im "Mall-Bereich". So heißt der Flur vor einem Geschäft, wenn dort andere Verkaufsstände sind, wie zum Beispiel ein Bäcker. Mall-Bereich. So wie bei meinem Einkaufsladen (also nicht mein eigener, sondern der, den ich frequentiere, besser gesagt einer der vielen auf meiner täglichen Einkaufsrundreise). Dort suchte ich neulich vergeblich nach Grillkohle. Die stand früher immer bei der Blumenerde und den Fahrradschläuchen. Da steht sie jetzt aber nicht mehr. Also habe ich den zufällig vorbeikommenden Filialleiter am Schlafittchen gepackt und investigativ befragt. Antwort: "Die ist jetzt im Mall-Bereich". Natürlich so ausgesprochen, dass ich reflexartig nach einer Ecke suchte, in der Kleinkinder mit Buntstiften fleißig Ausmalbilder bearbeiten, während die Eltern in Ruhe einkaufen können. Falsch gedacht, der Mall-Bereich ist das, was früher "Flur" hieß und nur weil da ein Bäcker und ein Tabakgeschäft ist, heißt das jetzt ganz wichtig "Mall". 

In den USA gibt es riesige "Shopping Malls". Die sind teilweise so groß, dass einige Mitarbeiter dort sogar wohnen und das Einkaufszentrum ihr Leben lang nicht verlassen müssen. Ein wahrer Mikrokosmos. Liebe Werbestrategen und Sprachkosmetiker: ein Lottoladen im Eingangsbereich macht aus einem Flur keine Mall. Und nein, zwei kostenpflichtige Massagesessel (sieht das Wort nicht irgendwie doof aus?) ergeben auch keine Lobby. Was soll der Quatsch? Das ist ähnlich dumm, wie bei diesen Klamottenläden, wo es immer heißt "Das gab es letzte Woche, da hatten wir 'Sale'." Geht es noch? Ihr seid ein Verkaufsladen, natürlich habt ihr "Sale", sonst könntet ihr ja die Bude ja gleich dicht machen. Zum Mitschreiben: "Sale" heißt schlicht "Verkauf" und ohne den läuft ein Geschäft nicht. So, bevor ich jetzt noch anfange, mich über den Begriff "public viewing" aufzuregen, zurück zu den Brötchen.

Also, wie gesagt, ich war im Baumarkt um Brötchen zu kaufen. Da bietet man mir zum Probieren "Würstchen im Schlafrock" zum Probieren an. Ich greife also zu,probiere und sage dann artig, natürlich nachdem ich ausgekaut habe: "Lecker, da werden Kindheitserinnerungen wach". Die Bäckerin - schätzungsweise Ende Fünfzig - schaut mich entgeistert an und sagt: "Das gab es schon früher? Ich dachte, das wär jetzt was ganz Neues". Ach ja? Und unter welchem Stein genau haben sie denn in den siebziger Jahren gelebt? Habe ich natürlich nicht gesagt, sondern nur gedacht. Ich bin ja gut erzogen. 

Gedankensprung. Gestern habe ich mir eine scharfe Thaisuppe gemacht. Die isst außer mir hier keiner. Die Gattin war unpässlich und hatte keinen Hunger und die Kleine wollte Pfannkuchen. Den macht sonst die Gattin, das kann sie richtig gut. Ich habe mich mit diesem Thema kaum beschäftigt, da ich mir selbst nichts aus Pfannkuchen mache, es sei denn als Crespelle oder Jian Bing. Mir blieb aber keine Wahl und da das Kind verlangte "Aber die sollen so wie bei Mama schmecken" ...


... erhaschte ich einen Blick in das "geheime  Buch" der Gattin, dass mit Sicherheit schon älter als unsere zwanzigjährige (!) Beziehung ist. Die Gute hat scheinbar früher häufiger gekocht. Jetzt eben nur noch Pfannkuchen.


Zum Nachtisch gab es dann Tiramisu à la Gordon Ramsay. Da brauchte ich nicht zweimal rufen ...

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