Montag, 21. März 2016

Kuttelk - kurdische Knödel


Meine Schule - also, die gehört mir natürlich nicht, also besser: die Schule an der ich arbeite - ist mulitkulturell sehr breit aufgestellt und darauf sind wir sehr stolz. Sowohl in der Schülerschaft als auch im Kollegium finden sich Menschen mit vielen verschiedenen kulturellen, religiösen oder weltanschaulichen Hintergründen. Attheisten, Christen, Moslems, Jeziden, Alleviten, Juden, Hindus, Buddhisten - you name it, we have it. Und wisst ihr was? Die lehren und lernen alle friedlich zusammen. Klar, bei 1200 Kindern und über 100 Lehrkräften gibt es auch schon mal Streit - wäre ja geradezu gespenstisch, wenn nicht - aber fragt man nach, so scheint das eigentlich nie religiös oder kulturell bedingt zu sein und "Volksgruppen", die sich auf dem Papier eigentlich hassen müssten, arbeiten brav zusammen. Wir haben sogar Menschen aus Sachsen-Anhalt erfolgreich integrieren können.

Warum erzähle ich das? Nun, in der Schülerschaft ist die Gruppe der meist syrischen Kurden nicht die Kleinste und das nicht erst seit Kurzem. Aus einigen Familien ist bereits die zweite oder dritte Generation an unserer Schule und es haben auch schon einige den Weg ins Kollegium gefunden. Nun hat sich auch an unserer Einrichtung herumsgeprochen, welch Hobby Herr Westerhausen zu Hause nachgeht und ich werde oft von den Kindern gefragt, ob ich schon mal etwas kurdisches gekocht hätte. Das musste ich bisher immer verneinen. Neulich schwärmte ein Mädchen aus meiner Stammgruppe (so heißen die "Klassen" bei uns) von Kuttelk und da dachte ich mir: "Ja, das probierst du mal". Und wann würde ein kurdisches Gericht besser passen als heute, wo doch von Kurden und auch Iranern heute das Frühlings- und Neujahrfest Newroz (oder Nouruz) gefeiert wird.  

Kuttelk - die Schreibweisen divergieren - sind mit Hackfleisch gefüllte Bulgurklöße und können gekocht, aber auch frittiert werden. Sie sind eine Art der arabischen Kibbeh (Cubbeh in Israel und Içli Köfte in der Türkei) und letztlich auch mit den sizilianischen Aranchini verwandt.

Als Hackfleisch hätte ich gerne Lamm gehabt, aber dann steigt die Familie aus dem fahrenden Zug. Rind geht aber auch. 


So, bevor es jetzt wirklich endlich ans Kochen geht (die nachfolgenden Sendungen verschieben sich um zwanzig Minuten), nur noch eine Bemerkung. Wie bei so vielen Sachen, die ich zum ersten Mal ausprobiere, ist dies hier eine Mischung aus mehreren Rezepten plus Einsatz meines, so hoffe ich, gesunden Menschenverstands. Die Vorgabe meiner Schülerin war, dass feiner Bulgur mit Wasser zu Teig wird und das dann mit gebratenem Hackfleisch gefüllt wird. Das Hackfleisch habe ich dann so gewürzt, wie ich es mag und das deckt sich weitgehend mit dem, was ich gelesen oder gesehen habe. Ich scheine nur oft offensiver zu würzen. 

  

Und nun geht es endlich los. Für zehn Klöße benötigen wir für den Teig:
  • 200 g feinen Bulgur
  • 120 g Weichweizengrieß
  • 300 ml Wasser
  • 1/2 EL Salz
Für die Füllung:
  • 200 g Hackfleisch
  • 1 Zwiebel
  • 1 Knoblauchzehe
  • 1/2 EL Paprikapulver (edelsüß)
  • 1/2 TL Kreuzkümmel
  • 1 TL Pul Biber (getrocknete scharfe Paprikaflocken)
  • 1 EL Paprikamark (scharfes Aci Biber für echte Biber Brüder oder das süße Tatli Biber für Justin Bieber Fans)
  • Petersilie
  • Dill
  • Salz
  • Pfeffer
  • Olivenöl

Das Hackfleisch darf nun in der heißen Pfanne ein Bad in Olivenöl nehmen. Dabei darf 
es ruhig schön krümelig werden.


In der Zwischenzeit pellen wir die Zwiebel und würfeln sie. Knoblauch ebenfalls von der Schale befreien und in feine Stücke schneiden. Ab zum Hackfleisch mit damit! Gewürze und Paprikamark dazugeben, abschmecken. Ist das Hackfleisch gar, Kräuter fein hacken ebenfalls unter die Masse rühren. Abkühlen lassen. 


Für den Teig verrühren wir alle Zutaten und eine halbe Stunde quellen lassen.


Teig mit feuchten Händen in zehn Portionen teilen. Das waren bei mir jeweils etwa 65 Gramm. 


Jede Portion zu einer Kugel formen, eine Mulde hineindrücken und etwas Füllung hinzufügen.


Mit feuchten Händen den Teig verschließen und zu Kugeln formen. Die Füllung muss ganz vom Bulgur ummantelt sein. 


Man kann die Kuttelk jetzt frittieren oder auch einfach kochen. Je nach Region geschieht das in Salzwasser oder einer Wasser-Joghurt Emulsion. Ich habe mich für Salzwasser entschieden. 15 Minuten köcheln sollte reichen.


Dazu Cacik und einen einfachen Salat nach Wunsch. So schön kann Neujahr sein. Bulgur statt Böller.
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Flashback:


Heute vor einem Jahr: Chili con Carne Pizza 

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