Samstag, 26. März 2016

Ostervorbereitungen und Landgasthof Specht (III)


Das Osterfeuer bei uns im Dorf ist heruntergebrannt und auch in meiner Küche gehen so langsam die Feuer aus. Gestern gab es nichts zu posten, meine Mutter hatte Geburtstag und wir waren zum Abendbrot mit Räucherfisch und anderen Kleinigkeiten eingeladen, heute lud uns die Jubilarin ins Restaurant ein.


Es ging (mal wieder) in den Landgasthof Specht in Egge bei Hameln. Da waren wir nun schon einige Male und in Punkto "gute deutsche Küche" wird man eigentlich nie enttäuscht. Vorweg wie immer, ein kleiner Gruß aus der Küche: Kohlrabi und Möhrensticks mit einer Quarkcreme, selbstgemachter Erdnussbutter und frischem Weißbrot.


Bei mir dasselbe, wie beim vorletzten Mal: eine klare Rinderkraftbrühe ...


... und ein schönes 300 Gramm schweres Hirschsteak mit Kroketten, frisch gebratenen Pilzen und Rotkohl. Letzterer war zum Glück nicht zu nelkig und hatte eine schöne Säure. Der hätte gerne ein klein wenig mehr Süße entgegengesetzt werden dürfen, aber es war okay, so wie es war.

Aber nun die Frage an alle Kochlehrlinge, die bereits eine Einheit in "Anrichten" hinter sich haben. Wo ist hier der Fehler? Gut, Rotkohl und Kroketten wurden separat serviert und von mir für das Foto auf den Teller gebracht, aber wo ist sonst der Anfängerfehler? Genau! Der sinnlose Thymianzweig auf dem Steak. Liebe Küche, auf dem Teller hat Dekoration, die unverzehrbar ist, absolut nichts verloren. Zweige gehören dazu. Ich bin kein Biber und nage nur ungern auf Gehölz herum. Ich möchte auch mein Fleisch nicht unter Laubhaufen suchen müssen, es sei denn, ich bestelle Igel am Spieß. Gut, ich habe es bereits schlimmer als hier gesehen und am Ende des Hauptgericht mehr Holz am Tellerrand liegen gehabt, als der Mann in Bergen in seinem Schuppen vor einem harten Winter, aber bitte, bitte: Kräuterzweige sollen aromatisieren, nicht dekorieren. Besonders sinnfrei, wenn sie, wie bei Schwesters Teller, auf einem - sonst wohl leckeren - panierten Schnitzel platziert werden.   


Der Hirsch selbst absolut zart und aromatisch, gut gebraten, vielleicht einen Moment zu lange, aber trotzdem fabelhaft. 300 Gramm, wie gesagt und die hat man extra für mich geschnitten. Normalerweise haben die Hirschsteaks so um die 200 Gramm. Gattin und Sous-Chefin hatten je ein Rumpsteak und ich bin immer wieder stolz, wenn die Kleine die Augenbraue nach oben zieht, wenn sie gefragt wird, ob sie die Kinderkarte möchte und dann erwidert: "Danke, aber ich hätte gerne eine Rumpsteak, medium rare". So muss es sein. Die von uns aus aus Hamburg mitgenommene Tante (ja, die vom König der Löwen) hatte auch ein Rumpsteak, mein Vater sagenhafte zarte Scheiben aus der Wildscheinkeule - klar, er ist ja auch Asterix und Obelix Fan - und die Jubilarin einen riesigen Salat mit Putenbrust.  


Morgen ist die Familie dann bei uns zum Brunch/Büffet. Ich habe den Rest des Tages in der Küche gestanden und Sachen vorbereitet. Nichts neues, ich bin diesmal in meiner Comfort Zone geblieben. Star wird aber dieser 3,6 Kilogramm schwere gepökelten Schinkenbraten sein, den Schwiegervater letztes Jahr beim Preisskat gewonnen hat und der bis gestern in der Tiefkühltruhe lagerte. Normalerweise nicht optimal, aber bisher war keine Verwenduing dafür. Und die Gans, die er Ende 2014 gewann, hat uns Anfang 2015 auch nicht umgebracht. Ja, der Herr ist ein begnadeter Skatspieler und darf ruhig so weitermachen.
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Flashback:


Heute vor einem Jahr: Vanille-Orangen Risotto mit Estragon

Kommentare:

  1. Ui, das hätte ich jetzt nicht gedacht,
    dass die Sous-Chefin Rumpsteak isst.
    Ich selbst mag es ja gerne well done,
    woran schon viele Köche verzweifelt sind
    und ich mehr oder weniger zähe Schuhsohlen vorgesetzt bekommen habe.
    Von Wild bin ich auch nicht begeistert, aber schön ausgesehen hat dein Mahl.
    Ich wünsche euch noch recht schöne Ostern
    und schicke liebe Grüße
    Nähoma

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    1. Leibe Ostergrüße zurück. Steak well done braten würde mir auch in der Seele weh tun, aber bei guter Qualität, zum Beispiel argentinischem Steak, ist es auch durchgebraten nicht zäh.

      Die Kleine kommt da nach mir. Sie hat "Kinderessen" eigentlich nie gemocht, weil sie es nicht gewöhnt war. Fischstäbchen kennt sie vermutlich nur aus Erzählungen, Kartoffelbrei mochte sue lange auf Grund der Konsistenz nicht und die paar Male, wo sie auf Kindergebursttagen in Fastfoodläden war, kannst du an einer Hand abzählen.

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    2. Das kenne ich von meinen Kindern auch,
      erst ein paar Jahre gestillt und dann gleich normales Essen,
      McD und Co. mögen wir alle nicht, da bin ich echt froh.
      Allerdings sind inzwischen 2 meiner 3 Kinder vegan,
      das gefällt mir auch nicht so gut, gerade weil sie nicht alles essen,
      denke ich immer, dass sie da irgend eine Mangelerscheinung bekommen werden.

      Ein Freund von uns mit Restaurant, ein echter Steakianer, hat immer die Augen verdreht, wenn ich mal Steak well done bestellt hab,
      das mache ich inzwischen nicht mehr so oft,
      weil er auch ganz viele andere leckere Sachen anbietet
      (muss man den Groll ja nicht herausfordern).
      LG
      Nähoma

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    3. Ich bin generell kein Freund davon, die Art, sich zu ernähren zur Ideologie werden zu lassen.

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