Mittwoch, 1. Juni 2016

Restaurant Odysseus in Groß Berkel


"Ist Rusty noch bei der Marine?" fragt die verwirrte Tante Bethany in "Schöne Bescherung", dem Weihnachtsklassiker mit Chevy Chase. Genauso gut könnte man fragen: "Machen eigentlich diese vier langhaarigen Bombenleger aus Liverpool immer noch diese grauenhafte Beatmusik?" oder "Wie, Raider heißt jetzt Twix?" Oder man macht es wie ich heute, aber der Reihe nach.

Man soll ja lokale Lokale unterstützen. Da ich heute nach einer ganztägigen, aber wirklich kompetenten Fortbildung zum Thema "Kinder und Jugendliche mit herausforderndem Verhalten in der Sekundarstufe I" wieder erst spät zu Hause war, entscheiden wir uns, ganz gegen unsere sonstige Gewohnheit, zur Bring- (und Hol-)dienstkarte zu greifen und etwas zu bestellen. Chinesisch hatten wir gerade erst zu Hause, die Pizzerien in der unmittelbaren Umgebung kann man (fast) alle vergessen - da hat der Karton oft mehr Geschmack und tatsächlich schmeckt die Pizza meist auch danach - also fiel die Wahl auf etwas vom Griechen, genauergesagt auf eine schon recht alte Menükarte des griechischen Restaurants Odysseus hier bei uns um Dorf. Irgendwie haben wir da seit Jahren nichts mehr gegessen aber warum nicht mal die örtliche Wirtschaft etwas ankurbeln und da bestellen?



Also rufe ich an und ordere dreimal Gyros mit Salat, Zaziki. Dazu zweimal Reis und einmal Pommes. Ich frage:
"Wie lange dauert es?"
"Dreißig Minuten."
"Okay, ich komme dann gleich rüber und hole es ab".
Abholen, weil meine Speisekarte sagt "Kein Bringdienst", aber es ist ja auch nicht mal ein Kilometer. Gesagt getan, ich betrete das Restaurant und die nette Bedienung sagt: 
"Einen Moment, ihr Essen ist gleich fertig. Möchten sie einen Ouzo?"
"Nein danke, aber ich nehme dafür eine von den neuen Karten mit. Ich habe noch so eine alte aus dem letzen Jahrtausend".
"Bitte sehr".
"Oh, sie haben ja jetzt auch einen Bringdienst! Das ist auch neu".
"Öh ... nein, den habe wir schon seit über vier Jahren".
"Ach wirklich? ... Ähh, ist Rusty noch bei der Marine?
So ist das mit lokalen Lokalen. Aber wie ist es um das Essen bestellt? Der Salat war typischer Griechen-Restaurantstandard. Fertiges Dressing brauche ich nicht und ein Eiviertel? Na ja. Das geht besser.



Reis und Pommes hingegen waren anständig. Den Overkill an rohen Zwiebeln habe ich schon öfter bemängelt, aber das Gyros an sich - und darum geht es hier ja - war durchaus lecker. Die Bilder sind übrigens Handyfotos bei schlechtem Licht, da der Akku meiner Kamera platt war. Aber das Fleisch war geschmacklich weit davon entfernt, platt zu sein. Es war auch nicht überwürzt, nicht ölig, ohne Hackfleischanteile, mit knusprigen Stellen aber sonst schön zart. Ein zwei etwas knorplige Stücke dazwischen stören den sehr guten Fleischeindruck minimal, sonst war das wirklich ordentlich. Interessanterweise schmeckte die Metaxasauce, auf die das Gyros gebettet war, 1:1 wie meine Variante. Insgesamt ein positiver Gesamteindruck.


Zum Restaurant gehört auch ein Hotel (oder anders herum?). Da gibt es Zimmer mit Farb-TV. Farb-TV? Wow! ... Moment mal - Raider heißt jetzt Twix?).

Ich habe das Odysseus schon mal hier erwähnt. Griechisches Restaurant, geführt von einer indischen Familie und es gibt Pizza - für ein 3200 Seelendorf im sturmfest und erdverwachsenen Niedersachsen ist das schon erstaunlich viel Multi-Kulti. Ich hätte mir eher ein indisches Restaurant gewünscht, aber ich kann verstehen, dass man hier auf dem Dorfe aus wirtschaftlichen Gründen lieber mit bewährten Konzepten arbeitet. Immerhin habe ich jetzt erfahren, dass hin und wieder auch indische Büffets angeboten werden - das werden wir sicherlich in der Zukunft beleuchten. 

Etwas wäre da noch, weil ja gerade von Ouzo die Rede war. Die Gattin ließ verlauten: "Denk dran, wir sind am Wochenende bei meinem Cousin zum Geburtstag eingeladen. Er wünscht sich einen guten Ouzo. Kannst du den besorgen?" Das sind die Momente, wo ich dankbar bin, etwa eine Stunde von meiner Arbeitswelt entfernt zu wohnen und einkaufen zu können. Da tendiert die Wahrscheinlichkeit, dass ich im Laden Schulbekanntschaften treffe, die eine Flasche Ouzo in meinem Einkaufswagen sehen und gleich falsche Rückschlüsse ziehen gen Null. Ach ja, und ich mag ehrlich keinen Ouzo.
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Flashback:



Heute vor einem Jahr: Kaffee gebeizter Lachs

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