Donnerstag, 10. November 2016

Misosuppe


Ich weiß jetzt schon, wer von meinen potentiellen Lesern hier bereits beim dashi ausgestiegen ist (Hallo, Jörg!) und deshalb auch hier fern bleibt. Schade, denn fanatische Fischverweigerer bringen sich damit um eine Geschmackserfahrung, die den eigenen gustatorischen Kosmos um Quantensprünge erweitert. Auch wenn hier Fisch und Seetang zum Einsatz kommen, schmeckt das Ganze gar nicht fischig oder algig, sondern erinnert an einen Urlaub am Meer. Und gesund ist das obendrein auch noch, immerhin gibt es überdurchschnittlich viele steinalte und vor allem noch gesunde Menschen im Land der aufgehenden Sonne.


Für die Misosuppe brauchen wir zunächst einmal Misopaste. Die kann man selbst machen, wenn man die Zeit hat, gesalzene und gewürzte Sojabohnen mehrere Jahre fermentieren zu lassen. Das hat nicht jeder und es ist ärgerlich, wenn man nach beispielsweise drei Jahren bemerkt, dass das Ganze schimmelt. Das Motto dieses Blogs ist ja immer noch "Es wird nichts gekauft, was man nicht auch besser zu Hause machen kann". In diesem Fall sind wir ehrlich: das Zeug ist gekauft. Ich wollte euch nämlich diese Suppe heute zeigen, und nicht erst November 2019.

Auf dem Foto sieht man zwei Broken Misopaste. Links ist etwas heller. Die wir in Japan deshalb "weiße Misopaste" genannt. Die dunklere heißt "rote Misopaste" und ist kräftiger und salziger. Wir verwenden hier eine Mischung aus beiden. Für eine Portion Suppe brauchen wir etwa 70 Gramm.


Dann auch noch natürlich unser dashi. Davon pro Portion 200 Milliliter.


Als Einlage ebenfalls pro Portion:
  • 4 Shiitake Pilze
  • 1 Stück Lauch
  • etwas Wakame (getrockneter Seetang)
  • 2 dünne Scheiben schnittfester Tofu (vorzugsweise "Baumwolltofu")
Wakame bekommt man, wie viele dieser exotischen Zutaten, in gut sortierten "Asia-Läden". Am ehesten lässt sich dieser Seetang mit Pok Choi-, Mangold- oder festen Spinatblättern ersetzen. Der Geschmack ist ähnlich, nur, wenn wundert es, salziger.


Frisch Pilze werden einfach in Streifen geschnitten, getrocknete eine halbe Stunde in Wasser eingeweicht. Auch unsere Wakame darf ein Bad in kaltem Wasser nehmen, um weich und genießbar zu werden.


Eine Scheibe Tofu legen wir auf ein Brett zwischen zwei Lagen Küchenpapier.


Ein weiteres Brett kommt zum Beschweren oben auf. Der Gedanke dahinter ist, dass wir möglichst viel Feuchtigkeit aus diesem Stück Tofu holen wollen. 


Dies tun wir, weil der Tofu frittiert werden soll,  ...


... bis er goldfarbig ist. Frittierter Tofu heißt abura-age. Ist die Scheibe dick genug, dass man seitlich eine Tasche hineinschneiden kann, könnte man diese mit gekochtem Sushireis füllen und in einer süßlichen Marinade einlegen. Dann hätte man inari-sushi. Diese Taschen kann man auch fertig kaufen. 


Der Lauch wird in dünne Streifen geschnitten. Den rohen Tofu würfeln und den frittierten zu länglichen, mundgerechten Portionen verarbeiten. 


Eingeweichte Pilze ausdrücken und ohne die holzigen Stiele in Streifen schneiden. Wakame ebenfalls ausdrücken und klein rupfen.

Dashi aufkochen. Pilze, beide Tofuarten, den Seetang und den Lauch hinzufügen und zwei Minuten köcheln lassen.


Misopasten in ein kleines Sieb geben, dieses in die Suppe tauchen und gut durchrühren, damit der fermentierte Soja sich gut verteilt.


Fertig ist die Suppe, ...



... die wir allerdings nicht auslöffeln brauchen. In Japan isst man die Einlage mit Stäbchen und trinkt die Flüssigkeit direkt aus der Schale. Und das oft schon zum Frühstück. Anders als europäische Suppen, aber eins von den Dingen, die man probiert haben muss. Ich finde die japanische Küche ohnehin großartig. Das hier könnte ich öfter essen. Sayonara.
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Flashback:



Heute vor einem Jahr: Polenta

Kommentare:

  1. Tja, Dashi und generell japanische Küche liebe ich, aber mit Miso kann ich mich auch nach langer Zeit nicht wirklich anfreunden. Und nach 6 oder 7 Versuchen mit unterschiedlichen Misopasten fürchte ich, dass das auch nichts mehr wird...

    LG, Julia

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    1. Ich habe schon viele Misosuppen in Restaurants gegessen, gute, wie schlechte. Dies ist meine erste selbstgemachte. Ich glaube, das Geheimnis ist wirklich, nicht ausschließlich "weiße" oder "rote" Paste zu nehmen, sondern beide zu mischen. Aber wie so immer im Leben, es ist alles Geschmackssache und man muss auch nicht immer alles mögen.

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