Dienstag, 24. Januar 2017

Überbackene Partybrötchen - oder "die Not zur Tugend"


Es war einer dieser verregneten Tage. Ich saß im Büro, die Füße auf dem Tisch und nippte an einem Glas Bourbon. Archer war im wohlverdienten Urlaub, seit Tagen hatte sich schon kein Klient mehr in meine Detektei verirrt und die Kasse war leer. Der Ventilator drehte sich schwerfällig und verwirbelte den Qualm meiner filterlosen Zigaretten. Das Eis in meinem Drink klirrte leise, draußen jaulte ein Hund und ein einsame Fliege zog surrend ihre Kreise durch den Raum. Da sah ich durch die Lamellen der Tür eine Gestalt den Flur entlang kommen. "Na endlich", dachte ich und mein Blick streifte die Smith & Wesson, die griffbereit neben mir lag. "Wenn nicht bald Kohle reinkommt, kann ich nicht mal mehr Futter für dich kaufen, Baby." Knarrend öffnete sich die Tür und ein Mann mittleren Alters und mit einer Kochjacke bekleidet stand vor mir. Ohne ein Wort der Begrüßung fing er an zu reden. "Sie müssen mir helfen, mein Huhn ist weg." Bingo, ich hatte einen Fall und was für einen!


Knifflige Sache, der Fall mit dem verschwundenen Geflügel. Da war mein Klient, ein Herr Westerhausen oder so, also einkaufen und hatte unter anderem Hähnchenfilets gekauft. Zu Hause angekommen sind die dann aber nicht. Das fiel aber erst auf, als er ein Zutatenfoto für das für von ihm heute geplante Essen machen wollte: überbackenes Hähnchenfleisch auf Avocadocreme. Wie man auf dem Beweisfoto sehen kann, ist das Protein wirklich nicht da. 

Von selbst wird es in diesem Zustand nicht weit gekommen sein. Gab es Fluchthelfer? Würden die PETA Typen so weit gehen, ein zu Filet zerstückeltes Federvieh aus einem Einkaufswagen zu befreien? Zuzutrauen ist denen ja so ziemlich alles. Vielleicht waren es auch Außerirdische, die da was verwechselt haben und die Geflügelteile zwecks Kontaktaufnahme in ihr Mutterschiff gebeamt haben. Diebstahl kommt wohl nicht in Frage, denn a) hatte mein Klient ja noch nicht bezahlt und was ihm nicht gehört, kann ihm auch nicht geklaut werden. Außerdem war b) noch genug Ware in den Regalen und es gab somit kein Motiv, etwas aus einem fremden Wagen zu entnehmen. Fremder Wagen? Moment! Das Huhn taucht ja auf dem Kassenzettel auch nicht auf! Bingo, Fall gelöst: der schusselige Herr Westerhausen hat das Huhn mit 100 prozentiger Sicherheit einfach in den falschen Einkaufswagen gelegt. Hoffentlich in den eines Veganers.


Da hilft nichts, also muss improvisiert werden. Herr Westerhausen hat einfach Pilze nach diesem Rezept hier zubereitet und weil kein Baguette da war, auf Brötchen mit etwas Käse überbacken. 


Nettes Fingerfood und absolut partytauglich.


Dann ist da noch eine Brühe auf dem Herd, die aus Hähnchen- und Entenknochen und Abschnitten, Ingwer und Frühlingszwiebeln besteht. Herrn Westerhausen ist nach chinesischer Suppe, aber das ist dann ein neuer Fall.
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Flashback:


Heute vor einem Jahr: Pizza mit Blumenkohl und Schinken

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