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Dienstag, 17. Februar 2026

Ya Cai Hai Yu Lu - Wolfsbarsch mit Ya Cai


Vorhin schaute ich ein Video vom des aus Kanada stammenden Foodranger auf YT an. Es handelte vom Essen in Sichuan, genauer gesagt aus der Stadt Chóngqing. Trevor James besuchte ein Restaurant und ließ sich die Zubereitung einer Meeräsche mit Yá Cài, dem für Sichuan typischen fermentierten Senfkohls (meist Pak Choi). Ein ganz einfaches Gericht eigentlich, aber es sah lecker aus. Leider wurde kein chinesischer Name dafür genannt, nur die englische Bezeichnung mustard green mullet. Ich konnte aber vestehen, dass sein einheimischer Begleiter das Gericht Yá cài wū yú huā ( 芽菜乌鱼花) nannte, was so viel wie "Meeräschenblume mit Yá Cài" bedeutet. Um sicher zu gehen suchte ich dann das Restaurant über im Internet, schaute mir die Speisekarte an und bingo! Ich lag richtig. Ein beherzter Griff in den Froster brachte zwar keine Meeräsche hervor, dafür aber vier schöne Wolfsbarschfilet mit Haut. Also habe ich das Gericht kurzerhand in Yá cài hǎi lú yú (芽菜海鲈), also Wolfsbarsch mit Yá Cài. Aber was hat Fisch mit Blumen zu tun? Beim Woken zieht sich die Haut des oft Fisches zusammen, die Stücke rolen sich auf und sehen dann wie Knospen aus. Manchmal. Ja, chinesisch ist mitunter  ... blumig. 

  • 500 g Fischfilet 
  • 1 EL chinesischer Reiswein (Shaoxin)
  • 2 EL Speisestärke
  • 1/ 2 Knolle Monoklnoblauch oder 3 normale Zehen
  • 3 cm Ingwer
  • 3 Frühlingszwiebeln
  • 2 frische Chili (mittelscharf)
  • 100 g Yá Cài
  • 1 EL eingelegte Chili
  • 1 TL Hühnerbrühepulver (optional)
  • 1 EL Sichuanpfefferkörner
  • Salz
  • Öl
Im Video wurde offenbar weder Ingwer noch Frühlingszwiebeln benutzt, ich finde aber, die können nicht schaden. Der Fisch wurde frisch ausgenommen und zerteilt, als er in den Wok kam, war er aber vorgegart. Wie kann ich nur erahnen, aber ich vermute, er wurde blanchiert.

Im Prinzip ist es völlig egal, was für eine Fischfilet wir nehmen. Wichtig ist, dass er weiß- und festfleischig ist. Mit Haut (gründlich geschuppt) wäre ideal, es geht aber auch ohne. 

Yá Cài bekommt man in guten Asiamärkten oder online.

Ich habe hier zur Abwechslung mal grüne Sichuanpfeffekörner genommen, ihr nehmt, was ihr bekommt oder habt.



Fisch in mundgerechte Stücke schneiden, mit Salz, Reiswein und der Stärke einreiben.


Sichuanpfeffer trocken anrösten bis er etwas dunkler wird und duftet.


Im Mörser oder der Gewürzmühle zermahlen.


Knoblauch und Ingwer schälen, Chili nach Wunsch entkernen. Dann alles fein hacken. Frühlingszwiebeln diagonal in Ringe schneiden und, wie üblich, weiße und grüne Teile trennen. 


Wasser aufsetzten, zum Kochen bringen, die Fischstücke einzeln hinzufügen, damit sie nicht zusammenkleben und eine Minute blanchieren lassen. Abseihen, Fisch beiseite stellen und den Wok wieder reinigen. 


Nun den Wok raucheiß werden lassen, vom Feuer nehmen, Etwas Öl darin hewrumschwenken, wieder zurück aufs Feuer stellen und erneut rauchheiß werden lassen.So versiegeln wir die Oberfläche von Karbonstahlwoks und nichts klebt mehr an. Bei Edelstahl oder gar teflonbeschichteten Woks bringt das natürlich nichts. 

Knoblauch, frische und eingelegte Chili, Ingwer, weiße Frühlingszwiebelteile und Yá Cài dazugeben und zwei Minuten pfannenrühren. Mit Salz und, wenn verwendet, Brühepulver würzen.


Fisch dazugeben, eine weitere Minute vorsichtig pfannenrühren, gemahlenen Sichuanpfeffer untermischen, anrichten, mit den grünen Frühlingszwiebelteilen bestreuen und fertig.


Ich kannte das Gericht, wie gesagt, bis vorhin nicht. Zunächst dachte ich:"Das ist ja ein bisschen minimalistisch. Und dann auch noch ohne Sojasauce? Wo soll denn da der Geschmack herkommen?" Unter diesen Voraussetzungen kann man ja nur positiv überrascht werden. Das wäre hier ein klassischer Fall von Understatement. Der Kohl bringt so eine Wucht an Aroma mit sich und das wird durch die anderen Zutaten eher multipliziert. Aber trotzdem kam auch der Fisch schön zur Geltung. Die Kombination muss man sich merken. Ach ja, und wirklich scharf ist es auch nicht. Höchstens pikant, würde ich sagen. Das werde ich mal für Gäste machen.
____
Flashback:



Heute vor drei Jahren: Spaghetti mit Tomaten, Spinat und Garnelen

30 Kommentare:

  1. 1. Ich höre interessiert, dass Chinesisch mitunter blumig sei. Das gefällt mir.
    Ich bin nämlich ein großer Freund davon, mitunter den Leuten bittere Wahrheiten in blumigen Worten unter die
    Nase zu reiben. Je nach Adressat enpfiehlt es sich allerdings hierbei schon mal beim Rausschwätzen nebenbei
    Ausschau nach dem kürzesten Fluchtweg zu halten..
    2. Wie ich sehe, wokkst du auch mit offensichtlich guten Ergebnissen auf deinem Küchenherd. Das stimmt mich
    zuversichtlich für meine Versuche.
    3. Und das wohl im besten Sinne minimalistische Rezept gefällt mir ausnehmend gut. Ist gemerkt.

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    1. Nummer 1 kenne ich. einer meiner Libelingssätze bei Diskussionen oder ähnlichem ist: "Einer von uns beiden ist klüger als du."

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    2. Auch ein probates Bonmot...

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    3. Ich tausche Buchstaben und mache aus "Libelingssätze" Lieblingssätze.

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  2. Zu blumig:

    Eine vielsprachige Bekannte meinte, dass Türkisch sehr blumig sei und voller idiomatischer Ausdrücke, die für Komplimente und Respekt stehen.

    Rein vom Klang mag ich Spanisch und Niederländisch. Letztere sind bei Schimpfwörtern kreativ und deftig. Manchmal nehme ich mir ein Niederländisches Wörterbuch und schlage zufällig eine Seite auf und bin direkt gut gelaunt. Das nenne ich „wortduschen“.

    Kölsche Bücher habe ich viele, es ist nicht einfach zu lesen. Es gibt die Fraktion, die das G schreibt ( Kölsch-Akademie ) die andere das J ( Heimatverein Alt-Köln ).

    Weil dies ein Kochblock ist, ein Zitat von Konrad Adenauer: „Ne jut jebratene Jans is ne jute Jabe Jottes.

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    1. Ich muss bei "blumig" immer an die Weinprobe aus Loriots Sketch "Vertreterbesuch" denken, wenn die "Oberföhringer Vogelspinne" verköstigt wird.

      Vertreter: Und was spüren Sie auf der Zunge?
      Hausfrau: So ein pelziges Gefühl.
      Vertreter: Falsch! Die Oberföhringer Vogelspinne ist blumig und überrascht durch ihre fruchtige Frische.

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  3. Loriot mochte ich gerne, ihn und seinen Humor. Wenn, dann kommt mir das schiefe Bild in den Sinn, welches er gerade rücken möchte und die Nudel am Mund, als er sich Evelyn Hamann erklärt.

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    1. Ich verehre Loriot und bin Anja aus Münster (hallo!) noch immer den "Kosakenzipfel schuldig. Das schiefe Bild ist übrigens von einem Monty Python-Sketch inspiriert. Loriot kopiert den aber nicht nicht einfach so, greift aber die Idee auf und setzt sie gekonnt für ein deutsches Publikum in Szene. Monty Python wurden übrigens in den frühen 70ern von Alfred Biolek für das deutsche Fernsehen entdeckt.

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    2. Ich bin überhaupt nicht sattelfest in Filmen etc, aber das mit dem Bild könnte sogar von Peter Sellers The Party inspiriert sein :)

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  4. Danke für den Hintergrund. Monty Python finde ich klasse. Wir haben früher als junge Leute gemeinsam Filme geschaut und lauthals miteinander gelacht. "Das Leben des Brian" mußten wir heimlich sehen, weil ich in einer fundamentalistischen, christlichen Sekte aufwuchst. Das wäre so etwas wie Gotteslästerung gewesen. Von meinen Eltern wurde ich genötigt, meine Schalplatten wegzuschmeißen und andere Dinge.......dann wird man vorsichtiger.

    Sei's drum, das habe ich hinter mir gelassen und glaube nicht mehr an Gott. Die mentale Freiheit stellt für mich einen außerordentlichen Wert da. Man sollte nie unterschätzen, daß ein paar freundliche Sätze von Außenstehenden einem Kind helfen können, eine Black Box zu entwickeln, wenn es in einem totalitären Kult aufwächst. Irgendwann fügen sich diese Teile vielleicht zusammen, und der junge Mensch kann sich freischwimmen.

    Vermutlich könnte man heute die Monty Python Filme gar nicht mehr machen. Lieblingsfilme gibt es viele, "Harold und Maude" war eine Offenbarung. Schwarz und mit Musik von Cat Stevens unterlegt, als er noch so hieß.
    "Arsen und Spitzenhäubchen" lief noch mal um Weihnachten herum.

    Der letzte Film, wo ich mich im Kino kaum noch halten konnte war: "Sterben für Anfänger". Da war eine Stimmung im Saal.

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    1. Es gibt zu viele gute Filme, um sie alle aufzuzählen. Ich mag neben Weltraum-SciFi skurile Sachen. "Everything Everywhere All at Once" oder "Cloud Atlas - Alles ist verbunden" fand ich zum Beispiel großartig.

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    2. >>>>>>> Beyond the Infinite Two Minutes Amazon prime ( Leihtitel ) !!!!!

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    3. Der hat in meiner privaten Liste - ich verliere sonst den Überblick, was ich gesehen habe und was nicht - 8/10 Punkten bekommen, was gar nicht mal so schlecht ist. Ich mochte auch Asteroid City (2023) und Snowpiercer (2013). Ansonsten bin ich großer Fan von Cronenberg (z.B. eXistenz) und den Coen Brüdern (The Big Lebowskiist einer meiner absoluten Lieblingsfilme).

      Danke übrigens für das tolle Buch, Peter! Ich muss mich irgendwie mal revanchieren.

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    4. Dankschön, bittschön, gerngschehn...musst dir nicht das hirn verknoten für ne ganz und gar unnötige
      Revanche..war halt grad was passendes zur rechten zeit über den Weg gelaufen.
      Wenn dir das wirklich Spaß machen würde, verwende lieber die zeit damit, ganz wie chief wang deine künste
      in meditation und hingebungsvoller versenkung schnippelnd zu perfektionieren.👨‍🍳
      PS. die verschollene (??) mail hab ich eben nochmal geschickt - jetzt mit eindeutigen Betreff. Guck mal
      rein und melde dich gerne.

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  5. Da schau ich mal rein.

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    1. Ich habe jetzt alle gängigen Streaming-Portale durch und nach gut 3.000 Filmen wird es schwer, noch etwa zu entdecken, was mich interessiert und ich noch nicht gesehen habe.

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    2. Das Gefühl habe ich auch, allerdings ohne die Streamingportale genutzt zu haben. Die bisher für die Werbung genutzten Einblicke in die Angebote haben mich nicht gelockt.

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    3. Es ist schon eine Schweinerei, dass mit werbefreiem Abo geködert wird und dann die AGBs plötzlich geändert werdenund man dann ein "plus"-Abo abschließen soll. Das ist eigentlich eine unzulässige einseitige Vertragsänderung. Ich habe mich da mehreren Sammelklagen angeschlossen.

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    4. Als (fast) Nicht-Streamingkunde wünsche ich mal viel Glück. Ich bin nur Kunde eines kleinen Streamers, der aber vermutlich bald in einem großen aufgeht und da dann das, was mich interessiert, als Plus zu einem Basispaket erhältlich ist, was ich (vermutlich) nicht möchte. Mal sehen, wann das wie kommt. Bis dahin sitze ich es aus und werde erst aktiv, wenn ich muss. Dir viel Erfolg bei den Mitklagen.

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    5. Es geht nicht ums Geld, es geht ums Prinzip. Ich habe in nun fast 56 Jahren immer zu meinem Wort gestanden und erwarete das auch von anderen.

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    6. Die Anbieter stehen auch zu ihrem Wort. Wenn Du die AGBs gelesen hättest, fändest Du da sicherlich einen Satz mit dem Sinn "Änderungen vorbehalten". Und es gibt keinen Streamingdienst, auf den man wirklich angewiesen ist. Es gibt so viele andere Sachen, die man machen könnte ... Leider gibt es den Bertelsmann-Buchclub nicht mehr, das war ja auch so eine Art Streamingdienst, nur eben für Bücher. Die soll es aber noch geben. ;-)
      Für mich kann ich nur sagen: Dienstleistungs- und Produktanbieter, die mir blöd kommen, werden künftig gemieden. Auch andere Anbieter haben schöne Produkte, so oder ähnlich sagt es doch der Kollege Volksmund. Langsam wird es zwar schwierig, die Marken zu behalten, die man meiden will, aber zumindest bei den großen halte ich durch.

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    7. Da muss ich dir widersprechen. Klauseln in den AGBs wie "Änderungen vorbehalten" sind laut BGB rechtlich meist unwirksam.

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  6. Hoffendlich hat die Klage Erfolg.
    Es ist unglaublich frech,
    wie Konzerne einseitig die Verträge ändern.
    Die Banken, die GEZ, der Stromanbieter.
    Es ist nahezu unmöglich,
    sich ohne Sammelklage dagegen zu wehren.

    Mein Ya Cai ist unterwegs.
    Bin so gespannt wie das schmecken wird.

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    1. Mit der GEZ habe ich keine Probleme, weil ich im Auto gerne Deutschlandfunk höre. Ansonsten gebe ich dir Recht. Viel Spaß mitdem Yá Cài, du Hai.

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    2. Wie immer an dieser Stelle der kostenlose Service: Seit 13 Jahren, 1 Monat und 22 Tagen gibt es die GEZ nicht mehr.

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    3. "ARD ZDF Deutschlandradio Beitragsservice" klingt ja auch viel freundlicher.

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    4. Naja, "Gebühreneinzugszentrale von ARD ZDF und Deutschlandradio" ist ja auch nicht unsperrig. Und BS bzw. BTS statt GEZ hat sich als Abkürzung noch nicht durchgesetzt.

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    5. "Service" klingt ja erst mal positiver als "Gebühr". Aber egal, wir alle wissen ja, was gemeint ist.

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