鱼像 (yú xiàng) bedeutet "Fischduft" und ist eine der um die 24 Geschmacksprofile der Küche Sichuans. Ich habe da schon mal erzählt (vermutlich mehrfach), aber die chinesische Küche kennt streckenweise sehr poetische, metaphorische oder von Assoziationen geprägte Begriffe. In diesem Fall riecht hier nichts nach Fisch und es auch nichts dergleichen im Essen, dafür aber eine Kombination aus Ingwer, Knoblauch, Essig, Zucker und Chilibohnenpaste und das ist ein typisches Saucenmerkmal für manche Gerichte mit Fisch, daher kommt der Name. Die bekanntesten Gerichte dieser Kategorie sind 鱼香肉丝 (yú xiāng ròu sī) - "geschnetzeltes (Schweine-)Fleisch mit Fischduft - und 鱼香茄子 (yú xiāng qié zǐ) Auberginen mit Fischduft. Ich habe das auch schon mal mit Huhn gemacht: 鱼香鸡丝 (yú xiāng jī sī), was auch gängig ist. Heute mach ich mal eine Version mit Tofu, die dann folgerichtig 鱼像豆腐 (yú xiàng dòu fu) heißt. Das ist dann auch komplett vegan, man wird aber trotzdem kein Fleisch vermissen. Ich würde mal sagen, dass man mit Gerichten wie die jeden Tofu-Skeptiker eines besseren belehren kann.
Ich habe hier:
- 500 weichen Tofu
- 4 Frühlingszwiebeln
- 1/ Stück Monoknoblauch (oder zwei normale Zehen)
- ein daumengroßes Stück Ingwer
- 1 Karotte
- zwei drei getrocknete große Mu'err-Pilze (auch Wolken- oder Judasohren)
- 1/2 EL Chilibohnenpaste (Douban Jiàng)
- 1 El chinesischen Reiswein (Shaoxing)
- 1 EL chinesischen schwarzen Essig (Chinkiang)
- 1 EL helle chinesische Sojasauce
- 1 EL dunkle chinesische Sojasauce
Des Weiteren:
- 1/2 EL Zucker
- Salz
- weißer Pfeffer
- 1,5 TL Speisetärke
- 1/2 TL Brühepulver (optional)
- Öl
Ganz kurz um Verwirrung zu vermeiden. Weicher Tofu (oder soft tofu) ist eigentlich gar nicht so weich. Er ist nicht so hart wie fester Tofu (firm tofu) - der hier vermutlich besser geeignet gewesen wäre), aber nicht so weich wie Seidentofu (silk tofu).
Statt Douban Jiàng wird in manchen Rezepten auch eingelegte Chili klein gehackt verwendet.
Statt Douban Jiàng wird in manchen Rezepten auch eingelegte Chili klein gehackt verwendet.
Pilze in ausreichen warmen Wasser eine halbe Stunde lang einweichen, dann gut ausdrücken. Stielansätze entfernen. Pilze wie Zigarren aufrollen und in feine Julienne schneiden. Karotten schälen und ebenfalls fein stifteln. Den weißen Teil der Frühlingszwiebeln ebenso verarbeiten, den grünen schräg grob stückeln. Knoblauch und Ingwer schälen und fein hacken. Speisestärke in drei Esslöffeln kaltem Wasser glattrühren.
So soll das aussehen, je feiner, desto besser. Man möchte zwar verschieden Texturen und Aromen in einem Gericht haben, die Formen müssen aber zusammenpassen.
Tofu in längliche Stücke schneiden. Da habe ich mich dumm angestellt und erst zu spät gemerkt, dass ich die Sache hätte anders angehen müssen, aber dazu später mehr.
Tofu wird in China meist zunächst in Salzwasser blanchiert. Das würzt, entfernt aber den "grasigen" Geschmack und fördert die Festigkeit. Die Methode ist einfach: kalt aufsetzen, aufkochen lassen, vom Herd nehmen und zwanzig Minuten ziehen lassen. Vorsichtig abgießen und gut abtropfen lassen.
Tofu nun in Öl knusprig anbraten. Dazu in eine Lage in die Pfanne geben und erst einmal nichts tun. Nach ein paar Minuten hat sich eine Kruste gebildet und man die Bohnenquarkstücke einfacher wenden. Ich habe hierfür übrigens eine beschichtete Pfanne genommen.
Nicht schön, aber es hat funktioniert. Der Tofu ist schön knusprig. Kleiner Tipp an mich selbst: Da nächste Mal schneide ich zentimeterdicke Scheiben ab, blanchiere und brate die und verarbeite es erst dann zu Streifen. Da sollten die Stücke intakter bleiben und auch gleichmäßiger aussehen. Aber das ist ja immerhin auch etwas: aus Fehlern lernen und bessere Strategien für das nächste Mal entwickeln.
Wenn wir einen Karbonstahl-Wok benutzen, lassen wir ihn jetzt trocken rauchheiß werden. Vom Feuer nehmen, Öl hinzufügen und herumschwenken. Durch das Erhitzen dehnen sich die "Poren" im Stahl aus, die werden dann mit Öl sozusagen gefüllt so entsteht eine Art Anti-Haftbeschichtung. Ist das Öl wieder knallheiß, Knoblauch und Ingwer hinzufügen und kurz durchschwenken.
Nun kommen die Möhren ...
.... und danach die Pilze in das Bratgerät, dabei rühren wir immer schön alles durch.
Chilibohnenpaste dazugeben und weiterrühren, bis sich das Öl rötlich färbt.
Nun die weißen Frühlingszwiebeln untermischen.
Zucker hinzufügen. Reiswein, helle Sojasauce und Essig in dieser Reihenfolge nacheinander vom Rand her einträufeln, dunkle Sojasauce einfach so unterrühren. Mit Salz und Pfeffer abschmecken, dann mit dem Stärkewasser abbinden. In China würde man noch eine Prise Brühepulver und/oder MSG hinzufügen, aber das muss jeder selbst wissen.
Wok vom Herd nehmen und Tofu vorsichtig unterheben, bis er von der Sauce ummantelt ist. Notfalls noch einen kleinen Schluck Wasser hinzufügen. Es soll aber nichts schwimmen.
Nun noch die grüne Frühlingszwiebelteile hinzufügen und fertig.
Wir haben hier - für Sichuan typisch - alle möglichen Geschmacksrichtungen vereint, die leichte Süße und feine Säure sind vernehmbar, wenn auch nicht so im Vordergrund wie bei Gerichten aus dem süß-sauren Profil. Durch die Chilibohnenpaste hat das Ganze Körper und Umami. Das Gericht ist zwar kein bisschen scharf, ist aber würzig, wobei alles irgendwie in Harmonie miteinander steht. Ich fahre da voll drauf ab.
Am besten schmecken solche Gerichte natürlich mit weißem Reis.
____
Flashback:Heute vor einem Jahr: Laijao Cui Chaofan - Bratreis mit Chili Crisps


















Ich hab alles da, das probiere ich heute als Mittagessen.
AntwortenLöschenIch esse immer sehr spät Mittag, nicht wundern.
Bei der letzten Nachfrage nach dem Ya Ca
lief mit Chimchi-Sosse mit Garnelen über den Weg.
Habs gekauft und jetzt bin ich ratlos.
Was mache ich denn damit?
Schmeckt sehr fischig, weniger scharf.
Und sehr salzig.
Was ist drin?
Sandlanze 50%. Garnelen 25%. Salz 25%.
Frag mich nicht, was Sandlanze ist.
Wofür ist das gedacht?
Es ist nicht grade sehr geeignet für europäische Gaumen.
Sandlanze = Sandaal. Wa du hast ist bestimmt "Saeu-jeot". Kann man allen koreanischen Gerichten zufügen, wenn man mehr ummami möchte.
Löschen.. vermutlich Espresso-Löffel-weise?
LöschenEs schmeckt pur überhaupt nicht.
Ich teste das mal, bin ja neugierig.
Es ist mir nicht möglich,
deinen Namen Saeu-jeot zu bestätigen.
Das koreanische Gekleckse kann ich schlichtweg nicht lesen.
Ist auch mehr eine Vermutung. Ferndiagnosen sind halt so eine Sache ....
LöschenNachtrag: Teuer ist es eigentlich auch,
AntwortenLöschenich hab es aus dem Reduziert-Korb für 30%
vom Ursprungspreis gekauft. also nur noch 4 Euro.
Die kleine Sandlanze ist ein wohl eher feiger Miniaal, der sich gerne mal im Sand versteckt wenns brenzlig wird.
AntwortenLöschenSoll aber angeblich milder fermentieren als so sardellenartiges Getier...
Nun, wer's mag, bittschön. ich war früher mal recht eng mit einem Koreaner befreundet, der immer Carepakete aus
Seoul bekam. Uiui, da waren schon echt üble Sachen dabei - puh.
Wie kennen ja alle einen Koch, der erfolgreich und schmackhaft sechs Mäuler mit bevorzugt MHD- Ware zufriedenstellt, aber bei Asiatischer Dosen- Glasware und dann noch mit Fisch würde ich wohl lieber nicht zugreifen... Wäre ja quasi Surströmming mit Stäbschen essen..
Fauler Fisch mit Stächen,
AntwortenLöschenich hab mich grade gebogen vor Lachen.
Ja, genau das hatte ich auch gedacht.
Nicht viel Unterschied zu der Dose Sauerhering.
Trotzdem wüsste ich sehr gern,
ob der Wesfood weiß, was das genau ist,
und wie mans verwendet.
Wenn Sandlanze ein Aal ist,
wie bitte kann das dann Chimchi-Sosse sein?
Das steht drauf, in unserer Sprache.
Die komischen Fettspritzer,
die wohl die koreanische Schrift sind,
kann ich nicht entziffern.
Spezialaal, Krabben und Salz?
Wo ist hier Chimchi versteckt?
Ähm,
AntwortenLöschenin aller Bescheidenheit und es steht mit fern jemandem vorzugreifen, aber sogar auf Wiki steht, dass es bei Kimchi
viele Möglichkeiten gibt -
" In regionalen Rezeptvarianten finden sich auch Beimengungen von Fischsauce, eingelegtem Fisch (Jeotgal – 젓갈) oder Austern (Gul – 굴). "
Also; das Kimchi ist zunächst natürlich der Cinakohl mit allem möglichen Gedöns und feste gesalzen.
Und die Fischnummer ist was für lang geübte, resistente koreanische Feinschmeckergaumen.
Mein oben erwähnter Kumpel war überglücklich, wenn er große Gläser mit von der Familie höchstselbst
fermentierte winzige unausgenommenen Minifischlein aus dem Brackwasserbecken des seouler Überseehafens
erhalten hat. Das sei perfekt für Kimchi und auch mit nem Rest kalten Reis zum Frühstück.
Ungelogen....😝
Alles gut Peter, du greifst nicht vor, finde ich.
LöschenIch wollte den Wesfood nur ein wenig nötigen, auch was dazu zu sagen.
Er hat vielleicht bessere Quellen als Wiki.
Also das mit den vergorenen Fischlein
mit Schwermetallen kenn ich auch aus Italien,
wo die alten Männlein unverdrossen die giftigen Fische fangen.
Und dann so komische Pasten draus machen,
die Anchovis heissen oder so... ;-)
Es ist damit aber immer noch nicht klar,
wie aus Aal, Garnele und Salz Chimchi wird.
Auf der Inhaltsangabe meiner Chimchi-Sosse
steht nix von Chimchi.
*Beimengungen von Fisch", laut Wiki, ja schön,
aber ohne Chimchi fehlt der Grundstoff,
zu dem der Aal und die Garnele beigemengt worden sein soll.
Verstehst das Problem?
Aus meiner Sicht steht Chimchi drauf,
ist aber nicht drin...
Kimchi aus Garnelen und Surströmming finden in zwei verschiedenen Universen statt. Und ja, es gibt auch Kimchi-Varianten ganz ohne Kohl.
Löschenzweierlei:
LöschenHaifisch - Du hast gesagt, das sei eine Kimchi Sauce ; Da muss dann natürlich nicht zwingend auch Kimchi drin sein, oder? Bei so sweet chili chicken sauce ist das Huhn ja auch extra...
Lars - stimmt ; mein Kumpel Moon Kwan hatte auch oft lecketes Kimchi mit weißem Rettich und auch
anderem Gemüse auf dem Tisch.
Er hat glaube ich nur anfangs ein Blatt Kohl reingetan, damit die Fermentation schneller anspringt und dann
aber wieder rausgenommen. Den Rettich fand ich besonders lecker und da war auch nicht Fisch, sondern
Sojasauce dran. Ist auch super zum mal geschwind selbermachen; geht schneller als Kohl.
Ich habe hier auch ein Rezept für Turbo-Kimchi. Fas ist zwar mit Kohl, geht aber problemlos mit Rettich und Co.
LöschenGleich geguckt - ist das das "Bächlein der Guten Jorinde "?
LöschenJa, das ist natürlich ne dolle spontane Sache und lecker im Sommer oder wann auch immer.
Chinakohl als Salat geht bei mir eh immer.
Da ich gerade so gestöbert habe, hab ich jetzt Bock mir einen Überschuss an Spitzkochl zum Kimchi zu
verarbeiten. Klappt bestimmt auch, dauert aber dann halt schon paar Tage - egal. Versuch macht kluch.
Waren das nicht Brüderchen und Schwesterchen mit dem Bächlein?
Löschenokay - die Lösung ist wohl,
AntwortenLöschendass die Koreaner
anscheinend alles vergären.
Ob es dann Kohl oder Fisch ist,
scheint egal zu sein.
Und dann heisst alles Chimchi.
Ich kannte NUR das vergorene Gemüse
in allen möglichen Varianten,
das ich auch öfters selber mache.
Hält ewig und schmeckt prima.
Kicher, also, lieber Wesfood..
NATÜRLICH ist Surtrömming kein Chimchi.
Aber Peter hat schon recht.
Die Idee dahinter ist ziemlich gleich...
(und braucht einen besonderen Magen..)
Wundervoll, der erste Satz beschreibt ganz hervorragend die koreanische Seele. ( Leider auch ihre Freunde,
Löschenaber das Thema gehört nicht hierher.. )
Und um sich Tag für Tag koreanisch zu ernähren braucht es ein paar physische Voraussetzungen:
- partiell verkümmerte Geschmacksppillen und
- eine Verdauungstrakt aus Edelstahl.
Dann bleibt man aber gertenschlank und topfit bis ins hohe Alter.
ich denk, biegsames Glas
Löschenals Darm wäre besser..
reagiert nicht mit Säure..
Das Ergebnis gefällt mir:
topfit und schlank... :-)
Ich hab die Flasche
Löschenvergorene Aale und Garnelen
jetzt ausprobiert.
.. nein, nicht auf ex.
Ein Espressolöffelchen
auf ungefähr 1.5l Flüssigkeit.
Also, man mags gar nicht glauben.
Aber das macht was aus.
Intensiv wie ein Löffelchen Chili scharf.
Mach den Geschmack voller, runder.
Also genau das 5te Element, der Umami.
Ganz ohne Glutamat.
(Oder fermentiert der Zitteraal, äh Sandaal zu Glutamat?)
Zuerst wollte ich das komische Zeug wegwerfen,
aber jetzt ist meine Neugier geweckt.
Da werde ich mal ordentlich herumexperimentieren.
Viel Spaß beim Knobeln; da fällt dir bestimmt was ein. Müsste tatsächlich in geringer Menge zu Omelette
Löschenpassen ( Gibt's anscheinend in Korea, wenn ich mich recht erinnere ) usw usf.....
Glutamat ist ganz von natur aus enthalten in z.B. Hartkäse, Sardellen o.Ä,. Pilzen, auch Fleisch und in Soja-
sauce. Der Körper braucht das sogar weil es die Reizverarbeitung fördert. > Schmeckt intensiver.
Blöd ist anscheinend zuviel in verarbeiteten Lebensmitteln, aber eher weil das dann quasi die Fressbremse ausschaltet und man dicker und dicker wird, weil's so lecker ist. Speziell bei Junkfood.
Aber in geringen Mengen ist das Zeug als solches wohl unbedenklich, sofern man nicht allergische Reaktionen zeigt.
Hab mir gerade neugierde- / probehalber neulich was bestellt und werde einen Vergleichtest machen.
Identisches Gericht, mal mit und mal ohne . Bin gespannt....
Du wirst den Unterschied schmecken. Ich glaube, wenn du bedenkliche Mengen an Glutamat verarbeitest, wird das ohnehin ungenießbar sein. Und du hast Recht, viele Lebensmittel enthalten von Natur aus MSG, was chemisch nicht anders als das Pulver ist. Für den Körper spielt das keine Rolle, wo es herkommt. Ob man das Pulver ans Essen macht oder nicht, muss jeder selbst wissen. Ich rate weder davon ab noch empfehel den Einsatz. Nur so viel: es ist höchst unwahrscheinlich, dass Menschen sich über angeblich durch MSG verursachte Schmerzen beschweren, sich zu Hause aber Glutamatbomben von Knaggi und Morr ind die hohle Birne schrauben. In China, wo viel Glutamat verzehrt wird, sind solche Malässen völlig unbekannt. Die Leute leben dort trotz MSG allgemein gesünder. Das Pulver stammt ja ursprünglich aus Japan und die Menschen dort haben eine der höchsten durchschnittlichen Lebenserwartungen weltweit.
LöschenHat eigentlich schonmal jemand geschrieben, dass das Rezept da oben ganz schön lecker klingt ?
AntwortenLöschenJa, ich.
Löschen😄
LöschenWenn du willst, dass ein Job richtig gemacht wird, mach ihn selbst.
Löschen@Peter, ich habs nachgekocht.
AntwortenLöschenDas ist der erste Eintrag.
Und vor lauter Gequatsche nicht geschrieben,
dass ich das sehr lecker fand.
mach ich wieder :-)
Probier auch mal die anderen genannten Varianten aus. Es gibt auch eine mit Ei.
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