Haben wir das früher als Kinder nicht alle geliebt? Im Sandkasten Dreck und Wasser in Eimern zu Matschepampe verrühren und dann so zu tun, als sei es eine leckere Suppe? Und wer hat nicht auch mal wirklich davon probiert? Bei uns hieß es früher immer "Dreck - anlassweise auch Sand - reinigt den Magen!" Hat es uns geschadet? Nein, denn schlimmer, als das Junkfood (was ich prinzipiell von Fastfood unterscheide) kann das auch nicht sein. Was das jetzt alles aber mit New York City zu tun hat und warum wir für diesen formschönen Hot Dog "dreckiges Wasser" brauchen, erfahren wir im Laufe dieses Artikels. Zunächst einmal, diese Art von Wurst im Brötchen ist für den "Big Apple" absolut typisch. Dort wird sie an fasst jeder Straßenecke an rollenden Imbissständen, den sogenannten pushcarts, angeboten. Während man in der anderen Hot Dog-Metropole, Chicago, auf ein extrem grünes Relish setzt, nimmt man in New York eine säuerliche, leicht süße Zwiebelsauce mit Tomate, die gerne auch ein wenig Schärfe haben darf. Die einzig weiteren Zutaten sind Sauerkraut und Senf und natürlich ein Brötchen, so wie eine knackige Wurst Frankfurter Art. Da fällt mir jetzt spontan dieser englischsprachige Witz ein: "I recently went to a German restaurant." - "How was it?" - "The Sauerkraut was awful, but the wurst was yet to come." BUMM TSCH!
Kümmern wir uns zunächst mal um die Zwiebelsauce. Das hier reicht für vier Portionen:
- 1 große gelbe oder weiße Zwiebel
- 1 EL Tomatenmark
- 50 ml milder heller Essig
- 1,5 EL Zucker
- 1/2 TL Cayennepfeffer
- 1 Knoblauchzehe
- 1 Msp Zimtpulver
- Salz
- Pfeffer
- Öl
Optional:
- 1 paar Spritzer Worcestershiresauce
Statt Tomatenmark kann man auch vier Esslöffel Ketchup nehmen. Die Straßenhändler machen das sicherlich. Dann muss man Essig und Zucker aber reduzieren.
In den USA wird meist Granulat verwendet,mich nehmen aber lieber eine frische Knoblauchzehe.
Zwiebeln schälen und in feine Streifen schneiden. Knoblauch abziehen und fein reiben.
Zwiebeln in Öl sanft anschmoren. Wir wollen hier keine Röstaromen oder Farbe, wir wollen nur, das alles weich und glasig wird. Das dauert so um die acht Minuten.
Sind die Zwiebeln weich, reiben wir den abgezogenen Knoblauch dazu. Dann kommen Tomatenmark (beziehungsweise Ketchup), Zucker und die anderen Gewürze hinzu. Mit dem Cayennepfeffer und dem Zimt sind zunächst etwas vorsichtig, nachwürzen kann man immer noch später. Essig und die gleiche Menge Wasser angießen und auf kleiner Flamme einkochen lassen.
So soll das aussehen. Die Zwiebeln sind weich und schön karamellisiert, die Flüssigkeit sämig eingekocht und es duftet fantastisch. Nach dem finalen Abschmecken ergibt ein Geschmackstest: bombastisch.
Was brauchen wir noch?
- Senf
- Sauerkraut
Hier ist tatsächlich der künstlich gelb aussehende amerikanische Senf die Waffe der Wahl. Man kann aber auch irgendeinen anderen nehmen.
Wenn man möchte, kann man das Sauerkraut noch mit etwas Weißwein, Lorbeer, Wacholderbeeren und so weiter aufkochenn. Man kann das Kraut aber auch gleich so verwenden. An den pushcarts wird man da aber sicher keinen größeren Aufwand betreiben.
Kommen wir zur Wurst. Die muss für ein originale New York City-Hot Dog aus Rindfleisch sein. Außerdem muss die Länge für ein Standard-Bun passen. Auch wirklich:der snap, als der knackige Biss. Hier wird es schwierig. Ich bekomme hier nur Rindswürste, die a) zu kurz und b) zu weich ("extra zart") sind. Ich könnte mir zwar über das Internet bei einschlägigen US-Shops Ware bestellen,aber es geht auch einfacher: einfach mal im türkischen Supermarkt stöbern und auch ruhig die Verkäufer fragen, was sie in eurem Fall empgehlen. Auf meiner Packung stand: Sığır Sosis.
Kommen wir nun zur Matschepampe, dem dirty water. Dazu brauchen wir:
- 1 Liter Rinderbrühe
- 1 Zwiebel
- 1 Knoblauchzehe
- 1 EL gemahlener Kreuzkümmel
- 2 TL Paprikapulver edelsüß
- 1/4 TL Cayennepfeffer
- 1/4 TL gemahlene Muskatnuss
- 1 Lorbeerblatt
Zwiebeln pellen und grob würfeln, Knoblauch abziehen und fein reiben. Alle Zutaten in einen Topf geben, aufkochen und dann leicht unter dem Siedepunkt simmern lassen. Dann die Würste hineiengeben. Die sollten komplett bedeckt sein. Nimmt man mehr Würte, muss man die Menge des "dreckigen Wassers" erhöhen. Wenn man die Flüssigkeit konstant knapp unter 100 % hält, können die Würstchen den ganzen Tag drin bleiben, je länger, desto besser.
Man könnte natürlich gekaufte Buns nehmen, ich hatte jedoch noch Briocheteig vom Cheeseburger neulich im Gefrierschrank. Daraus habe ich eigene Buns von je 90 Gramm gemacht.
Das kann sich sehen lassen, oder?

Die Buns werden nicht angeröstet, sondern gedämpft, meist über dem dirty water.Dafür haben die Stände spezielle Dämpfkörbe. Ich habe mir da mit einer Lochpfanne für sen Grill und dem Deckel eines großen Topfes etwas macgyvert.
Bun seitlich aufschneiden eine Wurst einlegen und mit etwas Senf bestreichen. Dann folgen die warmen Saucen: ein wenig Sauerkraut und oben drauf etwas Zwiebelrelish. Wir lehnen uns zurück und bestaunen unser Werk. Dann der erste Biss und das Geschmackszentrum im Gehirn braucht einen Moment, um zu verstehen, was da alles los ist. Erst einmal haben wir den knackigen Biss (den snap) der extrem aromatischen Wurst. Dann brechen Säure, Süße, leichte Schärfe und der Zimt - der im Idealfal nicht vorschmeckt, sondern nur eine Gefühl der Wärme und Tiefe gibt - wie eine Flutwelle über dir hinein. Ein guter Freund, der probieren durfte, sagte wortwörtlich: "Das ist die beste Wurst im Brötchen, die ich jemals gegessen habe." Dem habe ich nichts hinzuzufügen.
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Flashback:Heute vor drei Jahren: Pasta mit Kürbis, Burrata und Pistazienpesto










Ich werde das exakt nachbauen.
AntwortenLöschenEine Einschränkung:
ich werde die Würstchen verkochen,
die ein bekannter Discounter verramscht. Im Glas.
Die stehen bei mir herum. Ich mag die nicht essen.
Deswegen stehen die immer noch herum.
Wegwerfen mag ich nicht.
In Brühe gebadet und dann mit Soßen zugedeckt ..
Das könnte die Lösung werden,
wie ein Haifisch die Dinger upgradet
Jetzt muss ich nochmal kommentieren.
AntwortenLöschenIch lese grade ein Buch. Nicht so dolle, aber geht.
Und auf einmal, einen Tag nachdem ich
das "dirty water" Rezept gesehen habe,
einer Wurstform, die ich schlichtweg nicht kannte,
taucht genau das im Buch auf.
Die Hauptperson bestellt sich das.
Normalerweise überlese ich sowas, nehme zu Kenntnis.
Aha, die Person isst halt was.
Und jetzt hatte ich das Ding,
was sich die Person im Buch bestellt hatte, vor Augen.
Nun, wollte ich Euch schreiben.
Sowas erlebe ich echt selten.
Der lesend arbeitende Haifisch
Kulinarik spielt in der Literatur noch immer eine zu geringe Rolle.
LöschenMit Verlaub, das ist Quatsch...
LöschenEs gibt Romane, die Kulinarik beiingalten, aber viel zu wenige, gemessen an dem Stellenwert, den Essen für unser Leben spielt. Liebe, Hass, Verzweiflung, Reifung und so weiter sind da überpropoirtional vertreten, denn man kann ohne sie leben. Aber eben nicht ohne Essen.
LöschenIhr habt beide recht.
AntwortenLöschenJe nachdem, welches Genre gemeint ist.
Dupin und Bretagne, und noch andere - Essen integriert.
Und dann Literatur ganz ohne Speisen :-)
Das ist aber ein verschwindend geringer Teil der Literartur. Und mit Kulinarik meine ich nicht nur, dass der Protagonist gelegentlich einen Apfel ist oder sich irgendwo einen Döner reinzieht. Das ist wie im Film. Wenn Schmimanski eine Currywurst isst, macht das aus dem Tatort kein kulinarisches KIno.
LöschenDer Haifisch lacht grade herzlich.
LöschenSchimanski und die Wurst.
Natürlich ist das definitiv keine Kulinarik,
höchsten Lokalkolorit, halt Ruhrpott Würstelbude.
Oder was auch immer, wo der seine Krimis gedreht hat.
Ich meine, in nahezu jedem Krimi,
jedem Buch essen die Leute,
sitzen in Kneipen / Lokalen
und manchmal ist das Essen spezifisch benannt oder gezeigt.
Das ist so schlimm, dass man beim Leben teilweise mitessen will, Hunger kriegt.
Aber Bücher und Filme, in denen gekocht wird,
das ist aus meiner Sicht ausgesprochen selten.
Also wo so gekocht wird, dann man nachkochen kann,
wie zum Beispiel bei Tampopo.
Hmm, ich komm da nicht ganz hinterher...
Löschen"In nahezu jedem Krimi...... Hunger kriegt "
und dann aber " Bücher und Filme....ausgesprochen selten "
Das passt doch nicht recht zusammen. ..
Und das wohlfeile Schimanski - Cyrrywurst Bashing ist auch irgendwie halb-daneben, finde ich.
Es gibt ja auch die Kategorie der traditionellen und allenthalben begeistert wieder ausgegrabenen
regionalen Kulinarik die manchmal so gar nix mit appetitlichen Tellern zu tun hat.
Da kann man das ruhig subsumieren.
Moderne Kochgranden wie Gordon Ramsay oder Antony Bourdain düsen ( selbstverständlich mit
Kamerateam ) bis an den Arsch der Welt um sich dort bei weit abgelegenen Völkchen auch noch
die abgefahrensten Küchen- Geschmackskicks reinzuziehen. Da wird's dann aber auch mal so richtig
happig.
Dagegen ist es ein echter Klacks sich einen ganz frisch aus der Bucht geholten Seeigel, dem man mit
einer Art Nagelschere die Schädeldecke aufgeschnitten hat und das Hirn mit einigen Spritzern Zitrone
auszulöffeln, während er noch mit sacht zappelden Stacheln auf dem Teller auf und ab wandert.
Alleine das hat mich schon beim ersten mal ein wenig gefordert, aber ich hab's sofort gemocht.
So ein wenig wie Austern aber weniger zurückhaltend und kultiviert, sondern gleich volle Pulle an
den Gaumen. Das schmeckt also einfach mehr nach Meer. Sehr lecker aber mehr als 2 wird schwierig.
Mir ist das hier zu diffus, also sollte man vielleicht erst mal die Frage klären, was denn kulinarische Literatur bzw.
AntwortenLöschenein kulinarischer Film ist - und wie beide sich von einem Sach- / Kochbuch bzw. einem Dokumentarfilm
unterscheiden.
Denn ich denke wir sprechen hier schon über Ästhetik bzw bzw. künstlerische Aspekte weil ja auch die hohe
Kulinarik sehr ästhetisch zelebriert wird.
Ich meine Romane oder Spielfilme. Da wird Kulinarik meist nur nebensächlich oder oberflächlich behandelt. Klar, es gibt "La Grande bouffe", Fellinis "Roma" mit "Bucatini all’amatriciana" oder die ikonischen Pastaszenen in "Der Pate", "Goodfellas" oder "Susie und Strolchie". In der Lietratur kommt bei Heine der Schweinskopf in "Deutschland. Ein Wintermärchen" vor und bei den Buddenbrocks ist das Festessen Teil der bürgerlichen Identität. Aber in all diesen Fällen ist Kulinarik nur das Mittel zum Zweck, niemals das Sujet selbst. Das muss sich ändern.
LöschenSo gerne ich jetzt über das spannende Thema auch weiterplaudern würde, aber heute muss was geschafft werden.
LöschenNur vorerst soviel :
Ich habe ein wenig reherchiert und bin auf einen mir unbekannten Film von 2023 gestoßen, der sogar in
Cannes im Wettbewerb gelaufen ist. Sein deutscher ( arg bescheuerter ) Titel ist -Geliebte Köchin..
Man kann ihn im Viedeoportal de größten Onlinekaufhauses leihen und ich kann ich nur jedermann
empfehlen, der sich für da Thema interessiert.
DAS kommt sicherlich der Vorstellung von einem kulinarischen Film ( meines wissens zumindest ) am
nächsten.
Er handelt von einer Köchin , dem Hausherrn - ein berühmter Gournet und Gastronom und das Storyboard
passt auf 2 Seiten Papier; was beachtlich ist, denn der Film dauert über 2 opulente Stunden.
Er spielt wohl zu 80 % in der Küche mit der Köchin, dem Goumet und einer jungen Haushaltshilfe bei
gemeinsamer konzentrierter und schweigsamer Arbeit.
Getragen wird der Film alleine durch die phantastische Juliette Binoche und Benoit Magimel.
Mich hat er in Bann gezogen.