Mittwoch, 22. Juni 2022

Vin & Vini in Hameln


"Da könnten wir eigentlich auch mal hingehen" - ein Satz, der im Zusammenhang mit dem Vin & Vini bei uns auch schon des Öfteren fiel. Aber aus "könnte", "sollte", "müsste" wird doch nie etwas, man muss es einfach machen, satt immer nur darüber zu reden. Heute haben wir es geschafft und einen der wenigen Tische des kleinen aber feinen Bistros mit Vinothek ergattert. Draußen natürlich, direkt in der Osterstraße, einer der beiden Fußgängerszonenbereiche der Hamelner Alt- und Innenstadt. Hier kocht der Chef noch persönlich in der kleinen, vom Gastraum einsehbaren Küche. Er nimmt sich aber auch die Zeit, Bestellungen aufzunehmen und auf sympathische Weise mit den Kunden zu kommunizieren. Die Karte ist klein gehalten, wechselt oft und bietet ausdrücklich auch Veganern die Möglichkeit, auf Nachfrage Essen nach Maß zu bekommen. Frische wird großgeschrieben, die Qualität der Produkte ebenfalls.  Gekocht wird mit "mediterranem" Einschlag, die Weine der Vinothek stammen größtenteils auch aus dem Stiefelland und Frankreich. Die Preise sind mehr als nur angemessen. Was will man mehr? Vielleicht öfter mal hingehen.
  

Bruschetta geht immer. Wie man sieht, sogar ohne diese unsägliche Balsamicocreme.


Flammkuchen mit Birne, Gorgonzola und Walnüssen für die Gattin. Super dünner und knuspriger Boden aromatischer Belag. Die Kombination der Belagzutaten ist natürlich ein Selbstläufer aber auch bei diesem Gericht könnte man viel falsch machen. Wurde aber nicht. Das macht für das nächste Mal gespannt auf die anderen Flammkuchenvariationen, die angeboten werden. 


Die Sous-Chefin hatte Steinbutt mit Spargel, Kartoffeln und einer sagenhaften Sauce Bercy. Der Fisch war perfekt gegart, butterzart und aromatisch. Auch an den Kartoffeln und dem Spargel war nichts auszusetzen. Die Sauce, die bereits bei Escoffier Erwähnung findet, war aber der sprichwörtliche Hammer. Nach Aussage des Chefs basiert sie auf einem Fischfond, der aus der Karkasse des Steinbutts gekocht, mit Weißwein und Petersilie verfeinert und mit Butter aufmontiert wurde. Viel Handwerk also und auch ein weiteres Lob an den Koch, der den Fisch demnach im ganzen kauft, filetiert und aus den Resten Fond kocht. Das ist heute nicht mehr selbstverständlich. Die roten Kügelchen auf dem Fisch sind übrigens kein Kaviar, sondern irgendwas molekulares mit Fruchtgeschmack. Sieht nett aus, braucht man aber nicht wirklich.


Ich hatte ein dry-aged Kotelettt mit Spinat und Rosmarinkartoffeln. Dazu ein Sösschen, dass nach Angabe des Chefs auf einem hausgemachten Kalbsfond basiert. Das Fleisch war sehr aromatisch und hatte außen eine schöne Röstung. Der Gargrad war eher "done", aber das hätte ich vorher auch erfragen können und man hätte es mir auf Wunsch sicher auch medium serviert. Aber scheinbar sind viele Gastronomen bei Schweinefleisch noch immer sehr vorsichtig, was sie im Grunde ja auch ehrt. Aber solange das Fleisch zart ist, kann ich auch mit medium well oder gar done leben. Und zart war das auf jeden Fall. Nur mal so zum Beispiel: Für knapp unter 20 Euro kann man zu so einem Gericht preislich nichts sagen. Es gab sogar zum Schluss noch etwas Brot, um die Saucenreste aufzudippen. Vin & Vini: sehr empfehlenswert.
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Flashback:










Heute vor zwei Jahren: Knuspriges Orangenhuhn

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