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Dienstag, 13. Dezember 2016

Graupenrisotto


Wenn mein Vater, direkt nach dem Krieg ins zerbombte Hamburg geboren, von der Schule nach Hause kam und sah, dass seine Mutter "große Wäsche" machte, wusste er, es war Zeit, ohne Umwege sofort bei Onkel und Tante um Asyl zu bitten. Waschmaschine hatte man damals noch nicht und die Reinigung von Tuch und Kleidung war mit mühseliger Handarbeit verbunden. Zum Kochen blieb da so gut wie keine Zeit, also gab es etwas, dass man ganz unkompliziert den Tag über seinem Schicksal auf dem Herd alleine überlassen konnte. Graupensuppe zum Beispiel. Durch die Erzählungen meines Vaters waren Graupen für mich immer das personifizierte Böse und ich habe mein Leben lang das geschliffene Gerstenkorn nicht mit der Kneifzange angefasst. 

Die Graupe ist mittlerweile gesellschaftsfähig geworden und auch in der feinen Küche angekommen, aber ich musste über 46 Jahre alt werden, um einmal mehr zu erkennen, dass man sich immer ein eigenes Bild machen muss. Heute hat die Graupe Einzug in mein Leben gefunden und ich bin überaus dankbar, dass dies, wenn auch spät, überhaupt geschehen ist. Mein Vater, der sonst eigentlich alles isst, mag sie heute noch nicht, aber vielleicht kann ich ihn ja irgendwann einmal überzeugen.