Alles Schöne nimmt irgendwann einmal eine Ende, so auch unsere winterliche Reise ins Land der Elche und Seen.Schweden im Sommer kennen und lieben wir seit Jahrzehnten, aber im Winter ist das noch mal ein ganz andere Nummer. Ich habe es ja schon mal geschrieben, aber irgendwie ist das Leben hier entschleunigt. Man trifft nur auf höfliche, hilfsbereite Menschen, die sich selbst als Aushilfskraft im Supermarkt ein Bein ausreißen, um die zu helfen. Auf den Straßen wird nicht gerast, rücksichtslos überholt oder gedrängelt - im Winter noch viel weniger - und mich ergreift immer eine innerer Ruhe, sobald ich die Öresundbrücke überquert habe. Mein alter Philosophie-Fachleiter im Referendariat (der vermutlich mal irgendwann "Sophies Welt" quergelesen hat) behauptete immer: "Wer nach Süden Urlaub macht, verreist. Wer in den Norden fährt, jagt einer Ideologie hinterher". Wenn diese "Ideologie" das Finden von Ruhe, Stille und mentaler Erdung bedeutet, kann ich mit diesem, ansonsten nicht an Unsinnigkeit zu überbietenden Ausspruch leben. Aber wir wollen ja über schöne Dinge reden und nicht den menschenverachtenden Drill ("Ich breche dich und baue dich nach meiner Vorstellung wieder auf") des Referendariats reden. Das mag anderswo und heutzutage besser sein, für mich waren es zwei Jahre in der Hölle. Was sie nicht wussten - Ich trage die Hölle ohnehin in mir und keiner konnte mich brechen.

Södermalm ist ein auf einer Insel gelegener Stadtbezirk Stockholms mit Erhebungen, der einen wunderschönen Blick auf die Silhouette Stadt bietet. Die Altstadt Gamla Stan gehört dazu.
Frühstück in einem Café.
Ha, da würden die Schwurbler bei uns mal wieder freidrehen. Bei Stromausfall hilft nur Bargeld? Und wo kommt das her? Bekommst du dein Gehalt bar in einer Lohntüte? Oder hebst du alles sofort ab? Was ist, wenn der Strom ausfällt, kurz bevor du deine Knete aus dem Automaten ziehen willst? Und selbst wenn du die Kohle zu Hause in deiner Matratze bunkerst, was willst du damit machen? Ohne Strom funktionieren auch keine Kassensysteme, die ja mittlerweile auch für Buchhaltung und Inventur unverzichtbar sind. Da bei wird bei durchschnittlich 2.000 Kunden pro Tag keiner im Supermarkt aufschreiben, welche Artikel du in welcher Menge zu welchem Preis gekauft hast und das später dann händisch ins System eintippen. Das Problem ist nicht "Zahle ich bar oder mit Karte", sondern "Habe ich Strom oder nicht?" Und ohne sind wir so oder so geliefert.

Fika ist nichts Unanständiges, sondern eine schwedische Tradition. Dabei handelt es sich um eine Kaffeepause, am Sonntag gerne auch mit der ganzen Familie in Landcafés mit Löppis (Second Hand Krimskrams), bei der eben Kaffee getrunken und Kuchen oder kleine Snacks gegessen werden.
Hier ein Stück Pekannusskuchen, der über ein eigenes Gravitationszentrum verfügt. Er hat in etwa 40 Millionen Sonnenmassen, krümmt den Raum und zählt zu den schwersten Objekten im bekannten Universum.
"Hier wechselt Oberkleidung den Besitzer. Wenn du kannst, hänge eine Jacke hin, wenn du eine brauchst, nimm sie mit:" Da könne Einkaufszentren in Deutschland noch mal etwas über Menschlichkeit lernen.
Kultur muss auch mal sein Hier sehen wir die Vasa in dem für sie errichteten Museum in Stockholm. Sie war eine der am stärksten bewaffneten Galeonen ihrer Zeit, sank aber leider bereits auf ihrer Jungfernfahrt am 10. August 1628 nach nur etwa 1300 Metern Fahrt.
Wikipedia beschreibt die beachtlichen Eckdaten:
"Der Bau der Vasa war für Schweden auch ein Prestigeprojekt. Sie war mit 64 Kanonen bestückt. Das Schiff hatte eine Gesamtlänge von 61 Metern ohne Bugspriet und Laterne, eine Länge zwischen den Steven von 47,5 Metern, eine Kiellänge von 38,34 Metern und war mit Beplankung 11,3 Meter breit. Von der Unterseite des Kieles bis zum Flaggenknopf des Großmastes maß es 52,2 Meter. Die gesamte Segelfläche lag bei etwa 1.300 m² und der Heckspiegel endete 15,2 Meter über dem Wasserspiegel bei einem achterlichen Tiefgang von 4,8 Metern."
Das Wrack wurdew 1956 wieder gefunden und 1961 dann komplett gehoben.
Ein weiteres absolutes Highlight und eine Sache, ohne die mein Leben nicht komplett wäre: ein Besuch im Bügeleisen-Museum in Malmköpping. Wie cool ist das denn bitte? Ein Lebenstraum wurde war.
Muss ich vielleicht erklären. Im Sommer haben wir dieses Museum im Vorbeifahren entdeckt und gedacht "Wie freakig ist das denn bitteschön?" Dann sind wir durch eine Wohnungsauflösung plötzlich an eine Menge alter Bügeleisen geraten und Schwesterherz hatte die brillante Idee: "Lass uns die im Winter mit nach Schweden nehmen und dem Bügeleisen-Museum in Malmköpping spenden. Der Kontakt war schnell hergestellt. Der Mann, der das Sammlung mit absurder Schrulligkeit kuratiert, war so in seinem Thema gefangen, dass er, bevor er uns begrüßte, das erste Exemplar aus unserer Tasche griff und (auf Schwedisch) sagte "Aha, ein portugiesisches Modell!"
Silvester dann bei unseren schwedischen Freunden zu Hause. Wir haben da jetzt irgendwie die Tradition des Racletts gegründet ("Warum gibt es das nicht bei uns? Das ist doch total schwedisch!"). Wir hatten drei Grills dabei und einen dann als Gastgeschenk da gelassen. Es war eine großartige Zeit und ich habe zum ersten Mal seit den Sommerferien meinen inneren Akku wieder aus der 15%-Zone gebracht. Morgen geht es wieder zurück in die Anstalt, aber irgendwie freue ich mich auch auf die Bande. Nächstes Jahr geht es entweder um Ostern oder im Herbst zurück, denn wir haben Pläne. Der Sommer ist andersweitig verplant, da erwarten uns zum erstem Mal seit 1999 die schottischen Highlands. Das wird auch groß.
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Flashback:Heute vor einem Jahr: Olive Burger aus Michigan










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Auweiauwei ; ein Referendariatsflashback. Schlimme Sache, das da.
AntwortenLöschenHab ich auch ab und an.
All diese verlogen -humanistischen Didaktikdozenten, selbstverliebten Fachberater, manchmal sadistischen Mentoren und das Dressurreiten während der Lehrprobenzeit usw. waren mir nach stattlichen 7 Jahren selbstbestimmten und sehr effektiv genutzem Kunststudium sowas von zuwider. Weiaweia. Da kann schon als mal wieder ein Kotzbrocken die Speiseröhre hochwandern, wenn man aus versehen nochmal dran denkt. Pfui !
Ich lüge nicht, wenn ich sage dass das die beschissensten 2 Jahre meines Lebens waren.
Aber solange es noch Leute gibt, die sich mit Hingabe so friedlichen Themen wie alten Bügeleisen hingeben,
mag ich meinen Glauben an das zumindest potentiell Gute im Menschen noch nicht abschließend aufgeben.
So schwer das einem auch fallen mag...
Hingabe ist zuviel gesagt. Die Geschichte stimmt zwar, aber ich habe mich die ganze Zeot gefragt: "Was zur Hölle mache ich hier?" Und ja, dass das Referendariat die schlimmsten zweii Jahre des Lebens waren, kann ich unterschreiben.
LöschenAls "Wendeopfer" ;-) durfte ich nur ein Jahr Referendariat machen, was daran lag, dass ich die Hälfte vom DDR-Pedant schon hinter mir hatte. Es war nicht die schönste Zeit in meinem Leben, aber die schlimmste auch nicht. Die Zeit des Studiums verfolgt mich da bis heute umso mehr, wobei ein wenig auch die Referendariatszeit hineinspielt. Ab und an träume ich dezent alb unterschiedlichste Träume, deren einzige Gemeinsamkeit die Angst vor dem nicht abgeschlossenen Studium ist. Im wachen Zustand kann ich aber zwei (unterschiedliche) Abschlussurkunden ("Wendeopfer") vorweisen, dass ich es mit Erfolg abgeschlossen habe. Komische Traumwelten.
LöschenDas Studium war easy going. Da hatte ich zwar kein Geld, aber nach dem alten System (vor Bologna und diersem verscghulten Bachelor-/Masterkrams war es eine der besten Zeiten meines Lebens. DIe betse ist aber jetzt, wo ich endlich zu 100% der bin, der ich immer sein wollte.
LöschenSoso, droi Lehra in oinerem Poscht... na, denn man Prost.
LöschenDarf man neugierdehalber fragen, was deine Fächer sind?
Bei mir ( gewesen ätsch...) Kunst und Deutsch - das zweite aber quasi nie unterrichtet
Lars ist so ein didaktisches Schweizermesser - multifunktional ; bring's gar nicht mehr so genau zusammen...
An sich ist diese Frage natürlich irrelevant, aber ich war dann doch überrascht, als mir so etwa zur
" Halbzeit" aufgefallen ist, dass ich mich als bekennender Atheist krass überproportional gut mit den
Religionslehrern verstehe.
Englisch und Philosphie, aber auch Gesellschaftslehre (so ein Gesamtschul- Gemischtfach aus Geschichte, Geographie und Politik). Laut Zertifikat dürfte ich auch "Darstellen und Gestalten" unterrichten Ich bin aber auch schon fachfremd langzeitvetretungsweise in den Bereichen Hauswirtschftslehre und Musik eingesprungen.
LöschenBügel die Erinnerung platt,
AntwortenLöschendann trägt sie nicht mehr so auf ;-)
Was für eine schöne Reise in den Norden.
Und das Silvesteressen, richtig klasse.
Ich bin mit einer Ente rübergewatschelt,
das war übersichtlicher am Tisch.
Guten Start
Ich habe noch ein Rezept für Sichuanente im Köcher, aber dafür muss ich erst mal ein geeignetes Exemplar finden. Und ein Zeitfenster, denn die Zubereitung dauert drei Tage.
LöschenZitat der Elternbeiratsvorsitzenden Frau Hermine Zwick - Römpelsperck :
Löschen" Ach, diese Lehrer; jeden Tag massig Zeit und dann noch fast drei Monate Ferien - aber um ihre Arbeit und
unsere Kinder kümmern sie sich nen feuchten Dreck ! "
( Sinngemäß wiedergegeben aus den Erinnerungsprotokollen des langjährigen Personalrats E. aus K. )
Lars, das schaffst du - Sichuanente muss schon mal sein, gell ? Bin schon gespannt.
Sich über Lehrer, Beamte und Akademiker im Geisteswissenschaftler im Allgemeinen lustig machen, kann der Glatzenjörg a auch gut. Aber ich nehme es ihm nicht krumm. Er hätte ja auch in der Sdhule besser aufpassen können. ;)
LöschenAch, hör mir bloß auf damit... Ich für meinen Teil mag mir diese ganze Jauche nimmer geben.
LöschenThema beendet !
Ich wurde dazu erzogen, in der Öffentlichkeit nicht über andere herzuziehen und daran halte ich mich auch.
ähh, bist Du sicher, das war 2005?
AntwortenLöschenund dann jetzt, 20 Jahre später, die Nachlese ;-)
Als Philosoph muss ich wissen, was und warum die Sachen sind. Mit so empirischen Nebensächlchkeiten wie "wo" und "wann" brauche ich mich nicht abgeben. Aber danke für den Hinweis. ;)
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