Samstag, 3. Oktober 2026

New York City "Dirty Water Dog"


Haben wir das früher als Kinder nicht alle geliebt? Im Sandkasten Dreck und Wasser in Eimern zu Matschepampe verrühren und dann so zu tun, als sei es eine leckere Suppe? Und wer hat nicht auch mal wirklich davon probiert? Bei uns hieß es früher immer "Dreck - anlassweise auch Sand - reinigt den Magen!" Hat es uns geschadet? Nein, denn schlimmer, als das Junkfood (was ich prinzipiell von Fastfood unterscheide) kann das auch nicht sein. Was das jetzt alles aber mit New York City zu tun hat und warum wir für diesen formschönen Hot Dog "dreckiges Wasser" brauchen, erfahren wir im Laufe dieses Artikels. Zunächst einmal, diese Art von Wurst im Brötchen ist für den "Big Apple" absolut typisch. Dort wird sie an fasst jeder Straßenecke an rollenden Imbissständen, den sogenannten pushcarts, angeboten. Während man in der anderen Hot Dog-Metropole, Chicago, auf ein extrem grünes Relish setzt, nimmt man in New York eine säuerliche, leicht süße Zwiebelsauce mit Tomate, die gerne auch ein wenig Schärfe haben darf. Die einzig weiteren Zutaten sind Sauerkraut und Senf und natürlich ein Brötchen, so wie eine knackige Wurst Frankfurter Art. Da fällt mir jetzt spontan dieser englischsprachige Witz ein: "I recently went to a German restaurant." - "How was it?" - "The Sauerkraut was awful, but the wurst was yet to come." BUMM TSCH!


Kümmern wir uns zunächst mal um die Zwiebelsauce. Das hier reicht für vier Portionen:
  • 1 große gelbe oder weiße Zwiebel
  • 1 EL Tomatenmark
  • 50 ml milder heller Essig
  • 1,5 EL Zucker
  • 1/2 TL Cayennepfeffer
  • 1 Knoblauchzehe
  • 1 Msp Zimtpulver
  • Salz
  • Pfeffer  
  • Öl
Optional:
  • 1 paar Spritzer Worcestershiresauce
Statt Tomatenmark kann man auch vier Esslöffel Ketchup nehmen. Die Straßenhändler machen das sicherlich. Dann muss man Essig und Zucker aber reduzieren.

In den USA wird meist Granulat verwendet,mich nehmen aber lieber eine frische Knoblauchzehe.

Zwiebeln schälen und in feine Streifen schneiden. Knoblauch abziehen und fein reiben.


Zwiebeln in Öl sanft anschmoren. Wir wollen hier keine Röstaromen oder Farbe, wir wollen nur, das alles weich und glasig wird. Das dauert so um die acht Minuten.


Sind die Zwiebeln weich, reiben wir den abgezogenen Knoblauch dazu. Dann kommen Tomatenmark (beziehungsweise Ketchup), Zucker und die anderen Gewürze hinzu. Mit dem Cayennepfeffer und dem Zimt sind zunächst etwas vorsichtig, nachwürzen kann man immer noch später. Essig und die gleiche Menge Wasser angießen und auf kleiner Flamme einkochen lassen.


So soll das aussehen. Die Zwiebeln sind weich und schön karamellisiert, die Flüssigkeit sämig eingekocht und es duftet fantastisch. Nach dem finalen Abschmecken ergibt ein Geschmackstest: bombastisch.

Was brauchen wir noch?
  • Senf
  • Sauerkraut
Hier ist tatsächlich der künstlich gelb aussehende amerikanische Senf die Waffe der Wahl. Man kann aber auch irgendeinen anderen nehmen. 

Wenn man möchte, kann man das Sauerkraut noch mit etwas Weißwein, Lorbeer, Wacholderbeeren und so weiter aufkochenn. Man kann das Kraut aber auch gleich so verwenden. An den pushcarts wird man da aber sicher keinen größeren Aufwand betreiben.


Kommen wir zur Wurst. Die muss für ein originale New York City-Hot Dog aus Rindfleisch sein. Außerdem muss die Länge für ein Standard-Bun passen. Auch wirklich:der snap, als der knackige Biss. Hier wird es schwierig. Ich bekomme hier nur Rindswürste, die a) zu kurz und b) zu weich ("extra zart") sind. Ich könnte mir zwar über das Internet bei einschlägigen US-Shops Ware bestellen,aber es geht auch einfacher: einfach mal im türkischen Supermarkt stöbern und auch ruhig die Verkäufer fragen, was sie in eurem Fall empgehlen. Auf meiner Packung stand: Sığır Sosis.


Kommen wir nun zur Matschepampe, dem dirty water. Dazu brauchen wir:
  • 1 Liter Rinderbrühe
  • 1 Zwiebel
  • 1 Knoblauchzehe
  • 1 EL gemahlener Kreuzkümmel
  • 2 TL Paprikapulver edelsüß
  • 1/4 TL Cayennepfeffer
  • 1/4 TL gemahlene Muskatnuss 
  • 1 Lorbeerblatt
Zwiebeln pellen und grob würfeln, Knoblauch abziehen und fein reiben. Alle Zutaten in einen Topf geben, aufkochen und dann leicht unter dem Siedepunkt simmern lassen. Dann die Würste hineiengeben. Die sollten komplett bedeckt sein. Nimmt man mehr Würte, muss man die Menge des "dreckigen Wassers" erhöhen. Wenn man die Flüssigkeit konstant knapp unter 100 % hält, können die Würstchen den ganzen Tag drin bleiben, je länger, desto besser.


Man könnte natürlich gekaufte Buns nehmen, ich hatte jedoch noch Briocheteig vom Cheeseburger neulich im Gefrierschrank. Daraus habe ich eigene Buns von je 90 Gramm gemacht.


Das kann sich sehen lassen, oder?


Die Buns werden nicht angeröstet, sondern gedämpft, meist über dem dirty water.Dafür haben die Stände spezielle Dämpfkörbe. Ich habe mir da mit einer Lochpfanne für sen Grill und dem Deckel eines großen Topfes etwas macgyvert.


Bun seitlich aufschneiden eine Wurst einlegen und mit etwas Senf bestreichen. Dann folgen die warmen Saucen:  ein wenig Sauerkraut und oben drauf etwas Zwiebelrelish. Wir lehnen uns zurück und bestaunen unser Werk. Dann der erste Biss und das Geschmackszentrum im Gehirn braucht einen Moment, um zu verstehen, was da alles los ist. Erst einmal haben wir den knackigen Biss (den snap) der extrem aromatischen Wurst. Dann brechen Säure, Süße, leichte Schärfe und der Zimt - der im Idealfal nicht vorschmeckt, sondern nur eine Gefühl der Wärme und Tiefe gibt - wie eine Flutwelle über dir hinein. Ein guter Freund, der probieren durfte, sagte wortwörtlich: "Das ist die beste Wurst im Brötchen, die ich jemals gegessen habe." Dem habe ich nichts hinzuzufügen.
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Flashback:



Heute vor drei Jahren: Pasta mit Kürbis, Burrata und Pistazienpesto

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