Mittwoch, 15. Januar 2014

Nur mal so ... (Teil 4)


Wo sind die Zeiten hin, als man in einen Supermarkt ging, Dinge in den Einkaufswagen packte, die man gar nicht brauchte, weil man den Einkaufszettel zu Hause vergessen hatte, an die Kasse ging, einfach bezahlte und dann den Laden verließ. Die Jüngeren unter uns werden sich sicher nicht mehr erinnern und jetzt ungläubig fragen "Wie? Einfach bezahlen und dann raus?" Ja, es gab eine Zeit vor Germany- und BackPayCards, Klebepunkten, Rabattcoupons, Bargeld-Mitnahme, Sammelstickern, Geld- oder Tankgutscheinen und neuerdings Rabbat-Rubbelosen.

Da steht man in einer Schlange an der Kasse und hat, sagen wir mal, Joghurts gekauft. Vor einem spielen sich Szenen ab, die dem absurden Theaterstück eines durch übermäßigen Absinth-Genuss dem Wahnsinn verfallenen Dramatikers entstammen könnten. Da werden EC- und Bonuskarten gesucht, in Taschen gekramt, verzweifelt versucht, sich an PINs zu erinnern, um Klebepunkte gefeilscht und so weiter. Und es wird immer schlimmer. Gut, manche Typen von Käufern gab es schon immer - zum Beispiel diese Personen, für die das Bezahlen an der Kasse scheinbar so überraschend kommt, dass sie vor Schreck vergessen, wo sie ihr Portemonnaie versteckt haben.  

Oder die Kleingeldzähler ("Moment, ich habs passend"), die den Inhalt ihres Geldbeutels auf das Kassenband schütten - dabei rutschen immer Münzen in den Schlitz zwischen Band und Metallkante - und die dann 83,72 in Centmünzen abzählen, nur um festzustellen, dass 2 Cent fehlen, weil die ja unter das Kassenband gerutscht sind.

Nun ja, ich erinnere mich auch noch an Zeiten, als man mit Euro- oder Sparkassencheckheft zeigen konnte, dass man irgendwie wichtig war, aber das alles ging trotzdem immer noch schneller, als das langwierige und irgendwie auch ärgerliche Bezahlprozedere unserer Tage.

"Haben sie die XXX-Card?" 
"Sammeln sie Punkte?"
"Moment, sie bekommen noch ihren Tankgutschein."
"Ich muss nur kurz ihren 5-Euro Gutschein ausfüllen und abstempeln."
"Wollen sie Sticker? Kann ich noch einmal bitte ihren Kassenbon sehen?"
"Möchten sie noch Bargeld mitnehmen?"
"Moment, ich muss mal in der Gemüseabteilung anrufen. Die Schalotten sind nicht im System" (waren sie aber doch die letzten 40 Jahre, warum jetzt plötzlich nicht mehr?)
"Mit diesem Gutschein bekommen sie beim nächsten Einkauf von 4 Joghurts 50
Cent Rabatt"

Letzteren Gutschein hatte ich dann auch bitter nötig, denn nach dem Schichtwechsel an der Kasse, dem Austausch der Kassenrolle, Warten auf Wechselgeld und Stornoschlüssel, war mein Joghurt inzwischen abgelaufen.

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