Donnerstag, 6. August 2026

Schottland 2026 - eine Nachlese


Wir sind nun auch schon wieder fünf Tage zu Hause und ein bisschen Resturlaub habe ich noch. Zeit also, auf der heimischen Terrasse zu sitzen, die Fotos am Laptop zu sichten und die Zeit in den schottischen Highlands Revue passieren zu lassen. Es war diesmal kein primär kultureller Urlaub (obwohl Castles ja auch Kulturgut sind) oder ein Städtetrip, es ging vielmehr um die Landschaft, also das Erleben der puren Natur und davon gibt es dort reichlich. Ich möchte hier jetzt ein paar Impressionen mit euch teilen, obwohl die Bilder der Wirklichkeit kaum gerecht werden. Auf dem Bild sieht man übrigens das geschichtsträchtige Schicksalstal Glencoe, einer der schönsten Ecken Schottlands. Dazu aber später noch mehr.


Wir wollten ja eigentlich mit der Fähre von Amsterdam nach Newcastle upon Tyne fahren, waren aber irgendwie mit dem Buchen schlecht dran und so hätte uns die Überfahrt mit zwei Fahrzeugen und sechs Leuten mehrere tausend Euro gekostet. Also haben wir die Fähre von Calais nach Dover genommen, was um ein Zehnfaches günstiger war, allerdings auch eine Fahrt durch fast ganz Großbritannien bedeutete. Deshalb haben wir einen Zwischenstop in Leeds gemacht. In dem Appartment dort stand ein Gasherd,den ich fast eingepackt hätte.


Direkt hinter der schottischen Grenze: Gretna Green. Die Hippies unter uns werden sich erinnern. Während in England und dem Rest der Welt strikte Heiratsgesetze galten, durften hier auch auch Minderjährige nach schottischem Recht getraut werden und das meist vom örtlichen Schmied.. Seit 1753 bis ins zwanzigste Jahrhundert hinein war Gretna Green ein romantischer Zufluchtsort für verliebte Jugendliche, die dem bürgerlichen Elternhaus entkommen wollten, um ihr eigenes Leben zu starten. Heiraten kann man hier immer noch ab 16, sonst ist die alte Schmiede mit Drumherum einfach nur ein beliebtes Touristenziel mit Shops, Cafes und sauberen Toiletten.


Das sind hier mal so wahllose Bilder. Ein schöner Wasserfall im Nordwesten.


Ein Schiff an der westlichen Atlantikküste.


Auf der Hebrideninsel Skye. Die Felsnadel, die hier mittig emporragt wird The old Man of Storr genannt.


Noch ein Wasserfall.


Touristisch hat sich seit meinem lezten Aufenthalt dort (1999) einiges getan. Wo früher Schotterpisten waren, sind nun ausgebaute Straßen. Man hat begriffen, dass die Landschaft Touristen und damit Geld in die Region holt und darauf baut auf, legt aber auch großen Wert auf Nachhaltigkeit.


Der sogenannte Kilt Rock auf Skye, der so heißt, weil die Felsrillen wir die Falten am traditionellen Schottenrock aussehen.


Portree, die einzige Stadt auf Skye, mit ihren bunten Häuser am, Hafen.


In den Highlands gehen die Straßen oft direkt durch Weideland und es kann immer mal passieren, dass Schafe oder Highlandrinder den Weg blockieren. Damit sie aus den großzügig umzäunten Weiden nicht ausbrechen, gibt es in den Durchfahrten sogenannte Cattle Grids, die das Hufvieh nicht betritt. Bei uns heißen die Dinger "Katzengritzler".


Man mag es kaum glauben, aber es gibt auch Sandstrände, wenn auch kein wirkliches Badesweter. Hier sind wir an der Nordküste bei Kyle of Tongue.


Berge und ein weiteres Loch.


Atlantik.


Noch ein Wasserfall.


Zum Glencoe gibt es eine Geschichte, die tief in der schottischen Volksseele verankert ist. Seit Schottland Teil der britischen  Krone wurde gabe es den Kampf zwischen englischen Kräften und schottischen Jakobitern um die Vorherrscahft im Land. Die Schoten waren durch Clans, also Großfamilien, organisiert. Jeder Clan hat ein eigenes Karomuster (tartan), dass mit Stolz getragen wird. Im Februar 1993 waren die pro-englischen Campbells Gast der jakobitischen MacDonalds. Man lebte zwei Wochen lang in Glencoe unter einem Dach. Die Geschichte ist kompliziert, Kern ist aber, dass in der Nacht des 13. Februars die Campbells auf englischen Befehl über ihre schlafenden Gastgeben herfielen und sie massakrierten. Dieser Verrat ist nie vergessen worden und auch wenn heute kein Campbell mehr um Angst vor Rache haben muss, ist es nicht empfehlenswert, mit ihrem Tartan in Glencoe aufzutauchen.


Eilean Donan Castle - kennt man aus dem Film Highlander.


1997 - 2026. Wie die Zeit vergeht.



Es  gibt auch sanfte, ans Auenland erinnernde Hügel.


Hier noch mal unser Stittenham House. Das war früher einmal ein Inn. Nebenan sind die zum Stittenham Cottage umgebauten ehemaligen Stallungen. Beide Häuser samt großem Grundstück sind für 780.000 Euro käuflich zu erwerben.


Dann habe ich mir noch mal ein richtiges full Scottish breakfast gegönnt.Toast, Baked Beans, Spiegelei, britischer Bacon (aus dem Kotelett, nicht dem Bauch), Sausage, Kartoffelküchlein, Black Pudding und Haggis. Letztere fand ich überraschend mild und gar nicht mal so übel.


Der Rückreie war ein Ritt. Von Alness (oberhalb von Inverness) zunächst nach Loch Lomond, wo wir Papas Wanderstock dedponiert haben. Von da über Stoke-on-Trent nach Canterbury in Südengland, wo wir übernachtet haben.Insgesamt 1100 Kilometer. Am nächsten Tag dann von dort über Dover und Calais nach Hause, also noch einmal 750 Kilometer.Aber warum Stoke-on Trent? Nun, das ist Lemmys Geburtsort und ich wollte seine Statue sehen. War zwar ein kleiner Umweg, aber mir war das wichtig. Dabei fiel eins auf. Schottland hat, wie gesagt, in letzter Zeit viel auf nachhaltigen Tourismus gesetzt. Die Städte und Dörfer sind gepflegt. Selbst auf den Toiletten der von außen schäbigsten Fish and Chips-Buden (chippies genannt) kann man vom Fußboden essen. In der Gegend um London, Cornwell und Südengland generell sitzt ja traditionell auch das Geld. ABer Nord- und Mittelengland ist einem erschreckenden Zustand. In Stoke-on-Trent ist jedes zweite Haus kaputt, verdreckt oder eine verlassene Industrieruine. Man hat hier zu 70 % für den Brexit gestimmt (Schottland fast geschlossen für remain) und sich offenbar damit gewaltig ins eigene Knie geschossen. 60.000 von einst 70.000 Arbeitsplätze verschwunden. Es zeigt sich hier eins: kein Land kann ohne Bündnisse funktionieren und durch Protestwahlen schadet man sich nur selbst. Die Reichen werden reicher und die Armen ärmer. Es sollte uns eine Warnung sein.
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Flashback:



Heute vor vier Jahren: Pasta di Mare

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