Samstag, 27. Dezember 2014

Lotusblume in Hameln


Nach den Tagen des Schlemmens mag es seltsan klingen, aber die Gattin wollte unbedingt auswärts Essen gehen und dies im neuen Chinarestaurant Lotusblume bei uns in Hameln. Sie war bereits dort, ich noch nicht. Dies sollte heute nachgeholt werden.

Ich bilde mir ein, über ein wenig Sachverstand die chinesische Küche betreffend zu verfügen. Ich bin im authentischem Wok-Braten geübt und stelle so extrem hohe Ansprüche an chinesische Restaurants. Meistens werden diese nicht erfüllt.

Das liegt zumeist daran, dass die Gerichte oft westliche Erfindungen und auf unseren Geschmack zugeschnitten sind. Authentische chinesische Klassiker gibt es kaum, oder sie sind bis zur Unkenntlichkeit enstellt und haben mit dem Original oft nur noch den Namen gemein. Die wenigsten chinesischen Restaurants in Deutschland werden außerdem von Chinesen geführt, meist sind hier Vietnamesen am Werk. Da ist per se nicht schlimm, aber würde man für die perfekte Pizza in ein portugiesisches Restaurant gehen?

Geschäftsführer der Lotusblume ist ein gewisser Xiaobing Wang, ein Name, der für mich so chinesisch klingt wie Dieter Müller deutsch.

Die Lotusblume gibt es in Deutschland fünfmal. Neben dem neuen Standort in Hameln, ist man auch in Braunschweig, Goslar, Göttingen und Hildesheim zu finden. So ein Filialbetrieb kann von Nachteil sein, muss es aber nicht zwangsläufig.
  


Die Lotusblume verfügt auch über eine "Grillstation", an der man sich selbst zusammengestellte Menüs auf einer heißen Platte grillen lassen kann. Im Gegensatz zu anderen derartigen Restaurants spricht man hier aber nicht fälschlicherweise vom Mongolengrill, sondern nennt das Kind richtigerweise beim Namen: teppanyaki. 

Auch die Tatsache, dass die Zutaten der einzelnen Saucen erklärt werden, ist gut. Man steht ja sonst oft davor und fragt sich, was denn der Unterschied zwischen "Mongolensauce", "Dschingis Khan Sauce" oder "pikanter Sauce" ist.

Natürlich kann man auch à la carte essen. Angeblich soll es neben der "normalen" Karte auch eine spezielle chinesische geben, auf der authentische Gerichte geboten werden. Aber auch sonst - den Klassiker aus Szechuan, mapo doufo, habe ich bisher selten bis nie in einem chinesischen Restaurant gesehen.

Die Bilder im Restaurant sind wie immer mit dem Smartphone gemacht, also darf man keine Studioqualität erwarten.


Vorweg die obligatorische Sauer-Scharf Suppe. Hier etwas zu tomatig, geschmacklich jedoch okay.


Auf zwölf Uhr haben wir hier nun den ersten authentischen Star des mehr als reichhaltigen Menüs, Tang Cu Pai Gu - süß saure Schweinerippchen aus der Provinz Hunan. Das Fleisch ist so zart, dass es geradezu im Mund schmilzt.

Rechts daneben in Backteig frittierte Garnelen (geht so) und auf drei Uhr knusprige Ente. Die kam glücklicherweise nicht in einem fünf Zentimeter dicken Teigpanzer, sondern war einfach so frittiert - wie man es in China auch macht. Knusprig aromatische Ente (crispy aromatic duck) steht schon länger auf meiner to-do Liste und wird eines meiner nächsten Projekte sein.


Auf sechs Uhr finden wir scharfes Rindfleisch mit acht Kostbarkeiten. Ich bin ehrlich - ich habe trotz CDO nicht nachgezählt.

Auf neun dann ein gutes Beispiel für das eingangs erwähnte Phänomen: Gong Bao Ji Ding oder Kung Pao Huhn. Mein absolutes Lieblingsgericht aus dem Reich der Mitte. Es kann auf eine fast zweihundertjährige Tradition zurückblicken und besteht aus Hühnerfleisch, einer speziellen getrockneten Chilisorte und Erdnüssen. Pilze, Erbsen, Bambus und Brokkoli haben hier nichts verloren. Das hier Servierte war ein leckeres Wokgericht, aber niemals ein Gong Bao Ji Ding.  


Hier jetzt etwas vom teppanyaki. Grünschalenmuscheln, Shrimps und Kängurufleisch mit Dschingis Khan- und Sojasauce.

Känguru geht geschmacklich in Richtung Rindfleisch mit einer leichten, aber unaufdringlichen und milden Wildnote. Schon lecker, aber ich denke einmal, wenn der Reiz des Neuen nachlässt braucht das hier kein Mensch mehr.


Leckers knuspriges Huhn auf zwölf Uhr, Rindfleisch mit Zwiebeln auf drei Uhr, bei Sechs dann süß saures Huhn. Hier hat der Einsatz von Hoisinsauce überrascht, so dass es an glasiertes Huhn mit Cashewkernen erinnerte, nur ohne Cashewkerne. Links auf neun Uhr dann einige Hühnerstreifen in Panierung, Tintenfischringe und eine belanglose vegetarische Fühlingsrolle. Das Frittierte habe ich mir nur aufgetan, weil ich alles probieren wollte, was ich dann aber dennoch nicht geschafft habe.


Dieser Teller wird bei einem Chinesen vermutlich die selben nervösen Zuckungen verursachen, die wir bekämen, wenn wir einen Nichteuropäer dabei beobachten müssten, wie er Pizza mit Rotkohl, Heringssalat und Kaiserschmarrn isst.

Sushi, thailändisches Hühnerfleischcurry und in der Mitte etwas mehr gebackenes Huhn.


Ich konnte zwar eigentlich gar nicht mehr, aber ein kleines Lammkotelett geht immer. Hier schön rosa gebraten als "surf 'n' turf" mit Tintenfisch und Garnelen, dazu Mongolensauce.   


Ich habe auf den Nachtisch verzichtet, die Gattin und die Kleine haben jedoch gnadenlos zugeschlagen: frisches Obst, Eis, Wackelpudding, gebackene Banane und frittierte Sesambällchen. Letztere werde ich auf Wunsch der Gattin nachkochen müssen.

Fazit:
Endlich ein Restaurant, in dem man authentische Küche serviert bekommen kann. Das nächste Mal werde ich nach der "chinesischen" Karte fragen.

Der Laden war sehr voll und auch es waren auch einige asiatische Gesichter unter den Gästen zu entdecken. Anders als ich in Online Kritiken lesen konnte, wurden die Büffetspeisen ständig erneuert und waren stets frisch. Geschmacklich gab es nichts auszusetzen, die Bedienung war freundlich und schnell.

Das Restaurant befindet sich direkt neben der Rattenfängerhalle in Hameln. Darunter ist ein großes Parkhaus, so dass Parkplätze auch kein Problem sind.

Einziger Kritikpunkt ist die Akustik in dem geräumigen, glasbewandeten Speisesaal. Es kann sehr laut und schallend werden. Dafür wirkt es aufgeräumter und weniger alt-backend kitschig als die meisten Chinarestaurants.

Preis: 14,90 € für das Abendbüffet (Mittags reduziertes Büffet für 7,90 €) ist mehr als nur angemessen.

Das leckere Essen und die Tatsache, dass ich auf viele authentische selbst gekochte Gerichte verlinken konnte, lässt mich vermuten, dass wir nicht zum letzten Mal dort gewesen sind.

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