Nachdem ich Ende letzten Jahres eine Weltkarte meiner bisherigen internationalen Kochversuche gepostet hab, wies mich einer meiner eifrigsten Leser und Kommentierer darauf hin, dass ich noch nichts aus seinem Geburtsland Rumänien aufzuweisen hätte. Das wird jetzt nachgeholt. Aber da ich hier kein 0815-Programm bieten will und auch immer für gute Geschichten mit einem Twist zu haben bin, wird das hier jetzt vermutlich etwas anders, als es sich der gute Peter vielleicht gedacht hat. Es wird heute schaurig blutig.

Wir befinden uns in der Mitte des 15. Jahrhunderts. Vlad III, auch bekannt als Vlad der Pfähler sitzt im Garten seiner Residenz und tafelt. Um ihn herum sind sind spitze Pfähle, auf denen er seine Feinde oder alle die bei ihm in Ungande gefallen sind, aufgespießt hat. Der Woiwode (Heeresführer) der Walachei lacht diabolisch und stippt seine Essen in das Blut der Aufgespießten und verzehrt es genüsslich. Diese grausame Geschichte, zusammen mit seinem Spitzname Drăculea (Sohn des Drachens), werden über 400 Jahre später Bram Stoker dazu bringen, seinen bekanntesten Roman "Dracula" zu schreiben. Die Story hat nur einen Haken: man hat Briefe von Vlad gefunden, auf denen Speichel, Schweiß und andere Körperflüssigkeiten zu finden waren. Genetische Analysen ergaben, dass er zumindest zur Zeit, als diese Briefe geschrieben wurden, vegetarisch, wenn nicht sogar vegan lebte. Also hat er vielleicht nur eine Sauce gehabt, die wie Blut aussah. Max Miller vom YT-Kanal Tasting History ist der Sache nachgegangen. Er hat zwar keine walachisches Rezept aus dieser Zeit gefunden, aber eins aus einem Kochbuch das im 16. Jahrhundert für eine Prinzen in Transsylvanien - immerhin Vlads Geburtsort und lange Zeit auch Wohnsitz - geschrieben wurde: Sauerkirschsauce. Und die gibt es in Rumänien tatsächlich heute noch unter Namen Sos de Visine.
Das fünfhundert Jahre alte Rezept ist simpel:
- 450 g Sauerkirschen (entsteint)
- 230 ml Weißwein
- 3 EL Honig
- 1 Kaffeebecher mit zerkrümeltem Brot
Der Wein im Rumänien dieser Zeit war fruchtig-lieblich, also haben ich auch eine solchen genommen.
- 1/2 TL Zimt
- 1/4 TL schwarzer Pfeffer
Die Zutaten in einen Topf geben, aufkochen und zwanzig Minuten simmern lassen. Dann durch ein feines Sieb passieren und abschmecken. Heute passiert man die Sauce wohl nicht, dieses Rezept will es aber so.
Die Sauce sieht wirklich wie Blut aus. Es kann also durchaus möglich sein, dass unserer wackere Woiwode die Sauerkirschsauce aus Transsylvanien über die Karpaten in die Walachei brachte und die Leute da dachten, er würde Blut trinken. Vielleich hat er aber nur ganz harmlos da gesessen, Karotten gedippt un d scih verzweifel gedacht: "Warum mag mich keiner?" Gut, das erklärt nicht die aufgespießten Körper, aber irgendwas ist ja immer. Kommen nun zum Geschmack: süß-sauer, aber anders, als wir es von den Chinesen kennen. Die Sauce passt hervorragend zu herzhaften Fleischgerichten und vermutlich auch zu Möhren. Könnte ich mir auch gut mit Blauschimmerlkäse vorstellen.
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Flashback:Heute vor vier Jahren: Gelbes Thaicurry mit Gemüse





Das Auge isst mit. ;-)
AntwortenLöschenUnd bei Bratwurst isst man das Auge mit.
LöschenBlutsosse, ich kann nicht mehr vor Lachen.
AntwortenLöschenJetzt muss der Peter aber ... ich muss so lachen.
Das wird der Renner kommenden Halloween.
Das war mein geretteter Abend, herrlich.
Haifisch mit blutigen Zähnen
wegen gesiebter Kirschsosse...
Immer erfreut helfen zu können.
LöschenJaaa, ich höre: was muss ich jetzt aber ?
LöschenUnd zu Halloween habe ich dich ja schon gründlichst beliefert... aber klaro; die Sauce hat was, keine Frage.
Peter, der den Haifisch füttert.
LöschenAch Lars, mein Gutster.. welch einen köstlichen Schabernack hast du mir denn da kredenzt?
AntwortenLöschenIch komme ums Verrecken nicht umhin zuzugeben - ich bin zutiefst gerührt .....🤧 schnief......
Und dann auch noch so hübsch alles genauestens recherchiert; brilliant - aber das ist ja wohl eine deiner
Kernkompetenzen. Und es gilt natürlich auch noch unbedingt, die höchst anschauliche Verlebendigung der Szenerie
lobend zu erwähnen.
Auch wenn die Fleischration recht frugal bemessen ist, wird die farbliche Exzellent der Tunke klar herausgestellt.
Leiderleider muss ich gestehen, dass ich schon immer eine ausgeprägte Abneigung gegen Sauerkirschen hege,
aber das muss man ja nicht zu dipfelesgenau nehmen; Hauptsache Kirschen die prima färben, oder?
PS: den Channel musste ich natürlich sofort sichten, weil ich gnadenlos auf sowas stehe und mein erster Eindruck
ist dass das positiverweise nicht ganz so durchgeknallt ist wie Heston Blumenthals medieval feast Reihe.
Allerdings irritiert sich Max Millers regelrecht vereister Blick zutiefst. Aber das tut ja nix zur Sache.
In dem Fall würde ich dir auch noch den Kanal Townsends empfehlen. Der kocht viel aus der amerikanischen Siedler-und Bürgerkriegszeit, teilweise auch aus alten europäischen Kochbüchern.
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