Es ist kein Geheimnis, was das Essen angeht, ist Sìchūan (四川) meine große Leidenschaft. Kulinarisch zieht es mich immer wieder dorthin und wenn ich mal ein paar Tage nichts aus dieser Ecke gegessen habe, zeigen sich tatsächlich Anflüge von Entzugserscheinungen. Damit diese gelindert werden, begebe ich mich heute nach Chéngdū (成都), der Hauptstadt der Provinz und koche einen klassischen Bratreis, so wie man ihn dort finden würde. Das Gericht heißt Chéngdū jiàng yóu chǎo fàn (成都炒饭), was ganz einfach mit "Chengdu Bratreis: übersetzt werden kann. Manchmal wird es aber auch als Lǎo chéngdū jiàng yóu chǎo fàn (老成都酱油炒饭), also "gebratener Sojasaucen-Reis nach alter Chengdu-Art" bezeichnet. Es mag überraschend sein, aber trotz seiner Herkunft kommt das Rezept komplett ohne Schärfe aus. Sehen wir es uns also einmal an.
Zunächst brauchen wir gegarten Reis, im Idealfall vom Vortag und über Nacht im Kühlschrank gelagert. Hier habe ich für drei bis vier Schälchen:
- 4 Kaffeebecher gekochten und ausgekühlten Reis
Des Weiteren:
- 200 g Schinken oder geräucheten Bacon
- 200 g Yá Cài
- 6 Frühlingszwiebeln
- 3 Eier
- 1 EL chinesischer Reiswein (Shàoxīngh)
- 3 EL helle chinesische Sojasauce
- 1 EL Frühlingszwiebelöl (optional)
- Salz
- weißer Pfeffer
- Öl
Eigentlich brächten wir Jīnhuá huǒ tuǐ (金华火腿). Dieser luftgetrocknete Jinhua-Schinken stammt aus der Stadt Jīnhuá in der Provinz Zhèjiāng und blickt dort auf eine tausendjährige Tradition zurück. Er gilt als der beste Schinken Chinas und braucht sich keinesfalls hinter Iberico- oder Parmaschinken zu verstecken. Der Haken an der Sache: Hier im Westen kommt man schlechtan ihn heran. Ersatz sind dann eben die bereits genannten Schinken aus Italien oder Spanien, im Notfall kannman auch mit mild geräcuchertem Bacon arbeiten
Bei Yá cài (芽菜) handelt es sich um fermentierten Senfkohl (Pak Choi) mit salzig-würziger Note. Er spielt in der Küche Sichuans eine große Rolle. Man bekommt ihn online oder im vielen Asialäden. Meist ist er dann bereits küchenfertig gehackt. Es gibt ihn aber auch am Stück, dann muss er für diese Gerichte zerkleinert werden. Außerdem sollte man ein kleines Stück probieren. Ist es zu salzig, muss man den Senfkohl erst abspülen.
Vorbereitung:
Die Eier werden getrennt. Dieser Schritt ist optional, trägt aber den unterschiedlichen Garzeiten von Eiweiß und Dotter Rechnung. Frühlingszwiebeln in kleine Ringe schneiden, weiße und grüne Teile dabei trennen. Schinken klein würfeln.
Wok rauchheiß werden lassen, vom Feuer nehmen etwas Öl eingießen und schwenken. Zurück auf die Flamme stellen und warten, bis es wieder raucht. So hat man die Oberfläche versiegelt und nichts haftet an. Das funktioniert aber nur bei einem Karbonstahl-Wok und hoher Hitze. Eiweiß hineingeben und pfannenrühren bis es zu 75% gegart ist. Aus dem Wok nehmen und beiseite stellen.
Die Prozedur mit dem Eigelb wiederholen und es dann zum Eiweiß geben.

Nun wird der Schinken angebraten.

Ist er leicht geröstet, geben wir den Senfkohl dazu und braten auch ihn eine Minute unter Rühren mit an. Mit Reiswein ablöschen.

Es folgen die Frühlingszwiebeln. Kurz durchschwenken ...

... und die Eier hinzufügen.
Nun darf auch der Reis in die Arena. Wir vermengen alles gut und braten das Ganze unter ständigem Rühren bei maximaler Hitze für etwa zwei Minuten an, dabei lockern wir alle etwaigen Klumpen. Eventuell muss noch etwas Öl vom Rand her eingetröpfelt werden, damit nicht am Boden anklebt.
Nun gießen wir die Sojasauce und das Frühlingszwiebelöl an, vermengen alles und schmecken final mit Salz und Pfeffer ab.
Mit den grünen Frühlingszwiebelteilen garniert servieren. Das ist ein wirklich leckerer Bratreis bei man jedes Korn im Mund spüren kann, der sich aber dennoch gut mit Stäbchen essen lässt. Die Kombination aus Schinken, Senfkohl und Ei ist grandios. Ich habe diesmal Bacon genommen und finde, die dezente Rauchnote ergänzt das Gericht perfekt.
____
Flashback:
Heute vor einem Jahr: Gai Tod Hat Yai - Knuspriges Hat Yai-Hähnchen








Wo hast'n jetzt schon wieder das mit dem Ei und der Wokversiegelung aufgegabelt, du 狐狸 ( sprich Huuli) ??
AntwortenLöschenIch hab doch jetzt endlich auch so einen aus Karbonstahl, den ich mit meinem Japsengasbrenner für Tischgrillen befeuere. Zwar eher moderate Feuerkraft aber völlig ok und um Längen besser als jedes Kochfeld;
ich bin jedenfalls absolut happy und so macht das dann auch richtig Spaß mit dem Ruckzuck-pfannenrühren.
Das Ding ist jedenfalls eine der besten Küchenanschaffungen der letzten Jahre neben meinem Esge Zauberstab mit allem Zubehör und meinem sündhaft luxuriösen Tormek Messerschleifer , den ich regelrecht liebe weil er in meiner Küche das gute Werkstattflair verbreitet und mich an die glücklichen Jahre als Cembalobauer erinnert.
Karo war ich gerne Lehrer, aber das Handwerk war für mich einfach viel erfüllender weil ich halt so gestrickt bin,
dass ich immer was mit eigenen Händen herstellen muss, sonst werde ich ganz unleidlich..
Wok und Brenner klingen doch prima. Wenn man keine Kompanien bekochen muss und den Wok eben nicht überfrachtet, ist das völlig okay. Das mit dem Ei habe ich vom chinesischen Koch, Restaurantbesitzer und YouTuber Wang Gang aus Sichuan, eine meiner Referenzen für diese Küche.
LöschenDie Wokversiegelung ist ein anderes Thema. Normalerweise lässt man den Wok knallheiß werden, kippt dann einen Liter Öl rein, bringt es zum Rauchpunkt (bei den Jet-Brennern eine Sache von Sekunden), kippt das wieder zurück in ein neben der Wokstation stehendes Gefäß und gibt dann, wenn der Wok wieder raucht, kaltes Öl zum Braten hinzu. Das ist für Restaurants, in denen man immer ordentlich Öl braucht, gut. Für zu Hause aber eher unpraktikabel. Also mache ich es wie in meinem anderen Referenzkanal (Chinese Cooking Demystified) auf die Weise, wie ich es oben beschrieben habe.
Wang Gang ist Profi und kennt sich in der Sichuanküche bestens aus und präsentiert neben Restaurantgerichten auch ganz normales "home style" cooking, zusammen mit Onkel Nr. 4 auf dessen Bauernhof im ländlichen Bereich. CCD sind ein Amerikaner und seine kantonesische Frau, die sich privat in den Küchen Chinas gebildet haben, wirklich authentisch kochen und viele Dinge gut erklären. Die beiden werden auch der Grund sein, dass ich dereinst Privatinsolvenz anmelden werden muss, da ich da so viele Zutaten entdecke, die ich dann für teures Geld von irgendwo hierher schiffen lasse.
Und ja, Fuchs heißt "húli", allerdings mit aufsteigendem "u".
Hihi, jaja mit aufsteigendem U - klaro; so hat mir das auch Youtube vorgesprochen und ich fand das so
Löschensüß und neckisch, dass ich mir das mehrmals anhören musste. Aber wie kann man das auf ner europäischen
tastatur gut darstellen? Außer den 2 u ist mir da nix eingefallen..
Ach ja, und für ne Privatinsolvenz hält einem das Leben so manche Gründe bereit, falls man diese oder jene
Leidenschaft pflegt.
Das geht mit Akzenten. Das sind am Beispiel von "a:":
Löschená (steigend)
à (fallend)
ǎ (fallend-steigend)
ā (gleichbleibend).
Das ist für die Bedeutung wichtig. "mā" heißt mama, "mǎ" hingegen Pferd. Ein nicht ganz unwichtiger Unterschied.
Nun ja, anscheinend nicht für alle.....
LöschenMir fällt da gerade ein Bekannter ein, der m.E. nach ne regelrechte Stute geheiratet hat..
Du wirst doch sicherlich auch lernen / üben Chinesisch zu sprechen, oder? Und wenn ja, wie stellst du das an ?