Mittwoch, 11. März 2026

Suutei Tsai - mongolischer Milchtee


In meinem Bestreben, mich einmal um die Welt zu kochen,möchte ich zunächst den kompletten asiatischen Kontinent abhaken können. Viel fehlt mir da nicht mehr, aber es wird immer schwieriger, geeignete Rezepte zu finden. An der Mongolei beiße ich mir nun schon länger die Zähne aus. Ich koche ja eigentlich primär, damit meine Familie etwas zu essen hat und in der Regel ist man auch sehr experimenmtierfreudig, aber mit gekochtem Pferde- oder fettigem Hammelfleisch, weitgehend ungewürzt und mit Nudeln serviert, brauche ich der Gattin nicht zu kommen. Nun habe ich mich für Suutsei Tsai entschieden, einen absoluten Klassiker der mongolischen Küche (einschließlich der zu China gehörenden Inneren Mongolei) täglich zum Frühstück genossen wird. Dabei handelt es sich um einen Milchtee mit ein paar Extras. Falls es jemanden interessiert, in mongolischer Schrift sieht der Name so aus:

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Ich glaube, man liest das oben links startend senkrecht. Tsai klingt ja schon wie das türkische çay oder arabische shay (شاي) als Wörter für Tee. Alle haben eines gemeinsam, sie stammen vom chinesischen Wort Chá (茶) ab.


Wir brauchen für drei Portionen:
  • 800 ml Milch
  • 250 ml Wasser
  • 1,5 TL losen Tee (grün oder schwarz)
  • 1 TL SalzFür die extra Einlage:
  • 3 gefäufte EL Hirse (geschält oder ungeschält)
  • 2 EL Butter
  • 1 EL Mehl
  • 6 EL Urum
Wem das in dem verlinkten Rezept beschriebene Prozedere zur Herstellung von Urum aufwendig ist, verrührt einfach Mascarpone mit etwas Crème Fraîche.


Hirse in der Butter anrösten.


Mit Mehl bestäuben und vermischen.


Weiter rösten, bis die Hirse leichte Röstfarben hat. Das geht auch mit Buchweizenschrot.


Milch mit dem Wasser aufkochen. Tee in ein Teeei oder Teefilter geben und hinzufügen. Sechs Minuten bei niedriger Hitze simmern lassen, Tee entfernen.


Hirse dazugeben, mit einer Schöpfkelle etwas Milch aus zwanzig Zentimeter Höhe zurück in den Topf fließen lassen. Das mehrere Male wiederholen, um Luft in die Flüssigkeit zu bekommen. Nach fünfzehn Minuten leichten Köchelns sollte die Hirse gar sein. Wenn einem das jetzt noch zu mager vorkommt, gibt man noch einen guten Stich Butter dazu. Authentisch wäre hier welche von Yak oder Pferd.


Milch in drei Schalen füllen und die Hirse, die sich am Boden abgesetzt haben wird, dazu geben. Je zwei Löffel Urum hinzufügen und servieren. Dann setzten wir uns wie mein Großvater damals in Ulan Bator in unserer Yurte an den Tisch, hören Kehlkopfgesänge aus dem Kofferradio und trinken unseren dampfend heißen Milchtee. Dazu gibt es dann vielleicht etwas Gebäck oder Trockenfleisch. So, nun aber zum Punkt. Suutei Tsai, schmeckt zunächst milchig-salzig. Je nachdem welchen Tee man nimmt und wie lange man ihn ziehen lässt, ist dieses Aroma stärker oder schwächer. Durch die Zugabe von Hirse bekommt das Ganze eine schöne nussige Note, Urum und/oder Butter sorgen für ein cremiges Mundgefühl. Mir wäre das am Morgen zu viel, aber ich wohne auch nicht in der mongolischen Steppe und muss schwere körperliche Arbeit verrichten. Ich würde jetzt nicht behaupten, die mongolische Küche wäre die eleganteste der Welt, aber das hier war mal eine interessante Erfahrung, die letztlich auch geschmeckt hat. Mal sehen, welches Land ich als nächstes in meiner Küche besuche. Ideen habe ich bereits genug.
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8 Kommentare:

  1. Sehr spannend. das Gericht. Ich mag's ja morgens gerne eher deftig - bei Marmeladenbrot, Nutella und Müsli
    bin ich sofort raus.
    Hab mal geschwind geguckt und was interessantes gefunden:
    Boodog. Ein monglisches Barbeque nach der guten alten " erst alles raus und dann wieder hübsch ordentlich
    rein " Methode. Ziemlich spektakuläre Sache.. muss man mal gesehen haben.
    https://www.youtube.com/watch?v=rPGq9YNZ6TU

    Don't do this at home. Aber Spaß tät mir das schon mal machen..

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    1. Boodog kenne ich auch. Ist aber eher nichts für den Hausgebrauch.

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    2. Dann nehme halt Murmeltier - ist handlicher...

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  2. Diese Milch merke ich mir
    für nächstes Jahr Skiurlaub vor.
    Wenns noch Schnee hat.

    Damit kann ich die eher
    sehr deutsch angehauchten Familien
    mal so richtig schocken.
    Da freu ich mich schon drauf.
    DIe stellen die Flakes auf den Tisch,
    meckern über die Kaffeemaschine,
    und hätten gern sehr deutsches Frühstück.
    Jeder reihum ist dran. Mit Brötchen und so...

    Da die nachher Skifahren wollen,
    werden die das schon probieren.
    "Quiiiek, meine Linie", das ist lächerlich
    vor der Doppelportion Pommes auf der Hütte.

    Kicher, ich habe ja einen Ruf zu verteidigen :-)

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  3. Als bekennender Milchjunkie müsste ich das Rezept eigentlich mal nachkochen. Ich fühle beim Lesen jedenfalls ein Kribbeln in den Fingern. Allein das viele Fett hält mich davon ab, gleich morgen mit dem Nachkochen zu starten. Die Weihnachtszeit ist noch nicht abgearbeitet. ;-)

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    1. So fettig ist das doch gar nicht. Ein Butterbrot weniger, und die Bilanz ist wieder ausgeglichen.

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  4. Der Haifisch rät:
    Nach der Milch den Garten umgraben, kicher

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