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Dienstag, 21. April 2026

Devilled Bones - scharfe Hähnchenflügel von 1854

Nach ein paar aufwendigeren Kochprojekten in letzter Zeit, versuche ich momentan schnelle und kostengünstige auf den Tisch zu bekommen. Wenn ich damit auch den Bestand meiner Kühlkammern mindern kann, ist das ein positiver Nebeneffekt. So fand ich jüngst ein paar Hähnchenflügel, die ich ohne Plan einfach schon mal profilaktisch auftaute. Wie es der Zufall so will sehe ich dann ein Video des brillanten YT-Kanals Tasting History, in dem Max Miller ein Rezept für devilled (in den USA meist deviled) bones. Normalerweise denkt man "Foodie" bei scharfen Hähnchenflügeln zuerst an die beühmten Buffalo Wings aus der Anchor Bar in der Stadt Buffalo im Bundestaat New York, von aus sie ab 1964 bekannt wurden. Die haben, so könnten man meinen ihren Ursprung irgendwo in den Südstaaten. Unsere heutigen teufelischen Knochen stammen jedoch aus dem 1854 erschienenen Kochbuch A Shilling Cookery for The People des Briten Alexis Soyer. Zu seiner Zeit waren sogenannte devilled Gerichte (also teuflische) gerade groß in Mode. Damit bezeichnet man stark gewürzte - oft mit Cayennepfefffer - Dinge, wie zum Beispiel die auch bei uns bekannten devilled eggs. Das sind hartgekochte, halbierte Eier, bei denen das Eigelb zu einer scharfen Paste verarbeitet und wieder in die wieder in die Mulde im Eiweiß gegeben wird. Ebenso beliebt war es, Reste vom Sonntagshuhn oder andere Fleischstücke auf dies Weise zu verwerten. Das Rezept weist uns auch einfach nur ganz allgemein an, Braten- oder Geflügelreste zu nehmen, bei denen noch Fleisch am Knochen ist. Die Versionn mit Hähnchenflügeln scheint zu der beliebtesten geworden zu sein.

Donnerstag, 16. April 2026

Di Ji Jing - "getropfte Hühneressenz" oder "wasserlose Hühnersuppe"

Das wäre doch mal eine Frage für Günther Jauch: Ist diese Hühnersuppe...

a) ... super lecker
b) ... einfach gemacht
c) ... auf ein Jahrhunderte altes Verfahren zurückzuführen
d) ... ganz ohne Wasser gekocht

Das Gute daran, egal was geantwortet wird, es stimmt alles. Aber schauen wir uns mal Antwort d) an. Klingt erst einmal nach einem verspäteten Aprilscherz, aber Rezepte für ohne (zusätzliches) Wasser gekochte Hühnerbrühen gingen vor einiger Zeit viral. Normalerweise interessiert mich so etwas nicht, aber ich hegte sofort den Verdacht, dass dieses Rezept seine Ursprung in China hat. Und tatsächlich scheint es in den 1990er in Taiwan aus einer Nische herausgetreten zu sein und zur beliebten Suppe für jedermann zu jeder Zeit zu werden. Die Rede ist von 滴雞精 (dī jīj īng), was so viel wie "getropfte Hühneressenz" bedeutet. Früher - und wir reden hier wie gesagt von einer Jahrhunderte alten Tradition -  diente sie hauptsächlich dazu, Kranke und besonders Frauen im Wochenbett zu stärken., sie hatte also vornehmlich medizinische Zwecke. Der Gedanke hierbei ist, dass hier beim Kochprozess nichts durch Wasser verdünnt wird, sondern im eigenen Saft gegart wird und glaubt mir, da entsteht so einiges an Flüssigkeit. Und die ist schön konzentriert, deshalb auch "Essenz". Fangen wir also an.

Freitag, 10. April 2026

Yan Xun Ban Ya - Geräucherte Ente


Ich habe ja mehrere Kochkanäle auf YT, die ich immer wieder gerne sehe. Ich habe ja schon öfter Chinese Cooking Demystified (Steph und Chris) und Wang Gang als unverzichtbare Inspirationsquellen angegeben.. Ich mag auch Best Ever Food Review Show (Sonny ist der obercoolste Oberhammer), aber eben auch den Food Ranger (Trevor James). Letzterer ist auch oft in Sichuan unterwegs (er spricht auch gutes Mandarin) und hat natürlich viele Restaurants in der Region besucht und auch bewertet. Ein Gericht aus der Hauptstadt der Provinz, Chengdu, fiel mir besonders auf und das hat er vor rund zehn Jahren in zwei verschiedenen Lokalen gegessen. Seitdem schleiche ich darum herum, schaue mir die Videos immer wieder an, um Details zu entdecken, bin aber nie dazu gekommen, es zu selber nachzukochen. Bis heute. In dem einen der Berichte ist zumindest der Name des Restaurants erkennbar: 雷氏板鴨 (Léi shì bǎn yā) - "Leis flache Ente" (dazu später mehr) - und das ließ sich auf einer einschlägigen Reiseplattform mit Rating System leicht finden, zumindest, wenn man etwas Chinesisch versteht. Der Food Ranger nannte das Gericht salted duck, also "gesalzene Ente", aber das ist ein anderes Gericht, nämlich 盐水鸭 (Yán shuǐ yā) aus Nánjīng, Hauptstadt der Provinz Jiāngsū. Eine weitere Recherche ergab, das besagter Lei das Gericht eben, wie der Name seines Restaurants suggeriert, "Flache Ente" nennt. Da sie auch geräuchert wird, ist die Sache eindach. Es handelt sich hier um eine Variante von 煙燻板鴨(Yān xūn bǎn yā), der geräucherten flachen Ente. Case closed.

Mittwoch, 18. März 2026

Islekli - turkmenische Fleischpastete


Ich nehme euch jetzt einfach mal mit nach Zentralasien, genauer gesagt in die Karakum-Wüste, die sich mit rund 400.000 km² über fast ganz Turkmenistan erstreckt. Das heutige Gericht heißt Işlekli (Ishlekli) und gilt dort als Nationalspeise. Man spricht manchmal auch von turkmenischer Pizza. Die Turkmenen waren traditionell nomadische Viehzüchter und damit häufig unterwegs. Da muss man, was die Zubereitung von Lebensmitteln angeht, naturgemäß einfallsreich sein, denn man kann ja keine Backöfen oder dergleichen mit sich führen. Die Fleischpastete - die übersetzt so viel wie "Arbeiteressen" bedeutet - wird traditionell auf eine für uns kuriose Weise zubereitet. Was hat man in Wüsten gewöhnlich im Überfluss? Genau, Sand. Der speichert Wärme sehr gut. Deshalb vermischt man ihn mit Glut und gräbt die rohe Pastete darin ein. Nur ein kleiner Schornstein aus Teig ragt hervor und lässt den Dampf, der beim Garen entsteht, entweichen. Der Sand lässt sich dann tatsächlich rückstandslos vom knusprigen Teig entfernen und dem Genuss steht somit nichts mehr im Weg. Irgendwann probiere ich das sicher auch mal, hier habe ich mich aber mit dem Backofen begnügt. Das wird heutzutage in modernen Haushalten auch so gemacht. Wenn man jedoch einen Tonofen (Tandyr) hat, nutzt man natürlich den.

Dienstag, 10. März 2026

Dong Po Rou - rotgeschmorter Schweinebauch


Wie lecker wollt ihr es haben? Wie man vielleicht bemerkt hat, experimentiere ich gerade mit Schweinebauch. Das ist für irgendwie einer der leckersten, wenn nicht sogar der leckerste Zuschnitt vom Borstenvieh. Dabei braucht man keine Angst vor dem Fett haben, denn das ist bekanntermaßen ein Geschmacksträger und, wenn richtig zubereitet, schmilzt größtenteils raus und hält dabei das Fleisch zart und saftig. Der  klassischer Fall einer Win-Win-Situation  also. Heute versuche ich mich zum Dōng pō ròu (东坡肉), einem Gericht aus der Provinz Zhèjiāng ( 浙江省 ). Zugeschrieben wird es dem bedeutenden Dichter, Maler, Kalligrafen und Staatsmann Sū Shì (苏轼), der den Ehrentitel  Sū Dōng Pō (苏东坡), also „ vom Osthang“ trug und von 1037 bis 1101 zur Zeit der Sóng-Dynastie lebte. Wir reden hier also von einer Mahlzeit, die auf diese Weise schon vor über tausend Jahren zubereitet wurde. Und weil es so schön ist, wiederhole ich gerne noch mal ein berühmtes Gedicht unseres  zur Geburt seines Sohnes:

Montag, 9. März 2026

Gong Bao Niu Rou - Kung Pao Rindfleisch


Gōng Bǎo Jī Dīng oder "Kung Pao-Huhn" ist sicherlich eins der ikonischsten Gerichte Sichuans, wenn nicht sogar ganz Chinas. Es gehört außerdem zu den Rezepten, die seit Beginn meiner Kochleidenschaft Anfang der 1990er Jahre fest zu meinem Standardrepertoire gehören. Ursprünglich gewidmet wurde es Dīng Bǎozhēn (1820 - 1886), der während der Qing-Dynasty Gouverneur von Sichuan war und den Ehrentitel Gōng bǎo (Hüter des Palasts) trug. Das Gericht ist, so wie es ist eigentlich perfekt, aber manchmal möchte ich auch mal Abwechslung und hier kann der Wechsel des Proteins helfen. Ich habe Kung Pao schon mal mir Tofu gemacht und das war richtig lecker. Diesmal habe ich Rind genommen und das Ganze Gōng Bǎo Niú Ròu (宫保 牛肉), also "Kung Pao Rindfleisch" genannt. Hier das Rezept.

Sonntag, 15. Februar 2026

Mao Shi Hong Shao Rou - Des großen Vorsitzenden Maos rot geschmorter Schweinebauch


Wir hatten die chinesisch Kochtechnik des "Rot-Schmorens" ja schon neulich thematisiert. Heute kommt noch mal ein anderes, sehr populäres Gericht aus dieser Richtung: Máo shì hóng shāo ròu (毛氏红烧肉 ) oder rot geschmorter Schweinebauch, so wie ihn der "große Steuermann"  Máo Zédōng (毛泽东) liebend gerne gegessen hat. Aus westlicher Perspektive kritisch betrachtet war Mao kein guter Mensch, aber Geschmack was Essen anging, hatte er wohl. Das Gericht stammt aus seiner Heimatprovinz Hunan, deshalb sind auch Chili mit im Spiel. Interessanterweise kombiniert diese Gericht Schärfe mit Süße, was man in Hunan eigentlich gar nicht mag, aber jede Regel hat ihre Ausnahmen. Ich habe das Gericht ganz zu Anfang dieses Blogs im Februar 2014, also fast auf den Tag genau vor zwölf Jahren, schon mal veröffentlicht, da aber noch ohne Schritt-für-Schritt-Bilder und in der Ausführung auch nicht so gut wie heute. Man lernt halt über die Jahre dazu und ich hätte mir damals nicht erträumt, dass ich heute immer noch hier sitze und schreibe.

Donnerstag, 12. Februar 2026

Draculas Blutsauce - Sos de Visine


Nachdem ich Ende letzten Jahres eine Weltkarte meiner bisherigen internationalen Kochversuche gepostet hab, wies mich einer meiner eifrigsten Leser und Kommentierer darauf hin, dass ich noch nichts aus seinem Geburtsland Rumänien aufzuweisen hätte. Das wird jetzt nachgeholt. Aber da ich hier kein 0815-Programm bieten will und auch immer für gute Geschichten mit einem Twist zu haben bin, wird das hier jetzt vermutlich  etwas anders, als es sich der gute Peter vielleicht gedacht hat. Es wird heute schaurig blutig.  

Sonntag, 14. Dezember 2025

Chikan 65 - Chicken 65


Ich verbleibe noch ein bisschen - zumindest kulinarisch - auf dem indischen Subkontinment. Unser heutiges Gericht stammt aus der Stadt Chennai (ehemals Madras), der Hauptstadt des südlichsten Bundesstaat Tamil Nadu und präsentiere Chicken 65 (चिकन 65). Die Wurzeln des Gerichts mögen durchaus älter sein, aber die Form, in der es nicht nur in ganz Indien beliebt wurde, stammt vom indischen Hotelier und Küchenpioneer A. M. Buhari. Es ist damit eher Restaurant- als Heimküche. Um den Namen ranken sich mehrere Mythen, von denen keine aber wirklich bestätigt ist und Buhari kann sich dazu auch nicht mehr äußern, da er bereits 1996 verstorben ist. Wurde das Gericht 1965 erfunden? Brauchte man ursprünglich 65 Zutaten? Oder bezeichnet es die Zahl der Chilischoten für eine Portion? Muss das verwendete Huhn zum Zeitpunkt seines Ablebens 65 Tage alt sein? Oder brauchte man im Original ebenso viele Hähnchenteile? Vielleicht ist 65 auch nur die Anzahl der Erklärungsversuche für den Namen. Was auch immer, ich bin jedenfalls kürzlich auf diesen Klassiker gestoßen, als ich ein Video sah, in dem Fried Chicken aus aller Welt getestet und bewertet wurde. Chicken 65 landete knapp hinter Südkorea auf Platz 2. Das macht neugierig und da ich ja ohnedies auf einer immerwährenden Suche nach dem perfekten Hähnchenrezept bin, habe ich mich der Sache natürlich sofort angenommen.

Dienstag, 9. Dezember 2025

Langar Wali Dal - indischer Eintopf mit Linsen und Kichererbsen aus Punjab


Die Region Punjab ist gespalten. Der westliche Teil gehört zu Pakistan und wird dementsprechend von Muslimen bewohnt, der östliche Bereich bildet den gleichnamigen indischen Bundesstaat. Dort leben vorwiegend die Sikhs. Das ist eine Volksgruppe, die weder dem Islam noch den Lehren des Hinduismus folgt, sondern eine eigene, monotheistische Religion mit einem geschlechtslosen Gottwesen. Für diese recht friedliche Gruppe sind Gemeinschaft und Gleichheit untereinander wichtig, mit dem indischen Kastensystem können sie in der Regel nicht viel anfangen, auch wenn sie sich ihm nicht völlig entziehen können.Die Gotteshäuser der Sikhs nennt man Gurdwaras. Ihnen direkt angeschlossen sind die Langar, große Küchen mit Speiseplätzen, in denen man gemeinsam Mahlzeiten, die meist über freiwillige Spenden finanziert werden, zu sich nimmt. Langars sind also auch ein Zeichen für das Gemeinsamkeitsgefühl der Sikhs

Dienstag, 4. März 2025

White Castle Sliders


In meiner Mission euch hierzulande unbekannte Burger-Klassiker aus den USA zu präsentieren, bin ich heute in einem Schloss unterwegs - mehr oder weniger. Es geht nämlich um die Burgerkette White Castle, die 1921 gegründet heute ihren Sitz in Ohio hat und ihre Produkte hauptsächlich im Nordosten der Vereinigten Staaten (Ausnahme Nevada, Kentucky und Tennessee) verkauft und das in Restaurants, die im Design weißer Burgen daherkommen. Aber das ist nicht das einzig außergewöhnliche. Man hat sich hier nämlich auf Miniburger, auch Sliders oder Slyders genannt - dazu später mehr - spezialisiert. Die Pattys sind dazu noch quadratisch und werden nicht gegrillt, sondern auf einem Zwiebelbett gedämpft. "Und das soll schmecken?" fragen sich jetzt einige. Die Antwort: Ja,das tut es. Damit ihr euch auch davon überzeugen könnt, die Kosten für einen Transatlantikflug aber spart, zeige ich hier, wie man die kleinen Häppchen zu Hause nachbauen kann. 

Donnerstag, 6. Februar 2025

Chicken Adobo von den Philippinen


Adobo ist auch eins dieser Gerichte, die ich schon seit Ewigkeiten kochen wollte, aber aus unerfindlichen Gründen nie dazu gekommen bin. Jetzt, wo ich es endlich von der To-Do-Liste streichen kann, frage ich mich, wie so oft bei diesen Dingen, warum ich das nicht schon vorher in Angriff genommen habe. Dieser Klassiker von den Philippinen ist nämlich extrem lecker und ich glaube, dass man das auch allein durch das Anschauen des Bildes erkennen kann.

Freitag, 25. Oktober 2024

Chili Crisps in Öl


Hier habe ich mal eine für mich äußerst wichtige Zutat, die ich schon seit Ewigkeiten benutze, aber deren Rezept ich bis heute schuldig geblieben bin: Chili Crisps in Öl. Die sind dem roten Chiliöl aus Sichuan (Hóng Yóu) nicht unähnlich, aber doch ein wenig komplexer. Bekannt geworden ist diese würzig-scharfe Angelegenheit durch Táo Huábi (陶华碧) aus der Provinz Guìzhōu, wo man in der Regel noch schärfer isst, als im benachbarten Sichuan. Besagte Dame hatte dort einen Imbiss und besonders ihre Chilisauce fand regen Anklang. In der Tat verkaufte diese sich so gut, dass die clevere Táo sich auf deren Produktion fokussierte und dadurch in kurzer Zeit zur Millionärin wurde. Verkauft wird ihr Produkt unter dem Namen Lǎo Gàn Mā (老干妈), was so viel wie "Alte Patentante" bedeutet und gleichzeitig Táos Spitzname ist. Mittlerweile gibt es eine riesige Produktpalette von verschiedenen Chili Öl-Geschmäckern und einige sind auch hier in asiatischen Läden oder gut sortierten Supermärkten erhältlich. Wenn ihr diesem Rezept folgt, könnt ihr euch den Weg dorthin aber sparen und es in größeren Mengen zu Hause anfertigen. Ich gebe keine Garantie, aber eigentlich sollte das lange halten und muss eigentlich erst entsorgt werden, falls das Öl ranzig riechen sollte.

Samstag, 19. Oktober 2024

Yuncheng Dapan Ji


Die chinesische Küche ist ja neben Geschmack und Optik auch für ihre kreative Namensgebung bekannt. Sei es "Tofu nach Art der pockennarbigen alten Frau", "Ameisen auf dem Baum"  oder "Fischduft-Auberginen", wenn man nicht weiß, worum es sich hierbei handelt, kann man schon neusprachlich "lost" sein. Heute haben wir ein gegenteiliges Beispiel: Yùnchéng dàpán jī (运城大盘鸡). Das bedeutet übersetzt wenig spektakulär "Großer Teller mit Huhn aus Yùnchéng". Eigentlich ist Dapan Ji ein klassisches Gericht aus der nordwestlichen Provinz Xinjiang. Man hat vielleicht schon mal von den Uiguren gehört, einer dort ansässigen turkmenischen Ethnie muslimischen Glaubens, die Berichten zufolge von der hauptsächlich aus Han-Chinesen bestehenden Oberschicht auf recht rigorose Weise unterdrückt wird. Dapan Ji trägt auch ganz deutlich Züge der Han-Küche, insbesondere aus Sichuan. Es ist zu vermuten, dass Einwanderer von dort das Gericht in  den Nordwesten brachten. Interessanterweise taucht das Dapan Ji auch in der 2000 Kilometer entfernten Provinz Shanxi (nicht zu verwechseln mit dem benachbarten Shaanxi, wo unter anderem die Terracotta-Armmee zu finden ist) wieder auf. Auch hier leben viele Muslime, also könnte der Weg tatsächlich von Sichuan nach Xinjiang und von da aus nach Yùnchéng in Shanxi geführt haben. Sicher ist das zwar nicht, aber durchaus wahrscheinlich. Heute also der große Teller mit Huhn aus Yùnchéng.

Mittwoch, 31. Juli 2024

Toast Skagen


In den 50er Jahren des letzten Jahrtausends, als Kochen noch weitgehend als "häusliche Pflicht" und noch nicht als Hobby betrachtet wurde, kam es irgendwie länderübergreifend zeitgleich zu einer Art Wende. Vermutlich lag dies sehr stark an der flächenbrandartigen Verbreitung von TV-Geräten, denn dort wurden ja auch Kochshows gezeigt. Sei es Clemens Wilmenrod in Deutschland oder Julia Childs in den USA, das Rühren in Kochtöpfen wurde langsam zu etwas, das Freude bereiten konnte. Dabei war der Blick irgendwie immer nach Frankreich gerichtet und man versuchte lokale Hausmannskost und traditionelle Gerichte in einem schicken, für die damilge Zeit moderneren Gewand zu präsentieren. Während Childs und Wilmenrod aber nach wie vor eher die weibliche Bevölkerung als Zielgruppe ansprachen, hatte es sich der schwedische Spitzenkoch, erfolgreiche Restaurateur und letzlich auch Radio- und Fernsehmoderator Tore Wretman (1916 - 2003) schon früh zum Ziel gemacht, auch Männer für die Küche zu begeistern. Neben dem heute thematisierten "Toast Skagen" verdankt ihm die moderne schwedsche Küchen den Sprung ins 20ste Jahrhundert. Darüber sollten wir glücklich sein.

Dienstag, 19. Dezember 2023

Suppe mit Hackfleisch - Fu Ding Roupian


Nichts ist so alt, wie die Neuigkeiten vom Vortag oder :"Was stört mich mein Geschwätz von gestern?" Da töne ich noch laut rum, bis Weihnachten unter der Woche möglichst fleischlos essen zu wollen und heute komme ich mit einer Hackfleischsuppe. Nun, ich habe ja aber auch gesagt, dass ich daraus kein Dogma mache und als mir diese Suppe aus Fuding, einer Stadt in der südchinesischen Provinz Fujian jetzt gleich mehrmals sozusagen über den Weg lief, musste ich sie einfach probieren. Also gibt hier heute Fú dǐng ròupiàn (福鼎肉片) was übersetzt überraschenderweise nichts mit Suppe zu tun hat, sondern einfach nur "Fleischstücke aus Fuding" bedeutet. Und die sind hier auch der Hauptdarsteller.

Mittwoch, 21. September 2022

Deguo Chang Mangguo Chuan - Deutsche Mango-Wurstspieße


Wer kennt sie nicht, die typisch deutschen Mango-Wurstspieße? Kennt ihr nicht? Isst man bei euch denn so was etwa nicht? Na gut, bei uns auch nicht, also was soll das hier eigentlich? Nun, das ist einfach erklärt. Wenn wir Lust auf irgendetwas Fernöstliches haben, holen wir uns eine Portion gebratene Nudeln oder Hähnchen süß sauer. Das ist dann meist genau so "original", wie Toast Hawaii aus der Südsee stammt, schmeckt uns aber und vermittelt ein Gefühl der großen weiten Welt. Was aber bitteschön isst ein Chinese, wenn ihm nach westlichem Essen ist? Dieses Frage trieb mich um und ich bin auf die sogenannte Canto-Western Cuisine (oder: Soy Sauce Western) gestoßen, die ihren Anfang 1860 im kantonesischen Guangzhou nahm und sich dort (und in Hong Kong) immer noch großer Beliebtheit erfreut. Klassiker dieser Küche sind Steak mit Soja-Pfeffersauce, Schweizer Hähnchenflügel oder mit Käse überbackener Meerersfrüchtereis. Und unter all diesen seltsamen Gerichten stieß ich dann auf das seltsamste aller seltsamen Gerichte: Deutsche Mango-Wurstspieße. Eigentlich war es nur das flüchtige Bild einer Speisekarte bei meinem Lieblings YT-Channel ChineseCookingDemystified, aber man konnte einigermaßen erkennen, wie das gedacht war. Hier also Déguó Cháng Mángguǒ Chuàn (德国肠芒果串) oder Deutsche Mango-Wurstspieße.

Samstag, 17. September 2022

Mac & Cheese "Kensington Palace" (mit Huhn)


Das Thema Britisch Royals ist ja momentan wieder in aller Munde und plötzlich haben alle bisherigen Virologen ihre Umschulung zum Fußball-Bundestrainer abgebrochen und sind auf Adelsexperte umgestiegen. Ich habe da, von historischen Vorgängen einmal abgesehen, wenig Ahnung davon und muss auf vertrauenswürdige Quellen .. äh ... vertrauen. Da sich dieser Blog vornehmlich mit kulinarischen Dingen beschäftigt, fällt das nicht schwer, haben wir doch mit Darren McGrady (The Royal Chef) einen YouTuber, der nachweislich für die Britische Königsfamilie gekocht hat und das sowohl im Buckingham Palace, im Balmoral Castle und letztlich als Privatkoch für Princess Diana und die Prinzen William und Harry im Kensington Palace. Die beiden Jungs, damals noch Teenager, liebten seinen Angaben zufolge knuspriges Hähnchen mit Pommes oder Kartoffelbrei, am besten aber mit Mac & Cheese. Das Rezept für die Version, die McGrady den Jungs servierte hat er dankenswerter Weise mit der Welt geteilt. Für all jene, die keine Lust haben, Rezepte von Englisch auf Deutsch zu übersetzen, habe ich diesen Artikel verfasst.

Donnerstag, 2. Juni 2022

Black Pepper Beef - Rind mit Pfeffersauce

Auch wenn die Situation in Hongkong momentan alles andere als beruhigend ist, war die Stadt doch stets ein Schmelztiegel, offen für Einflüsse von überall. Zu Zeiten der Zugehörigkeit zur Britischen Krone galt die Insel als Zufluchtsort für viele Festlandchinesen aus allen möglichen Regionen. Deren Kulturen und  - für uns hier in erster Linie interessant - Küchen trafen dort auf europäische Einflüsse sowie auf andere, aus ganz Asien. Auch nach Übergang in die chinesische Staatshoheit im Jahre 1997 sorgte die "Ein Land, zwei Systeme-Politik" zunächst für Freiheiten, von denen man im Mutterland nur träumen durfte. Ob das auch in Zukunft so sein wird, ist ungewiss, aber eins ist sicher: kulinarisch hat Hongkong das Bild der chinesischen Küche im Westen nachhaltig geprägt. 

Samstag, 21. Mai 2022

Rumpsteak Strindberg


Es gibt klassische Gerichte, die zeitlos sind. Andere haben eindeutig ihre Epoche. Steak Diane ist so ein Beispiel. Das hat seine Zeit eindeutig in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und verschwand danach von den Speisekarten dieser Welt. So auch das Rumpsteak Strindberg. Das geht auf den deutschen Koch Alfred Walterspiel zurück, der in seiner Karriere international tätig war und eben auch in Skandinavien Station machte. Ob er da in der Namensgebung seines Gerichts durch den schwedischen Schriftsteller August Strindberg beeinflusst war, weiß der Geier und den frage ich heute nicht mehr, denn der hat auch mal irgendwann mal Feierabend - nicht wahr, Herr Petry?.