Donnerstag, 27. August 2026

A Tribute to Dolly Parton: Chicken and Dumplings - Hühnersuppe mit Teigkissen


Es gibt im amerikanischen Showgeschäft nicht viele, die gradlinig ihren Weg gehen, ohne sich, aus Angst, Nonkonformismus könne der Karriere schaden, zu verbiegen. Johnny Cash war so einer und auch Dolly Parton. Obwohl sich politisch nie einem Lager zugeordnet hat, trat sie doch immer gegen Ungerechtigkeit und für Humanität ein. Sie engagierte sich für Frauenrechte und unterstützte die LGBTQ+ bereits offen, bevor die meisten wussten, dass es so etwas gab - in der doch oft eher konservativen Countryszene eher eine Seltenheit. Dass sie nicht nur eine äußerst erfolgreiche Sängerin war, sondern auch hin und wieder schauspielerte, weiß man vielleicht. Einige mögen den Klassiker "Magnolien aus Stahl" (1989) gesehen haben. Aber dass sie auch Kochbücher veröffentlichte, ist vielleicht weniger bekannt. Unser heutiges Rezept stammt aus Dolly's Dixie Fixin's und zeigt genau ihre Wurzeln. Geboren in den Smoky Mountains von Tennessee, aufgewachsen in wirtschaftlicher Not in einer einräumigen Blockhütte ohne Elektrizität, fließend Wasserr oder Sanitäranlagen - dennoch beschrieb sie ihre Kindheit als glücklich und voller Liebe - waren sie, ihre Eltern und die elf Geschwister gezwungen, von dem zu leben, was man selber anbauen und produzieren konnte. Diese einfache, aber sättigende Hühnersuppe mit Teigkissen - Hühner lassen sich gut und billig züchten - isrt ein Paradebeispiel für die "arme Leute-Küche" dieser Region. Dolly hat ihre Herkunft nie verleugnet. Vorgestern ist die Stimme dieser einzigartiogen Ikone für immer verstummt.


Kümmern wir uns zunächst um die Suppe. Die ist denkbar einfach:
  • 1 Huhn I150 g)
  • 1 große Zwiebel
  • 1 Handvoll Sellerieblätter
  • 1/2 EL Salz
  • 1 TL Pfeffer (frisch gemahlen oder besser gemörsert
Dolly nimmt die Blätter des Staudenselleries. Wir haben habe aber Knollensellerie im Garten und die Sellerieblätter machen keinen Unterschied.

Das Rezept verlangt nach einem halben Teelöffel Salz. Das erschien mir homöopathisch.. Ich weiß nicht, ob ich das erwähnen muss, aber ich kaufe immer frische Hühner. Ich habe nie darüber nachgedacht, aber wenn ihr TK-Ware nehmt, den Vogel natürlich vorher auftauen lassen, diesen Plastikbeutel mit Innereien aus der Bauchhöhle entfernen und den Vogel innen und außen gut trockenreiben.

Die Zwiebel schälen und einfach halbieren.


Das Huhn in einen entsprechend großen Topf legen und mit zwei Litern Wasser bedecken. Mit einem halben Esslöffel Salz würzen.


Aufkochen lassen. Den aufsteigenden Schaum abschöpfen.


Zwiebel, Sellerieblätter und die Hälfte des Pfeffers dazugeben. Eine Stunde leicht blubbernd (nicht sprudelnd) köcheln.


Huhn herausnehmen und abkühlen lassen


Die Suppe durch ein feines Sieb gießen, die Flüssigkeit dabei natürlich auffangen. Warum sage ich das immer? Weil ich selber schon mal aus Schusseligkeit drei Liter Brühe in den Ausguss gekippt habe. Fragt nicht ...


Wenn das Huhn so weit abgekühlt ist, zeihen wir die Haut ab und pulen das Fleisch von den Knochen. Das können auch ruhig ordentliche Stücke (Hauptsache mundgerecht) sein. Wir wollen keine Fitzel.


Kommen wir nun zu den dumpling. Dafür brauchen wir:
  • 240 g Mehl
  • 3,5 EL Butterschmalz
  • 140 ml Milch
  • 1/2 TL Backpulver
  • 1/2 TL Salz
Das Rezept verlangt eigentlich nach herkömmlichen drei Esslöffeln Schmalz, aber die Gattin isst nicht so gerne Schwein, also habe ich stattdessen Butterschmalz genommen. Das enthält aber mehr Wasser als reines Fett, also habe ich die Menge erhöht. Dann muss man allerdings die ursprünglichen 180 Milliliter Milch reduzieren. Aber wie immer bei Teig muss man ihn fühlen und dann entscheiden, ob man mehr Flüssigkeit oder Milch braucht.


Mehl, Salz, Backpulver verkneten, dann Milch dazugegen. Weiter kneten, bis ein glatter Teig entsteht. Wie gesagt, wenn er klebt, mehr Mehl dazugeben. Wenn es zu bröselig ist, mehr Milch.


Zu einem Viereck von etwas eineinhalb Zentimeter Dicke ausrollen.


In  etwa 3 x 3 Zentimeter große Quadrate ausrollen. Da muss man nicht mit dem Lineal rangehen, die Suppe ist rustikal.


Brühe wieder erhitzen. Salzgehalt checken. Die Teigplatten vorsichtig hineingeben und zehn Minuten sanft köcheln lassen. Dann das Hühnerfleisch wieder hinzufügen.


Servieren und fertig. Ich habe noch etwas Frühlingszwiebelgrün für die Optik darübergegeben. Das Resultat: eine leckere Suppe, einfach zwar, aber sie ist die Essenz der Südstaatenküche. Gut, wenn man heute schaut, was ein gutes Freilandhuhn kostet, dann ist das sicher keine "arme Leute-Küche" mehr, aber ich lebe ja auch nicht auf dem Land und haben mein eigenes Vieh. Das ist wie mit Hummer und Austern, die eine Zeit auch als Essen für die Ärmsten, ja sogar als Schweinefutter galten.die Unterschicht galten, jetzt aber Delikatessen sind. Aber egal wie, die Suppe hat mich abgeholt. You'll be missed, Dolly.

Dolly Parton
19.01.1946 - 25.08.2026
____
Flashback:



Heute vor zwei Jahren: Gong Bao Dofu - Kung Pao Tofu

8 Kommentare:

  1. Dieser Post ist eine wunderbare Geste von dir.
    Ich bin zwar nur begrenzt contryaffin und ihre Stimme ist mir persönlich nen Tick zu hoch, aber das ist wurst.
    Mich hat sie ruckzuck gekriegt, als mir mal ihr Spruch " Es ist verdammt teuer so billig auszusehen" unterkam.
    Dann habe ich mich genauer mt ihr beschäftigt und kam aus dem Staunen nicht mehr raus. All diese Songtexte
    ( Mein favorit natürlich 9 to 5 ) - irre.
    Daß so jemand bei allem Erfolg so großzügig, sozial eingestellt, tolerant und dennoch selbstironisch ist, als eine
    Verkörperung des amerikanischen Traums gilt ist schon irgendwie schräg bzw. es irritiert ein wenig, wenn man sieht
    wie seltsame Blüten das heuztutage trägt..
    Aber wahrscheinlich ist so ein Leben ganau das, was sich die frühen Einwanderer bei ihrer Flucht aus Not und Zwang
    erhofft hatten.
    Wie auch immer; in den nachrufen habe ich erst jetzt von der Verfilmung von 9 to 5 ( Deutsch Warum eigentlich... bringen wir den Chef nicht um? )erfahren - kann man bei amazon im stream leihen...

    Dann gibt's bald dieses schöne Rezept ( Armeleuteküche ?? Schmarrn, das ist die hohe Kunst der Reduktion aufs
    Wesentliche, aberhallo ). Da die Dumlpings ja gar nicht gefüllt sind, mach ich mir die natürlich selber und dann gibt's
    ausnahmsweise mal wieder TV Dinner. jau, das wird doll... RIP.

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    1. Ich sage ja, so manches, was heute als nobel gilt, war früher verpönt, weil man es mit Armut assozierte. Der Legende nach haben sich einst die Mägde und Knechte hier in Hameln darüber beschwert, dass es so oft Lachs gab. Solche Geschichten gibt es in vielen Städten, die an Flüssen liegen.

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    2. An den amerikanischen Küsten wurde früher Hummer an die Viecher verffüttert und auf die Äcker geschmissen.
      Da galt damals als der letzte Schrott soviel gab's davon. Irre oder ?

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  2. Ich kenne den Namen Dolly Parton.
    Inbegriff der "billigen Blondine".
    Unfassbarer Vorbau - ist der echt?
    Nie erreicht von der deutschen TV-Dame,
    die aber schwarzhaarig.
    Aber das gleiche Image "billig".

    Nun, Deklarieren als "billig" ist ja oft eine Abwertung,
    die die Angst vor Perfektion mindern soll.
    Nun, in diesem Sinne - Dolly Parton,
    sei weiter billig und so witzig.

    Ich hab mir nur wegen ihrem Tod
    ein paar youtubes angesehen.
    Sie ist so gar nicht mein Genre.

    Auch im hohen Alter hat sie gesungen.
    Sie hat es geschafft, NICHT lächerlich auszusehen.
    Trotz aufgespritzten Lippen und Facelifting.
    (Eine 70igjährige kann nicht so volle Lippen haben).

    9-5 ist mir auch aufgefallen.
    Das war von ihr? okay.
    Ihre Stimme fand ich nicht zu hoch,
    vergleiche mal mit Suzie Quattro,
    DAS ist echt zuviel,
    aber es gehört zu ihrer Musik dazu.
    Dolly Parton repräsentiert
    eine besondere Art der Amis,
    die es heute auch noch gibt.
    Da reden die Frauen alle
    mit so gekünstelt hohen Stimmen.
    Anscheinend gilt das als mondän.
    Als Europäer finde ich es eher anstrengend,
    aber - ich bin auch Europäer.

    Ihr arme-Leute-Huhn mit Mehleinlage ist herrlich.
    Das gibt es wohl in jedem Land mit kleinen Abwandlungen.
    Ich mag es so wenig gewürzt nicht mehr,
    aber da ist wohl der Covid schuld.
    Ohne Chili geht sowas nicht mehr.

    Aber die Mehleinlage,
    das ist so klassisch,
    das habe ich seit Jahren nicht mehr gelesen.
    Ich kenn es meist noch mit einem Ei.
    Der Schwabe macht das dann durch die Späzlepresse ins Hühnerwasser.
    Ich als Nockerl in die Suppe, meist mit Löffel abgestochen.
    Als Teigplatte geschnitten, das probiere ich mal.

    In diesem Sinne - weiter mit Huhn und Dolly

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    1. Man muss DOllys Musik nicht mögen, um zu erkennen, dass sie ein großartiger und gradliniger Mensch war. Und der Look ist ja auch nur Image. Billig war sie sicher nicht. Mich hat die Suppe übrigens ein wenig an die jüdische Hühnersuppe mit Matze-Knödeln erinnert.

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  3. Eben, Lars, genau das.
    Dolly Parton hat offensichtlich das getan,
    das man von ihr erwartet,
    um ihre Musik durchziehen zu können.
    Diese erschlagende Optik
    der früher bildschönen Frau,
    ein klassischer Männertraum,
    die in Würde gealtert ist.
    Das kriegen viele der "Stars" nicht hin.

    Wie ich schon sagte,
    Klassifizierungen dienen meist der Selbstaufwertung.
    Mir ist das schlagartig klargeworden,
    als ich wegen ihrem Tod ein bisschen recherchiert habe.
    Da hat jemand es geschafft, seine Werte
    über die Jahre ganz unaufgeregt zu vertreten.
    Finde ich toll.

    Ich mag ihre Musik weiter nicht,
    auch wenn sie gut ist,
    es ist eben nicht meins.

    Aber als Frau ihrer Generation
    vielleicht auch mit ihrem Aufstieg
    aus einfachen Verhältnissen in Amerika
    da hat sie mehr geschafft als die meisten.

    Wobei ich anfügen möchte:
    11 Geschwister und eine einfache Hütte
    bedeutet nicht, dass die alle nicht denken konnten.
    Offensichtlich waren das warmherzige, kluge Menschen,
    die ihren Weg gegangen sind. Finde ich gut.
    Die ihre Meinung ausdrücken konnten,
    und auch vertreten haben.
    Das sollten wir alle öfters mal tun, finde ich.

    Jetzt hast Du der Hühnersuppe auch noch
    einen israelischen Anstrich gegeben.
    Aber Du hast recht, die Matzeknödel
    haben viel Ähnlichkeit zu den Mehldingern.
    Das ist lange her, dass ich das gegessen habe.
    Berlin vor 35 Jahren.

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    1. Ich sage ja, sie beschrieb ihre KIndheit selbst immer als "glücklich, mit viel LIebe und Gesang".

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    2. Absolut; Menschen die so aufwachsen dürfen sind doch gesegnet.
      Beispielsong: My coat of many colors - so liebliche melodei, so brutal der Text.
      https://www.youtube.com/watch?v=c1zJzr-kWsI
      Tip unbedingt diesen Film anschauen und mal auf die Hände achten _ alleine schon wie die das schafft mit den
      monströsen Fingernägel super zu spielen und wie sie bei der Zupfhand auf die Decke klappern wie beinharte
      Stilettos. Wow, ich meine- das ist ja praktisch nicht von diese Welt

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