Mittwoch, 20. Mai 2020

Lángos - ungarische Brotfladen


Seit mich die Familie Anfang März, als das noch möglich war, auf das "Mystica Hamelon", ein Volksfest in der Rattenfängerstadt, das Fantasy und Mittelalterkitsch gewidmet ist, geschleppt hat und wir dort auch etwas zu uns nahmen, liegen mir meine Damen mit dem innigen Wunsch in den Ohren, auch mal so ein Langos (sprich: langosch) zuzubereiten. Ich habe ja sonst für derartige Märkte nicht so viel über - Gründe können erfragt werden, ich werde sie gerne darlegen - aber wenn es darum geht, dem Blog etwas "Neues" hinzuzufügen, bin ich immer bereit. Das Brot an sich ist ja auch unschuldig und kann nichts für verwirrte Geister in voller Ritterüstung, bei denen eine Nickelbrille unter dem Visier hervorlugt. Lángos sind ein ungarischer Klassiker, der irgendwie den Weg auf die Jahr- und Weihnachtsmärkte dieses Landes gefunden haben. Nun sind sie auch auf meinem Blog angekommen und ich heiße sie freudig willkommen. Üdvözöljük!


Bevor wir mit den eigentlichen Fladen beginnen, machen wir uns an eine wichtige Zutat: Knoblauchöl oder Knoblauchwasser. Ich nehme ersteres und erhitze neutrales Öl auf ungefähr 80° C, gebe fein gehackten Knoblauch und eine Prise Salz hinzu und lasse das dann wieder abkühlen. Warum? Durch die Wärmezufuhr intensiviert sich der Knoblauchgeschmack und geht besser ins Öl über, die Stücke selbst verlieren aber auch etwas ihrer Bitterkeit. Bei Knoblauchwasser würde ich genauso vorgehen. Man kann aber natürlich auch einfach nur die Zutaten kalt vermengen und ziehen lassen.


Als weitere Zutat vermenge ich 200 Sauerrahm (Schmand, Crème Fraîche geht auch) mit zwei Esslöffeln guter Mayonnaise, etwas geriebenem Knoblauch und ein paar Spritzern Zitronensaft. Klassisch wäre nur Sauerrahm, aber auf dem Markt schmeckte die Crème ein wenig nach Aioli


Nun zum Teig. Wir arbeiten hier mit gut 62% Hydration, das heißt wir geben 62 Gramm Flüssigkeit auf 100 Gramm Mehl.

Folgende Mengen fahren hier Karussell:
  • 700 g Mehl
  • 270 ml Wasser
  • 200 ml Milch
  • 30 g Hefe
  • 10 g Salz
  • 10 g Zucker
Das kann gleich alles zusammen vermischt werden, einen Vorteig brauchen wir nicht. Man kann auch nach Belieben nur Wasser oder nur Milch nehmen.


Gut geknetet sieht das dann so aus.


Nach zwei Stunden Gehzeit abgedeckt an einem warmen Ort hat der Teig sein Volumen mehr als verdoppelt.


Ich habe den Teig dann in acht Portionen à 150 Gramm geteilt. Diese Kugeln werden dann nach und nach zu nicht zu dünnen Fladen ausgerollt. Eine leicht asymmetrische Form ist nicht nur optisch charmant, sondern auch gewollt.   


Die Fladen kommen dann nacheinander ins heiße Fett und werden schwimmend goldgelb ausgebacken. Vorsicht, das kann brodeln.


Da, wo sich der Fladen zunächst in der Mitte aufgebläht hat, gab es weniger Kontakt mit dem Öl und er ist an dieser Stelle blasser. macht nichts, man kann aber, wenn man möchte, mit einer Kelle etwas heißes Öl darübergießen, damit es etwas nachbräunt. Ist das Frittierbehältnis tief genug, könnte man das Ding auch noch einmal komplett unter die Oberfläche des Öls drücken.


Fladen herausnehmen, abtropfen lassen und mit Knoblauchöl oder - wasser einpinseln.

Es soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, dass man Lángos auch süß, zum Beispiel mit Marmelade, Kompott oder Nutella bestreichen kann. Dann würde ich jedoch aus wohl verständlichen Gründen auf eine Knoblauchlasur verzichten.


Dann etwas Sauerrahm darauf verteilen. Klassisch kommt dann noch eine Handvoll geraspelter Käse obendrauf. Die Damen wollten es aber so wie auf dem Markt einfach nur mit Rucola. 

Um die Sache abzukürzen, kann statt Würzöl und Sauerrahm auch gleich eine Knoblaucreme oder Aioli nehmen. 


Trotz der kurzen Gehzeit haben wir einen total, luftigen Rand und ein knusprige, jedoch keinesfalls keksartige Außenhülle. Das hat mich ein wenig an eine gefüllte und frittierte Pizza erinnert


Unser Fladen liegt jetzt hinten links. Daneben rechts - der Unterschied ist auf dem Bild kaum auszumachen - zusätzlich mit cremigem Feta. Vorne eine spontane Idee (keine Erfindung): Lángos mit Lachs und Flusskrebsen. Schinken oder Salami wären auch denkbar. Vielleicht alla Margherita mit Tomate, Mozzarella und Basilikum. Einfach mal ausprobieren. 

Morgen wandern wir dann ein kleines Stück weiter östlich. Also auf dem Blog. Nicht mit dem Bollerwagen. Mal schauen.
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