Sonntag, 8. März 2026

Lai jiao you bing qi lin - Eiscreme mit Chiliöl (Mala Ice Cream)


Hallo, mein Name ist Lars und ich mache seltsame Dinge mit Eis. Was sich wie ein verfrühter Aprilscherz anhört,. ist tatsächlich eine große Sache in Chóngqìng, der "schärfsten Stadt" in SìchuānLàjiāo yóu bīngqílín (辣椒油冰淇淋) oder "Eiscreme mit Chiliöl" - manchmal auch Mà là-Eiscreme genannt - ist dort ein wirklich populärer Snack. Das hörte sich selbst für mich völlig verrückt an, aber mir war sofort  klar: dass ich unbedingt probieren musste. Ich musste nur das richtige Eis finden. Im Original ist es Softeis, das bekomme ich hier aber nicht an jeder Ecke und bis ich zu Hause bin, ist es geschmolzen. Also habe ich eine fertige Eistüte aus der TK-Abteilung des örtlichen Supermarktes genommen. Geht alles, wenn man nur will.
  • 1 Eiswaffeltüte (Vanille)
  • 2 EL rotes Chiliöl
  • 1 TL Chiliflocken
  • 1/2 TL Sichuanpfeffer
  • Erdnüsse (Snackware)
Die Chiliflocken sollten eher mild sein. Türkisches Pul Biber oder koreanisches Gouchugaru sind perfekt.

Das Eis sollte möglichst cremig sein und wie Softeis aussehen. Ich habe unten die Spitze großzügig gekappt, damit die Sache in einer Schale Stand hat und die Waffelreste vorsichtig entfernt. Sichuanpfeffer  - ich habe hier den roten genommen - fein mahlen oder mörsen, nach Wunsch vorher trocken anrösten, bis er duftet. Erdnüsse grob hacken oder in einen Gefrierbeutel geben und mit dem Nudelholz darauf hauen.    


Chilöl, Chiliflocken, Sichuanpfeffer und Erdnusssplitter über das Eis geben, zurücktreten, die Kreation mit Ehrfurcht betrachten und sich selbst fragen: "Hast du eigentlichg noch alle Latten am Zaun?" Dann der erste, zaghafte und von Zweifeln begleitet Löffel und aus der anfänglichen Verwirrtheit ("Was schmecke ich hier gerade?") wird plötzlich die Gewissheit, dass das tatsächlich funktioniert. Ich meine, es gibt ja auch Schokolade mit Chili, aber das hier ist ... irgendwie stimmig. Die angenehme Kühle und Süße der Eiscreme harmoniert extrem gut mit der warmen Schärfe der Chili, dem Prickeln des Sichuanpfeffers und der Salzigkeit der Erdnüsse. Das Gehirn braucht zwar etwas, um diese gegensätzlichen Aromen unter ein Dach zu bekommen, aber spätestens nach dem zweiten Löffel will man eigentlich gar nicht mehr aufhören, das zu essen. Total schräg, ich weiß, aber irgendwie auch genial. Du kannst alt werden wie 'ne Kuh und lernst noch immer was dazu.
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Flashback:



Heute vor neun Jahren: Spaghetti mit Mangold und Tomaten



2 Kommentare:

  1. Tjaja, wer hat, der hat -
    und selbst wenn's nur ne Klatsche ist...

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    1. Klatsche hin, Jagdschein her - die Kombination ist wild, aber auf diabolische Art und Weise genial.

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