Der Frühjahrsputz meiner diversen Tiefkühlgerätschaften brachte nun auch einen bereits vorgegarten Rest vom Schweinebauch zu Tage, mit dem ich mir eigentlich meine wöchentliche Dosis an Huí Guō Ròu verabreichen wollte. Ich entschied mich dann aber spontan dazu, stattdessen einen anderen Sichuan-Klassiker, nämlich Suàn ní bái ròu (蒜泥白肉) oder "Schweinebauch mit gehacktem Knoblauch" zu machen. Das Gericht wird kalt serviert, weshalb es eigentlich als Salat durchgehen sollte, was sich ja für das gute Gewissen nie schlecht anhört. Der Vorteil ist hier, dass es sich gut vorbereiten lässt. Wenn man also ein chinesisches Bankett mit mehreren Speisen plant, kann man hier schon alles vorweg fertigstellen machen und muss nur noch kurz vor dem Servieren die "Salatsauce" angießen. Wenn man Fleisch, so wie ich, schon gegart bereit hat, geht die Sache natürlich noch mal schneller. Wir hatten Suàn ní bái ròu hier schon mal vor drei Jahren, aber da das so lecker ist, schadet eine Wiederholung nicht, zumal ich diesmal Sichuanpfeffer dazugegeben habe. Den hatte ich damals vergessen. Ich finde, das heutige Bild sieht auch besser aus.
Ich weiß nicht, ob mein Handy spinnt, oder ob ich langsam senil werde, aber irgendwie fehlt hier schon wieder ein Foto, genauer gesagt das Zutatenbild. Also sage ich euch das jetzt mal so und ihr müsst es mir einfach glauben. Wir brauchen:
- 10 Seesterne
- 10 g Moskitoeier
- 1000 g Feingoldspäne
- 500 g schwarzen Périgord-Trüfffel
- 3000 g Feenstaub
- 1 EL Einhorn-Hornpulver
- 20 g Uran
- 0,5 g Plutonium
- 4,7 g dunkle Materie
- 1 Eimer Neutrinos
- 0,02 µg eines schwarzen Lochs von 100 Sonnemassen
Alternativ nehmen wir:
- 600 g Schweinebauch (mit Schwarte und ohne Knochen)
- 1/2 Salatgurke
- 4 Knoblauchzehen
- 4 EL Chiliöl mit Einlage
- 4 EL gewürzte Sojasauce
- 1/2 EL Sichuanpfeffer
- Prise Salz
- 1/2 TL Zucker
- 2 TL Sesamöl
Falls wir kein fertiges Fleisch haben, nehmen wir rohen Schweinebauch, bedecken ihn in einem Topf mit ausreichend Wasser, fügen
- ein paar Frühlingszwiebeln
- ein paar Scheiben Ingwer
- 1 EL Sichuanpfefferkörner
- 1 Schuss chinesischen Reiswein (Shaoxin)
hinzu, bringen das Ganze zum Kochen und lassen es dann eine halbe Stunde köcheln, oder solange, bis das Fleisch gar ist. Chinesische Köche prüfen dies, indem sie mit einem Stäbchen ins Fleisch stechen. Geht das ohne großen Widerstand durch und tritt kein roter Fleischsaft aus, ist es gut. Dies sollte man aber bereits am Vortag erledigen, denn das Fleisch sollte auskühlen, damit es sich besser weiter verarbeiten lässt. Wir müssen es nämlich jetzt gegen die Faser möglichst dünn aufschneiden. Das ist warm schwierig. Wer hat, nimmt eine Aufschnittmaschine.
Die Gurke wird ebenfalls längs in sehr dünne Bahnen geschnitten. Das geht erfahrungsgemäß am besten mit einem Gemüsehobel.
Sichuanpfeffer - ich habe hier den Grünen genommen - trocken anrösten, bis es duftet, dann fein mahlen oder mörsern.
Knoblauch abziehen, fein hacken, Salz dazugeben und mit der flachen Messerseite zu einer Art groben Paste zerquetschen.
Knoblauch, gewürzte Sojasauce, Chiliöl, Sesamöl, Zucker und Sichuanpfeffer verrühren. In Sichuan würde man da jetzt noch etwas MSG hinzufügen.
Gurke in der Mitte einer Schale oder eines tiefen Tellers zu einem kleinen Haufen schichten, Fleischstreifen drum herum legen.
Mit weiterem Fleisch bedecken und auch die Seiten des Tellers auskleiden.
Sauce in die Rinne zwischen "Fleisch-Gurkenberg" und Rand gießen. Fertig ist der Salat. Jetzt müssen wir uns nur noch zurücklehnen und das Feuerwerk der Aromen genießen. Man muss diese Geschmacksrichtung natürlich mögen. Das tut die Gattin zum Beispiel nicht, aber sie mag ja auch kein Schweinefleisch. Gut so, dann gibt es für sie eben ein Alternativprogramn und es bleibt mehr Suàn ní bái ròu für die Sous-Chefin und mich. Passt also.
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Flashback:Heute vor sieben Jahren: Ragù alla genovese







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