Donnerstag, 19. März 2026

Beshbarmak - geschmortes Fleisch mit Nudeln aus Kasachstan und Kirgisistan


Auf unserer kulinarischen Weltreise verbleiben wir noch einen Moment in Zentralasien und beschäftigen uns mit einem wortwörtlich "handfesten" Gericht: Beschbarmak oder Besbarmaq (бешбармак). Das bedeutet auf Deutsch so viel wie "fünf Finger", weil es, wie es sich für ein waschechtes Nomadengericht gehört, mit der Hand gegessen wird. Das ist ja auch nicht weiter verwunderlich, denn wenn man in der Wüste herumjockelt, ist ein mehrteiliger Besteckkasten mit Fischmesser, Marmeladenlöffel und Hummerzange eher hinderlicher Ballast. Besonders beliebt ist das Gericht in Kasachstan und Kirgisistan, womit wir zwei weitere weiße Flecken von unserer Karte verschwinden lassen können  Mit Asien bin ich also bald durch. Ich werde natürlich China weiterhin treu bleiben, mich aber dann an Afrika abarbeiten.


Traditionell wird Beshmarbak mit Pferde- oder Hammelfleisch gemacht. Bei aller Liebe zur Authentizität, aber ich koche auch für die Familie und da gibt es Sachen, mit denen ich keinem zu kommen brauche. Deshalb habe ich Rindfleisch genommen, was auch gängig ist.
  • 1,2 kg Rind (hier Beinscheibe)
  • 3 Zwiebeln
  • 4  Lorbeerblätter
  • 1 EL schwarze Pfefferkörner
  • 1 EL Salz
Zum Garnieren:
  • 1 Bund Petersilie
Wir erinnern uns: Wasser fließt immer von der niedrigeren Salzkonzentration zur höheren (Osmose). Kochen wir Fleisch in ungesalzenem Wasser, saugt es sich auf Grund seines natürlichen Salzgehalts voll, die Zellen platzen auf und die Inhaltsstoffe werden ausgespült (Diffusion). Das sorgt für eine kräftige Brühe, aber es laugt das Fleisch aus. Kochen wir es in leicht gesalzenem, entzieht dies den Zellen Flüssigkeit und der Geschmack des Fleisches intensiviert sich.geht es also nur um die Brühe, salzen wir nicht. Wollen wir aber auch das Fleisch essen, darf etwas Salz nicht fehlen. Ende der Naturwissenschaftsstunde.


Die oben genannten Zutaten in einen Topf geben - Zwiebeln bleiben ganz und ungeschält - und mit ordentlich Wasser bedecken. Aufkochen lassen und drei Stunden schmoren oder bis das Fleisch zart ist. Dabei schöpfen wir immer wieder aufsteigenden Schaum ab und gießen im Bedarfsfall heißes Wasser nach. Diesen Schritt erledige ich schon am Tag davor.



Über Nacht, am besten im Kühlschrank auskühlen lassen . Jetzt kann man nämlich die fest gewordene Fettschicht problemlos abheben. Aber nicht wegwerfen, die brauchen wir noch.


Fleisch gegen die Faser in dünne Scheiben schneiden. 


Brühe noch einmal erhitzen, dann durch ein feines Sieb abgießen. Die Flüssigkeit dabei natürlich auffangen, um die geht es ja. Ich sage das, weil ich in der Hektik des Geschehens schon mal eine Suppe in den Ausguss gekippt habe, weil ich schlicht und einfach vergessen hatte, einen Topf unter das Sieb zu stellen. Ach ja, wir sollten hier auch noch mal den Salzgehalt überprüfen und gegebenenfalls nachwürzen.


Kommen wir nun zu den Nudeln. Man kann natürlich fertige Lasagneplatten nehmen, aber da könnte jeder kommen. Wir machen  die natürlich selbst. Wie ich immer sage: "Man sollte immer einmal den kompletten Weg gegangen sein, bevor man Abkürzungen nimmt."
  • 400 g Mehl
  • 2 Eier
  • 100 ml von de Fleischbrühe (abgekühlt, aber flüssig)
  • 1/2 TL Prise Salz
Ich empfehle, doppelgriffiges Mehl oder welches für Spätzle zu verwenden. Die Nudeln haben dann ein schönere Konsistenz und der Teig klebt nicht an Arbeitsfläche und Gerät.



Alles gut verkneten, in Folie wickeln und eine Stunde ruhen lassen.


Teig dann in vierteln und zu langen, dünnen Bahnen ausrollen. Hier kommt endlich mal der schon Jahren gekaufte Nudelaufsatz für meine Küchenmaschine zum Einsatz. Ich habe auf Stufe 1 von 9 begonnen und den letzten Durchgang auf Stufe 6 gemacht.


Teig dann in zehn mal zehn Zentimeter große Quadrate schneiden, ordentlich bemehlen und zur erst einmal zur Seite stellen. 


Zwiebeln pellen und in feine Streifen schneiden.


Die werden nämlich jetzt im aufbewahrten Rinderfett angebraten.


Die Brühe aufkochen lassen und zunächst das Fleisch wieder erhitzen. Herausnehmen und warmhalten Ich habe hierbei den Markknochen noch mal mit dazu gegeben, um noch mehr Geschmack herauszuholen. Dann die Nudeln portionsweise garen. Das geht schnell. Weil die so dünn sind brauchen die nicht mal eine Minute.


Jetzt geht es ans Anrichten. Wir hacken die Petersilie und kleiden den Boden einer großen flachen Schale oder ähnlichem mit den Nudeln aus. Dann geben wir das Fleisch darüber, gießen etwas von der Brühe, verteilen die Zwiebeln darauf und bestreuen das Ganze dann mit gehackter der Petersilie.


Dazu servieren wir auch noch unsere Baursaki, allerdings ohne Puderzucker.


Da das Gericht, wie gesagt, mit den Händen gegessen wird und man so die Brühe eher schlecht zu sich nehmen kann, wenn man keinen Strohhalm mitsichführt, nutzt man gerne die Baursaki zum Aufdippen. Gut das war jetzt eine Menge Arbeit für gekochtes Fleisch mit Nudeln, aber hat es sich auch gelohnt? Die Würzung ist ähnlich spartanisch, wie bei unseren Işlekli neulich. Aber das extrem zarte (aber nicht matschige) Fleisch, die feinen Nudeln und vor allem die kräftige Brühe reißen da alles raus.Für mich ein tolles Gericht auch ohne Pferdewurst und Hammelbrust. Und es kann ein durchaus geselliges Erlebnis sein, wenn man nichts dagegen hat, gemeinsam aus einer Schüssel zu essen. Es ist auch kein Weltuntergang, wenn man hier zu Gabel und Löffel greift. Ein noch zu erwähnender positiver Nebeneffekt: ich habe jetzt richtig Lust, mal wieder vermehrt Nudeln selbst zu machen.
____
Flashback:



Heute vor drei Jahren: Zitronengras-Huhn

21 Kommentare:

  1. Meine kirgisische Studienkollegin
    hat mir mal das typische Gericht ihrer Heimat aufgeschrieben.
    Ich geh das mal suchen. Das ist 40 Jahre her.
    Das Gericht heisst Plov, ist eine Art Gulasch,
    wenn ich mich recht erinnere.
    Im Netz ist es eher eine Art Pilaw.
    Ich suche das Rezept.
    Versprochen.

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    1. Plov ist ein Reisgericht. Es ist die zentralasiastisch Version von Pilaf, Pilau, Palau, Polo und so weiter. Ich habe irgendwo auch ein Rezept dafür im Blog.

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  2. Dieses unaussprechliche Gericht,
    Beshbarmak, mache ich mal.
    Übrigens mit der gleichen Küchenmaschine,
    den gleichen Zubehörteilen, kicher...
    Irgendwie ist mein Plov nicht so verschieden
    zu deinem Beshbarmak, wenn ich nicht recht erinnere.

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    1. Na ja, Plov ist mit Reis und Beshbarmak mit Nudeln. Außerdem kommt in Plov eine ganze Knolle Knoblauch.

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  3. Hab rasch gegoogelt.
    Plov: Ein festliches Grundnahrungsmittel der kirgisischen Küche
    Plov ist ein beliebtes Reisgericht, (..). (..)
    Zutaten und Zubereitung: (..) Langkornreis, Lamm,
    Rindfleisch oder manchmal Huhn und einer Mischung aus Karotten,
    Zwiebeln und aromatischen Gewürzen wie
    Kreuzkümmel, Knoblauch und Pfeffer zubereitet.
    (..) großen, tiefen Topf, dem sogenannten Kazan, gegart, (..)
    auch getrocknete Früchte, Nüsse oder sogar Wachteleier
    hinzugefügt werden, um zusätzliche Textur und Süße zu verleihen.
    (..) Es ist häufig das Hauptgericht bei Hochzeiten,
    Feiertagen und großen Zusammenkünften und
    spiegelt die Bedeutung des Teilens von Nahrung
    und der Förderung von Gemeinschaftsbindungen wider. (..)

    Dieser Ausriss aus einem öffentlichen Artikel
    gibt meine Erinnerung am ehesten wieder.
    Versprochen. Ich suche.

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    1. Plov ist auch das usbekische Nationalgericht.

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    2. Der Kirgisisch-russlanddeutsche Hausmeister an meiner Schule in Pforzheim hat mir das Rezept mal ziemlich
      genau so diktiert, weil ich diese speziellen Nudeln mal in nem Russenmarkt entdeckt hatte und total gerne
      mochte. Hinten auf der Verpackung stand alles in Kyrillisch , aber da schien auch ein Rezept zu sein und
      so habe ich ihm die leere Tüte mal gezeigt.
      Klaro wußter er was das ist - quasi Kirgisisches Nationalgericht.
      Er hatte einige Details anders ; das originale Rezept fand er zu fad..
      Fleisch am besten Rinderbrust oder Tafelspitz, Noch Pastinake oder Sellerie an die Brühe, Zwiebeln anrösten.
      Für den Belag frische Zwiebelringe mit der heißen Brühe ( später noch mehr eingekocht zum servieren )
      übergießen und wie das Fleisch über nacht in den Kühlschrank ( war sehr würzig und noch leicht knackig..)
      viiel frischer Pfeffer obendrauf, und manchmal legt er die feinen Fleischscheiben noch ganz kurz auf ne
      knallheiße Plancha; aber nur kurz für ein wenig "Knusper"
      Ansonsten alles genauso wie hier beschrieben.
      Ich habe das dann mal so gemacht und fand es total lecker.
      Leider sind diese Kirgisischen Nudeln vom Markt verschwunden - mir haben die von der Form, vom Geschmack und vom Mudgefühl hervorragend gefallen.

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    3. Da hilft nur eins: Nudeln selber machen.

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    4. Wieso habe ich denn sofort befürchtet, dass du das jetzt antworten wirst? 🥺
      Ich patsche echt mit meinen Händen in jeden Dreck wenn's sein muss, aber so nen klebrigen Nudelteig
      mag ich gar nicht an den Pranken haben ( keine Ahnung wieso.)
      Ich hab's ja auch schon als mal probiert und es ging schon irgendwie, aber ehrlichgesagt fand ich die
      selbergemachten gar nicht soo viel doller als gute italienische. Irgendwie zu weich.
      Mag sein, das ist Übungssache, aber - hab keine Ahnung woran es liegt....

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    5. Nimm doopelgriffiges Mehl, Spätzlemehl oder Semolina. Das klebt und schmiert nicht so.

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    6. Ja, Hartweizensemola ist echt viel besser zu handeln, das stimmt , aber die große Freude kommt bei mir
      halt nun mal nicht recht auf. Backen ist auch nicht wirklich meins.
      Ich glaube, ich mag einfach nicht so gerne Weizenmehl. Auch für mich bitte nix Bechamel und Konsorten...

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    7. Wenn es ums Teigkneten geht, ist nichts schlimmer als Roggenmehl. Das klebt wie Fugenmasse und mit den Händen hast du da keine Chance.

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    8. Oh, ja ....mit Fugensilicon stehe ich komischerweise auch auf Kriegsfuß.
      Brrrrbappbappfluchfluchkotzkotz..........

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    9. Es gibt Dinge, die möchte man einfach nicht.

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  4. tja, Peter, kicher..
    Dann kriegst noch einen ungebetenen Ratschlag:
    Die Nudelmaschinen vereinfachen es noch mehr.
    Zutaten oben rein, Nudeln unten auffangen.
    Es funktioniert fast alles.
    Hinterher empfehle ich die Reinigung unter der Dusche...
    Jede Küche sieht sonst aus wie Sau...

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  5. HAI , du PastawasserFisch ( Sorry; nix für ungut, aber bei spontanWortspielen bin ich machtlos > muss raus...
    und wenn's noch so dämlich ist)
    Meinst du jetzt so diese meist klapperigen TeigQuetschen oder die rundum Voll-depp-automaten?
    Du als bekennender Verweigererer von bockhässlichen Krups- Multigedöns-Raumschiffen wirst sicher verstehen, dass ich bei beidem dankend ablechne; noch nicht mal geschenkt, Aber trotzdem herzlichen Dank für den Hinweis...
    Erstens ist mein Platz nur begrenzt und zweitens spielen hier gerade Pasta nur eine geringe Rolle.
    Dafür viel Reis ( hab hier in Blog noch vieles anzuarbeiten) und auch gerne Bulgur, Polenta, Hülsenfrüchte usw.
    Das schmeckt mir gut und ich habe das Empfinden, dass sowas sowohl für den Leib als auch die Seele sehr
    schmackhaft und bekömmlich ist.



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    1. Ich bin ja auch Leisriebhaber ... Reisliebhaber, aber eine gute Pasta zwischendurch ist nie verkehrt.

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  6. Der Pastawasser-Hai ist höchstens fischig, kicher...
    Und fängt jetzt Reiskörner zum Schutz der Nudeln..

    Also, ich hab einige Nudelmacher durchprobiert.
    Die Vollautomaten (alle zurückgeschickt)
    Die Handmaschinen (alle verschenkt)
    Und das Zubehör zur Küchenmaschine
    (das hab ich noch - handlich, klein und funktioniert).
    Aber es ist jedesmal eine Sauerei.
    Ich mach ja glutenfreie Nudeln.
    Die gekauften glutenfreien
    sind vergoldet und schmecken furchtbar.
    Meine eigenen sind eine Leckerei,
    und leider eine Sauerei.
    In der Folge gibts eher Reis als Pasta.
    Ausser auf der Skihütte...

    Das Rezept Plov habe ich noch nicht wiedergefunden.
    Nach 40 Jahren, ich hoffe, ich finde es noch.

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  7. Unfassbar, ich habe es gefunden.
    Das Rezept für Plov.

    Meine Angaben sind sehr dürftig.
    Und es ist tatsächlich eine Art Reisfleisch.
    In der Erinnerung war der Reis irgendwie weg..

    Also das Rezept:
    Fleisch (Lamm, Rind), Menge beliebig, wohl zwischen 500g und 1kg
    500g Reis (Sorte egal, vermutlich regional)
    etwa 2 grosse Zwiebeln
    mehrere Karotten
    2 Knoblauch
    100ml Öl
    Salz

    Alles nacheinander etwas anbraten im Öl.
    Es sollte etwas mehr als angeschwitzt, also hellbraun, werden.
    Den Reis zuletzt mit anbraten.
    Mit ausreichend Wasser für den Reis angiessen.
    Dann am besten unter Druck kochen,
    bis das Wasser im Reis verschwunden ist.

    Je nach Erfahrung mit solchen Gerichten:
    Ohne Druck entweder nach Gefühl kochen,
    oder mindestens eine Stunde kochen / ziehen lassen.
    Sonst wird das Fleisch nicht zart genug.

    Im Druckkochtopf geht es etwas schneller.

    Die Studienkollegin empfahl dazu Tomaten- / Gurkensalat.

    Irgendwie versteh ich jetzt wieder,
    warum ich das nur 1x nachgekocht habe.
    Es schmeckt einfach nicht wirklich exotisch.
    Schon lecker, Reisfleisch mit Zwiebel und Karotte.
    Aber irgendwie - na ja.

    Ich hätte die Kollegin lieber
    mit eine Art Maos Pagode
    in Erinnerung behalten.

    Das kann das Gericht nicht,
    es ist ein einfaches Hirtengericht
    aus einer kargen Umgebung.
    Kein Pfeffer, kein Chili.
    Fett, Fleisch, Reis.
    Und ein bisschen Gemüse zum Würzen.

    Da erinnere ich mich lieber an den indonesischen Studienkollegen,
    der mir das fantastische indonesische Huhn hinterlassen hat.
    Das koche ich heute noch gern, es ist ausreichend "exotisch",
    und verdammt lecker. Auch mit Reis, was sonst.

    Der Haifisch

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