Ich habe drei Tiefkühlschränke und alle sind randvoll. Da hilft nur eins: irgendetwas auftauen und verwenden. Ich bin ja lernfähig und beschrifte mittlerweile alles, da ich es leid bin, ständig Tiefkühl-Bingo spielen zu müssen. Was mir heute beim Öffnen zufälliger Gefrierschubladen sofort ins Auge fiel - und da tut vielleicht weh! - war ein Beutel mit 500 Gramm Ragù alla Bolognese, gekocht nach dem traditionellen Rezept der Accedemia Italiana della Cucina. Ich überlegte hin und her und entschied mich dann damit eine Blechpizza zu machen. Nicht ganz unabwegig. Aber dazu muss ich ein wenig ausholen. Als Kind mochte ich weder Käse (zu dem habe ich immer noch ein gespaltenes Verhältnis habe, ich und mag ihn eigentlich nur warm, mit Ausnahme von Parmesan, Mozzarella, Manchego oder Feta) noch Tomaten. Ich war 18 Jahre alt, als ich mich überwinden konnte und meine erste Pizza probierte. Das war nach ein paar Bier und einem gewaltigen Hüngerchen und natürlich aus Mangel an Alternativen. Ich meine, es war eine klassiche Margherita, aber ich weiß genau, dass ich positiv überrascht war. Dann habe ich aus Neugier eine Fertigpizza - damals war ich noch etwa zwei Jahre vor meiner kulinarischen Erweckung - probiert und das war eine mit Brokkoli und Bolognese. Klingt komisch, ist aber so.
Wir brauchen für ein Blech:
- 800 g fertigen Pizzateig (siehe unten)
- 400 g Ragù alla Bolognese (siehe oben)
- 1 Kugel Mozzarella
- 200 g Parmesan (fein gerieben)
Hier habe ich Pizzateig. Für meine neapolitanische Pizza aus dem 400 °C Ofen mache ich den klassisch aus
- 1000 g Mehl
- 3 g Hefe
- 25 g Salz
- 700 g Wasser
Am besten nimmt italienisches Pitzzamehl (Tipo 0 oder 00) oder 550er. Wichtig ist ein hoher Eiweißgehalt von 13% oder mehr. Je höher der ist, desto mehr Wasser kann das Mehl aufnehmen und um so luftiger wird der Teig. Verkneten, eine Stunde bei Zimmertemperatur gehen lassen und dann 24 - 48 Stunden (je länger desto besser) im Kühlschrank ruhen lassen. Teig dann zwei Stunden auf Raumtemperatur bringen, zu Portionskugeln formen und eine weitere Stunde gehen lassen. Der Teig ist beim Ruhen natürlich immer abgedeckt.
Für Blechpizza, besonders, wen ich sie spontan machen und keinen gereiften Teig im Kühlschrank habe, nehme ich
- 400 g Mehl
- 20 g Hefe
- 10 Salz
- 1/2 TL Zucker
- 280 g lauwarnes Wasser
- 2 EL Olivenöl
Verkneten und nach einer halben Stunde Gehzeit an einem warmen Ort ist er dann schon doppelt so groß und kann verarbeitet werden.
Dünn ausrollen und auf ein leicht bemehltes Backblech legen.
Aufgetaute Bolognese auf dem Teig verteilen.
Mozzarella darüber rupfen.
Nun kommt Parmesan.

Ab in den aufgeheizten Ofen. Ober- und Unterhitze oder Pizzastufe, wenn euer Gerät so etwas hat, Temperatur auf 250 °C und nach 15 Minuten sollten wir durch sein.
Das ist lecker, aber auch richtig gehaltvoll. Diätküche geht anders, aber es schmeckt halt. Kann man nichts gegen machen. Und wenn jetzt wieder einer schreit "In Italien würde das keiner essen", nun, ich hatte einen Studienkollegen, der aus Sizilien kam und "Pizza Spaghetti Bolognese" liebte. Und jetzt kommt ihr.
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Flashback:Heute vor vier Jahren:Grillsaison 2022









Immerhin ein Ragu, das den Namen auch verdient. Und das in dem Land, wo Schinken-Sahne-Soße (die auch ihre Berechtigung haben kann, aber eben als Schinken-Sahne-Soße) als Carbonara verkauft wird. Naja, und Bolognesesoße, die eigentlich eine Tomaten-Hackfleisch-Soße ist. Aber die edlen Namen klingen eben besser. ;-)
AntwortenLöschenDass mit dem "Das würde in XYZ keiner essen" kenne ich auch, nur in einem anderen Blickwinkel. Ich habe jetzt schon von einigen ach so typischen Mecklenburger Gerichten gehört bzw. gelesen, die ich, der ich auch schon einige Jahrzehnte durch diese schöne Gegend läuft, noch nie irgendwo gesehen, geschweige denn gegessen habe.
Irgendwann war jede alte Tradition mal eine neue Sache.
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