Sonntag, 15. Februar 2026

Mao Shi Hong Shao Rou - Des großen Vorsitzenden Maos rot geschmorter Schweinebauch


Wir hatten die chinesisch Kochtechnik des "Rot-Schmorens" ja schon neulich thematisiert. Heute kommt noch mal ein anderes, sehr populäres Gericht aus dieser Richtung: Máo shì hóng shāo ròu (毛氏红烧肉 ) oder rot geschmorter Schweinebauch, so wie ihn der "große Steuermann"  Máo Zédōng (毛泽东) liebend gerne gegessen hat. Aus westlicher Perspektive kritisch betrachtet war Mao kein guter Mensch, aber Geschmack was Essen anging, hatte er wohl. Das Gericht stammt aus seiner Heimatprovinz Hunan, deshalb sind auch Chili mit im Spiel. Interessanterweise kombiniert diese Gericht Schärfe mit Süße, was man in Hunan eigentlich gar nicht mag, aber jede Regel hat ihre Ausnahmen. Ich habe das Gericht ganz zu Anfang dieses Blogs im Februar 2014, also fast auf den Tag genau vor zwölf Jahren, schon mal veröffentlicht, da aber noch ohne Schritt-für-Schritt-Bilder und in der Ausführung auch nicht so gut wie heute. Man lernt halt über die Jahre dazu und ich hätte mir damals nicht erträumt, dass ich heute immer noch hier sitze und schreibe.
 

Ich habe hier:
  • 500 Gramm Schweinebauch
  • 1 Stück Zimt
  • 3 Frühlingszwiebeln
  • 3 Lorbeerblätter
  • 2 Sternanis
  • 3 getrocknete rote Chili
  • 6 Scheiben Ingwer
  • 40 g weißen Kandis
  • 1 EL helle chinesische Sojasauce
  • 2 EL dunkle chinesische Sojasauce
  • 1 EL chinesischer Reiswein (Shaoxing)
  • Zucker
  • Salz
Man kann statt Kandis natürlich auch normalen Zucker nehmen.

Frühlingszwiebeln in Ringe schneiden, die weißen und grünen Teile dabei trennen. Die Aromaten (Zimt, Sternanis, Lorbeer) steck ich in ein Teesieb, damit ich später besser herausfischen kann. 


Schweinebauch drei bis vier Zentimeter große Würfel schneiden und mit dem Ingwer in einen Wok geben. Mit kaltem Wasser bedecken und langsam aufkochen lassen. Eine Minute sprudend kochen und durch ein Sieb abgießen. Das "reinigt" das Fleisch und sorgt dafür, das nachher beim Schmoren kein Eiweißschaum entsteht.  


Vier Esslöffel Wasser in de Wok geben und Kandis hinzufügen. 


Während der Zucker schmilzt, verkocht das Wasser. Man kann das gut an den großen Blasen erkennen.


Das Wasser ist nun verkocht, die Blasen sind kleiner und der Zucker hat eine schöne rot-braune Farbe. So möchten wir das. Die Methode ist idiotensicher, man muss nur darauf achten, das es nicht zu dunkel wird, weil dann Bitterstoffe entstehen. Man kann das Karamell auch in größeren Mengen auf Vorrat herstellen und in einem Schraubglas aufbewahren.


Nun geben wir die Fleischwürfel mit dem Ingwer ins Karamell und rühren, bis alle Stücke schön ummantelt sind. 



Mit dem Reiswein ablöschen. Weiße Frühlingszwiebelteile, die Chili und das Säckchen mit den Aromaten hinzufügen.
 

Soviel Wasser angießen, das alles bedeckt ist. Sojasaucen ebenfalls hinzufügen


Etwa eine Stunde köcheln lassen.


Wenn das Fleisch zart ist, die Aromaten und den Ingwer entfernen. Vollgas geben und die Sauce schön einkochen lassen. Mit Salz und gegebenenfalls Zucker abschmecken und die grünen Frühlingszwiebelteile einstreuen.


Zu Reis servieren. Wir haben nun zartes Fleisch mit süßlich-pikantem Geschmack und leichter Schärfe. Auch wenn es Schweinebauch ist, ist es nicht wirklich fettig, weil es lange genug gegart wurde. Für mich das perfekte Essen an einem kalten Winter-Wochenendabend.
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Flashback:



Heute vor fünf Jahren: Beef Hotpot

14 Kommentare:

  1. Das sieht gut aus und ich werde mich daran wagen.
    Beim Karamellisieren produziere ich immer ein Bernsteinzimmer, also einen riesigen Klumpen. Das dürfte nun klappen.
    Fast alle Gewürze sind da, außer Sternanis.

    Danke. Mao. Ist es zu fassen? ;-)

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  2. Tja, der Haifisch hat eingefrorenen Bauch entdeckt.
    Der muss weg, also wird rasch umdisponiert.
    Statt Huhn gibt es jetzt Mao karamellisiert.

    Was für ein leckeres Essen.
    Das kommt in meine Rezeptbox.
    Ein wunderbares Homeoffice-Rezept.

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    1. Auf jeden Fall. Das ist ein Klassiker, den man probiert haben muss.

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  3. Das gibt es jetzt öfters.
    Mit jedem Fleisch, das ich in die Flossen kriege...

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  4. Bauchspeck kommt in den Eintopf oder wenn der Gatte Carbonara zubereitet. Bauchspeck kann aber auch um seiner selbst willen geadelt werden, wie dieses Rezept zeigt.

    Das Fleisch zerging auf der Zunge, die Komposition der Gewürze ist vollkommen ausgewogen. Sternmais mochte ich nie, störte mich hier aber nicht, im Gegenteil.

    Vor zwei Tagen deckte ich mich in einem Chinesischen Supermarkt ein, bekam freundliche Unterstützung. Dort gehe ich seit 30 Jahren hin, nun aber hatte ich ernstere Anliegen, die Damen lachten. Sie sagten zu mir: Üben, üben, üben. Ich mag das und war gut gelaunt.
    Helle Sojasoßen sind dunkel, erfuhr ich, gut, darüber habe ich später gegoogelt. An der heimischen Herd-Frond gelang das Karamellisieren nicht so 100 %, ich war etwas zu bange. Darum sahen die Fleischstücke nicht wie reife Datteln aus.

    Trotzdem, das Ergebnis war schon eine positive Überraschung, alleine der Duft in der Küche. Dazu gab es Jasmin-Reis und mild gedünsteten Spitzpaprika. Der Gatte monierte, dass das Fleisch nicht kross sei. Seltsam, je besser meine Leistung wird, um so mehr wird er zum Feinschmecker. Ich muß ihm mal wieder eine Dose Maggi-Ravioli servieren, eine Erinnerung an meine unrühmliche, kulinarische Vergangenheit. ;-)

    Es hat mir einen riesigen Spaß gemacht, ich bin glücklich. Derzeit sind zwei Rezepte von hier noch in den Startlöchern.

    Frage: Ob Bauchspeck vom Iberischen Schwein sich lohnen würde? Ich probiere das aus.

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    1. Ich bin etwas irritiert, weil Bauchspeck für mich geräuchert ist. Was nimmst du für Carbonara? Bauchfleisch oder Räucherspeck? Eigentlich muss da Guancial (luftgetrocknete Schweinebacke) rein ...

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    2. Bauchspeck würde ich auch immer als geräuchert oder/und gepökelt ansehen. Bauchfleisch oder Schweinebauch heißt das Stück unbehandelt. Beides sollte aber irgendwo die gleiche Stelle am Schwein sein. Nur eben mit Verarbeitung oder ohne. Irgendwie erinnert mich die Geschichte an ein Rezept, für das ich Schweinebacke (naturell) brauchte, aber keine fand. Es gab sie nur geräuchert. In meiner Not ;-) habe ich die dann genommen, was dem Endprodukt eine sehr angenehme, zwar ungewohnte, aber leckere Rauchnote hab. Je nach Räuchergrad könnte ich mir auch hier vorstellen, Bauchspeck zu nehmen. Aber nur leicht geräucherten. Mein Lieblingsfleischer bietet ihn auch in einer doppelt geräucherten Version an. Wenn ich den auch noch in Karamell brate, könnte er die Konsistenz von Ziegeln haben. Was aber auch wieder zur thematisierten Farbe passt. ;-)

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    3. In China wird besonders im ländlichen Bereich, wo die Menschen weitgehend Selbstversorger sind, viel Geräuchertes gegessen, weil das die beste Art ist, Fleisch auch oihne Kühlschrank haltbar zu machen.

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  5. Stimmt, ich habe das verwechselt. Ich nahm Rächerspeck. Luftgetrocknete Schweinebacke habe ich bislang noch nicht an der Theke gesehen. Es war trotzdem umwerfend. Auf ein Neues.

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    1. Bei diesem Rezept sollte es frischer Schweinebauch, so wie für einen Sonntagsbraten sein.

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  6. Mal schauen, wo ich den bekomme. Wir haben zwei gute Metzgereien in den Nähe, oft kaufe ich aus Bequemlichkeit nur bei REWE. weil ich alles mit dem Fahrrad befördere, mache ich es mir so leicht als möglich. Nächstens gehe ich extra in ein Fleischerfachgeschäft.
    Schweinebauch als Sonntagbraten gab es bei mir noch nicht. Dafür Rind, Reh, Pferd, Strauß.

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    1. Schweinebauch solltest du auch im Supermarkt an der Theke bekommen.

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